Kämpfe mit Panzern und Hubschraubern im Westjordanland
Israel nimmt sich im Friedensprozess eine Auszeit

Der Konflikt von Palästinensern und Israelis ist am Freitag wieder eskaliert. Bei neuen Ausschreitungen im Westjordanland und im Gazastreifen wurden bis zum Abend mindestens neun palästinensische Demonstranten getötet. Die israelische Regierung erklärte am Abend, eine "Auszeit" vom Friedensprozess nehmen zu wollen.

ap/dpa NABLUS. Die israelischen Streitkräften setzten am Freitagabend Panzer und Kampfhubschrauber gegen militante Palästinenser ein. Bei den blutigsten Zusammenstößen seit zwei Wochen wurden mindestens neun Palästinenser getötet, unter ihnen ein 13 Jahre alter Junge.

Kampfhubschrauber griffen nach Militärangaben das Dorf Beit Sahur bei Bethlehem an, nachdem in der Nähe stationierte Soldaten von militanten Palästinensern beschossen worden waren. Außerdem beschossen den Angaben zufolge Panzer palästinensische Stellungen in dem ebenfalls im Westjordanland gelegenen Dorf Beit Jala. In Ramallah wurde ein 13-Jähriger mit einem Schuss in den Kopf getötet, in Tulkarem und Kalkilija wurden zwei Jugendliche im Alter von jeweils 16 Jahren erschossen. Die israelischen Soldaten eröffneten in diesen Fällen das Feuer, nachdem sie aus einer Menschenmenge heraus mit Steinen beworfen worden waren.

Israel hatte den Palästinensern für Freitag 16.00 Uhr eine Frist für die Einstellung aller Gewalttaten gesetzt. Nur Minuten danach flammten in der Nähe von Nablus und in Ramallah Gefechte auf. Zu einem der schwersten Zwischenfälle kam es südlich von Nablus, wo hinter Olivenbäumen versteckte palästinensische Kämpfer israelische Soldaten beschossen. Diese erwiderten das Feuer und erschossen vier Palästinenser.

Israel macht Autonomieregierung verantwortlich

Vor dem islamischen Freitagsgebet kam es bereits am Vormittag in der Jerusalemer Altstadt zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Israelische Sicherheitskräfte besetzten den Zugang zur Al-Aksa-Moschee. Sie ließen nur Frauen und Männer über 40 passieren.

Der israelische Regierungssprecher Azi Pezner sagte am Abend, die Palästinenser hätten 48 Stunden Zeit gehabt, die in Scharm el Scheich vereinbarte Waffenruhe in die Tat umzusetzen. Stattdessen gebe es nun mehr gewalttätige Vorfälle als zuvor und die Palästinensische Autonomiebehörde habe "sehr wenig getan, um die Kämpfe zu beenden". Deshalb werde Israel eine Pause im Friedensprozess einlegen. Die Palästinenser wiederum beklagten, Israel habe die Abriegelung der Autonomiestädte nicht komplett aufgehoben.

Israel hatte in dem Abkommen versprochen, seine Truppen aus den autonomen Palästinenserstädten zurückzuziehen, Grenzen und Straßen sowie den Flughafen von Gaza wieder zu öffnen. Palästinenserpräsident Jassir Arafat sicherte zu, seine Landsleute zu einem Ende der Gewalt aufzurufen. Israel hatte ihm dazu eine Frist bis Freitagnachmittag um 16 Uhr eingeräumt. Arafat flog am Freitag zum Gipfeltreffen der Arabischen Liga nach Kairo.

Der israelische Regierungssprecher Avi Patzner machte die palästinensische Autonomieregierung unter Jassir Arafat für die neue Gewalt verantwortlich. Diese habe die Palästinenser auf den Straßen zu den neuen Unruhen ermuntert. Der Kommandeur der israelischen Truppen im Westjordanland, Generalmajor Jizchak Eitan, warnte die Palästinenser vor jeder Verletzung des beim Sondergipfel in Scharm el Scheich am Dienstag vereinbarten Waffenstillstands.



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