Kämpfe in Kundus eingestellt
Vorletzte Taliban-Hochburg vor dem Fall

Mit der nordafghanischen Stadt Kundus stand am Montag die vorletzte Hochburg der Taliban vor dem Fall. Mit den in der Stadt eingeschlossenen Kämpfern werde derzeit über deren Aufgabe verhandelt, sagte ein Sprecher der Nordallianz.

Reuters KABUL. Die Kämpfe um die Stadt, die zuvor unter starkem Artilleriebeschuss und US-Luftangriffen gestanden habe, seien deshalb eingestellt worden. Im Süden hielten die Taliban weiter ihre Positionen um Kandahar. US-amerikanische und britische Elitesoldaten durchkämmten Gebiete südlich der Stadt auf der Suche nach dem moslemischen Extremisten Osama bin Laden. US-Außenminister Colin Powell sagte, Bin Ladens Bewegungsfreiheit sei sehr eingeschränkt.

Zur Lage um Kundus berichtete der Sprecher der Nordallianz am Telefon aus der benachbarten Ortschaft Talokan, derzeit liefen Verhandlungen in der Stadt, um die Verteidiger zur Aufgabe zu bewegen. "Derzeit gibt es keine Kämpfe." Nach heftigem Artilleriebeschuss und Angriffen der US-Luftwaffe hätten sich am Sonntagabend etwa 200 Taliban-Kämpfer ergeben. Der britische Nachrichtensender BBC berichtete, die Angriffe von US-Kampfflugzeugen auf Kundus hielten an. Aus dem Kampfgebiet gibt es keine unabhängigen Informationen.

Taliban verlangen freies Geleit

Die mehrere tausend Mann umfassenden Taliban-Kämpfer verlangen, dass sie unter dem Schutz der Vereinten Nationen (UNO) freies Geleit erhalten. Die Nordallianz hat erklärt, dass sie die ausländischen Söldner nicht abziehen lassen wolle. Der Nordallianz-Sprecher sagte, Pakistaner, Araber und Tschetschenen von Bin Ladens Organisation El Kaida hätten am Sonntag 53 Taliban-Kämpfer, die hätten aufgeben wollen, erschossen. Einer Meldung der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge bombardierten US-Kampfflugzeuge auch Kandahar.

Bin Ladens Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt

Powell sagte im US-Fernsehen, Bin Laden sei weiter im Land und es werde für ihn immer schwieriger sich zu verstecken, da immer mehr Gebiete den Taliban verloren gingen. "Eine Reihe von Berichten besagen, dass seine Bewegungsfreiheit ganz schön begrenzt ist." Bin Laden wird von den USA als Drahtzieher für die Anschläge auf das World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium gesucht, bei denen über 4600 Menschen getötet worden waren.

Powell sagte, er sei sehr erfreut über die Bereitschaft der Nordallianz, an den von den UNO angestrebten Gesprächen über die politische Zukunft Afghanistans teilzunehmen. Er erinnerte zugleich daran, dass das eigentliche Ziel der USA noch nicht erreicht worden sei, nämlich die Ergreifung Bin Ladens und die Zerschlagung der El Kaida.

Neue Regierung soll alle afghanischen Völker berücksichtigen

Die USA und ihre Verbündeten streben eine neue Regierung an, in der möglichst alle afghanischen Völker vertreten sind, auch Paschtunen, die die Taliban-Bewegung bisher unterstützt haben und die Bevölkerungsmehrheit stellen. In der Nordallianz sind Minderheiten wie Usbeken, Tadschiken und Hasara vertreten.

Nach Einschätzung des UNO-Sonderbotschafters für Afghanistan, Francesc Vendrell, könnten in dem von Bürgerkrieg zerrütteten Land bereits in drei Jahren Wahlen stattfinden. Eine Volkszählung könnte die Wahlen vorbereiten, sagte Vendrell der britischen Zeitung "Guardian" in Kabul. Die UNO teilte mit, sie habe 30 Mitarbeiter nach Afghanistan zurückgesandt, um Hilfslieferungen voranzutreiben. Nach UNO-Angaben sind in Afghanistan mehrere Millionen Menschen dringend auf Hilfe von außen angewiesen.

Erstmals nach fünf Jahren wieder Fernsehen in Kabul ausgestrahlt

In der Hauptstadt Kabul wurde nach fünfjähriger Pause am Sonntag erstmals wieder ein Fernsehprogramm ausgestrahlt. "Wir hoffen, Euch geht es gut", hieß es in der Begrüßung. "Wir sind froh, den Terrorismus und die Taliban zerstört zu haben und Euch dieses Programm zeigen zu können." Die Taliban hatten gemäß ihrer radikalen Auslegung des Islam Fernsehen verboten.

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