Kabul braucht Milliarden: Bin Laden angeblich auf Seeweg geflüchtet

Kabul braucht Milliarden
Bin Laden angeblich auf Seeweg geflüchtet

Der wegen der Terroranschläge vom 11. September gesuchte Osama bin Laden ist nach Einschätzung des amerikanischen Geheimdienstes CIA nicht mehr in Afghanistan. Er sei wahrscheinlich in der ersten Dezemberwoche aus der Tora-Bora-Gegend verschwunden und per Schiff aus der Region geflüchtet, berichtete der Fernsehsender ABC am Dienstag unter Berufung auf eine vertrauliche Analyse, die CIA-Direktor George Tenet vergangene Woche zugegangen sei.

dpa WASHINGTON/KABUL/FRANKFURT. Afghanische Kämpfer hatten das Gebiet im Osten Afghanistans mit Unterstützung der US-Armee wochenlang belagert und vor Weihnachten schließlich erobert. Die meisten der dort vermuteten El-Kaida-Kämpfer entkamen.

Unterdessen normalisisiert sich das Leben in der Hauptstadt Kabul weiter. Am Dienstag konnten erstmals seit fünf Jahren mehr als 10 000 Mädchen wieder eine Schule besuchen. Insgesamt 15 Schulen waren mit deutscher Hilfe zunächst provisorisch wieder hergerichtet worden waren. Für das Projekt stellte das Auswärtige Amt 518 000 Euro (gut eine Million DM) bereit. Nach der Machtübernahme der Taliban 1996 hatten Mädchen in Afghanistan nicht zur Schule gehen dürfen.

Blanke Not herrscht nach Einschätzungen von Hilfeorganisationen dagegen im Süden Afghanistan. In dem Gebiet um die frühere Taliban- Hochburg Kandahar sei wegen der angespannten Sicherheitslage sowie marodierender Taliban-Einheiten die Versorgung von rund 400 000 Not Leidenden seit Ende September unterbrochen. Nun bahne sich dort ein neues Flüchtlingsdrama an. Rund 13 000 Afghanen steckten im Niemandsland an der Grenze zu Pakistan fest, weil ihnen die Einreise verweigert werde, sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerkes, Kris Janowski, in Genf. Weitere 40 000 Flüchtlinge würden in den kommenden Tagen erwartet.

Mit dem erwarteten Ende der meisten UN-Sanktionen kann Afghanistans Zentralbank mit dringend benötigten Überweisungen von hunderten Mill. Dollar aus den USA und anderen Ländern rechnen. Mit der Annahme einer Resolution zur Aufhebung der Sanktionen könne bis spätestens Freitag gerechnet werden, hieß am Dienstag im New Yorker UN-Hauptquartier.

Bereits in den nächsten Tagen benötigt die afghanische Übergangsregierung nach Angaben des UN-Sprechers Ahmed Fausi rund 100 Mill. $, um ausstehende Gehälter im öffentlichen Dienst zahlen zu können. Insgesamt werden die Wiederaufbaukosten in Expertenschätzungen mit 10 bis 15 Mrd. $ angegeben.

Entgegen den Planungen des Bundeswehr konnte am Dienstag noch nicht mit der Verlegung des zweiten Teils des deutschen Vorauskommandos für die Afghanistan-Schutztruppe begonnen werden. 92 Fallschirmjäger sollen nun frühestens an diesem Mittwoch in die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen werden. Ursache seien Probleme auf dem Flughafen Bagram.

Nach einem Bericht der afghanischen Nachrichtenagentur AIP vom Dienstag begannen US- Bodentruppen damit, ein Höhlensystem nahe des ehemaligen El- Kaida-Trainingslagers Zawara im Osten Afghanistans zu durchsuchen. US-Kampfflugzeuge hatten zu Jahresbeginn mit heftigem Angriffen auf die Gegend des Lagers begonnen, weil dort versprengte Taliban- und El-Kaida-Mitglieder vermutet wurden.

Auf die extrem hohe Gefahr durch Minen wies die deutsche Hilfsorganisation Medico International und die Kampagne zur Ächtung von Landminen hin, die 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. "Elf Prozent des Landes sind mit Minen verseucht", sagte der Gründer der afghanischen Anti-Landminen- Kampagne, Sayed Aqa, am Dienstag in Frankfurt. Nach dem Abwurf amerikanischer Streubomben seien auch Gebiete betroffen, die einheimische Minenräumer in jahrelanger Arbeit bereits gesäubert hatten. Minen-Unfälle kosten in Afghanistan täglich bis zu zehn Menschen das Leben.

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