Kämpfe im Osten Afghanistans gehen weiter
Karsai bereitet Regierungsübernahme in Kabul vor

Der designierte Regierungschef Afghanistans, Hamid Karsai, hat am Donnerstag in Kabul Gespräche zur Übernahme der Regierung geführt und damit nach 22 Jahren Bürgerkrieg ein Zeichen für den politischen Neuanfang gesetzt.

Reuters KABUL. Er traf den noch amtierenden Präsidenten Burhanuddin Rabbani, der gemäß dem Petersberger Abkommen die Macht an Karsai und dessen Übergangsregierung abgeben soll. Die USA setzten ihre Luftangriffe im Bergland um Tora Bora fort, wohin sich Kämpfer der El Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden geflüchtet haben. Die USA veröffentlichten ein Amateur-Video, das nach US-Einschätzung einen Beweis für die führende Rolle Bin Ladens bei den Anschlägen vom 11. September darstellt.

Auf dem Petersberg bei Bonn war vergangene Woche ein Abkommen für eine sechsmonatige Übergangsregierung ausgehandelt worden, die Karsai ab dem 22. Dezember führen soll. Rabbani hatte zwar die Zusammensetzung der Regierung kritisiert, Karsai aber dennoch seine Unterstützung zugesagt. Rabbani war Präsident geworden, als die Mudschahedin 1992 die Macht von der pro- kommunistischen Regierung übernahmen. Ein Sprecher Rabbanis sagte, es sei insbesondere über die Situation in Kandahar gesprochen worden, wo sich verschiedene Stammesfraktionen um ihre Beteiligung an der Macht stritten.

In den Bergen im Osten des Landes gingen die Kämpfe weiter. Dort haben sich die Reste der ausländischen El-Kaida-Kämpfer verschanzt, die meist aus arabischen Ländern stammen und den Kern der Truppen von Bin Laden in Afghanistan ausmachen. US-Kampfflugzeuge setzten ihre Bombenangriffe bis in die Nacht hinein fort. Der Anti-Taliban-Kommandeur Mohammad Aman sagte der Nachrichtenagentur AIP: "Wir haben heute Abend einen großen Bodenangriff gegen die Araber (El Kaida) begonnen und mehrere Anhöhen erobert." AIP zufolge wurden mehrere Kämpfer Amans durch fehlgeleitete US-Bomben verletzt. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Die Kämpfer Bin Ladens sollen vor einigen Tagen gefordert haben, dass sie im Beisein diplomatischer Vertreter ihrer Herkunftsländer den Vereinten Nationen (UNO) übergeben werden. Ein afghanischer Kommandeur sagte jedoch, er habe im Funkverkehr der El Kaida gehört, dass sie nicht kapitulieren wollten. "Sie sind entschlossen, Märtyrer zu werden", sagte der Feldkommandeur.

Die US-Zeitung "Christian Science Monitor" berichtete, Bin Laden sei mit Hilfe eines örtlichen Paschtunenstammes über die Grenze nach Pakistan geflohen. Dem widersprach Pakistans Armee-Sprecher General Rashid Qureshi. Auch US-Verteidigungsminister Rumsfeld sagte, die USA gingen davon aus, dass Bin Laden noch in Afghanistan sei.

In New York arbeiteten die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates weiter an der Resolution zur Einsetzung einer multinationalen Schutztruppe für Afghanistan. In Diplomatenkreisen hieß es, die zunächst für Freitag geplante Beschlussfassung könnte sich möglicherweise bis kommende Woche verzögern. Die Führung der Truppe wird wahrscheinlich Großbritannien übernehmen. Auch Deutschland soll Soldaten entsenden.

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