Kämpfe um Basra: Offensive im Irak fortgesetzt

Kämpfe um Basra
Offensive im Irak fortgesetzt

Die USA haben am Samstagmorgen mit weiteren Angriffswellen ihre massive Luftoffensive gegen Irak fortgesetzt. US-Panzereinheiten sind nach Militärangaben bis Basra vorgerückt und lieferten sich vor der Stadt Kämpfe mit irakischen Truppen.

Reuters BAGDAD. Iraks Informationsminister Mohammed Saeed el Sahaf dementierte am Morgen US-Berichte, wonach die Hafenstadt Umm Kasr gefallen sein soll. Dies seien "Illusionen und Lügen". US-Truppen berichteten von vereinzelten Widerstandsnestern in der Stadt. Nach Sahafs Worten hielten auch die Kämpfe um die Halbinsel Faw noch an. Ein irakischer Militärsprecher bestritt zudem, dass sich die Kommandeure der 51. Division ergeben haben sollen. Dies war zuvor aus US-Militärkreisen verlautet. Weitere Verluste haben die britischen Streitkräfte zu beklagen: Bei der Kollision zweier Hubschrauber sind nach offiziellen Angaben alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.

Erstmals Luftangriffe auch bei Tageslicht

Reuters-Korrespondenten berichteten, dass am Samstag erstmals bei Tageslicht Luftangriffe auf Bagdad erfolgten. Im Morgengrauen wurde das Zentrum der Stadt von mehreren starken Explosionen erschüttert. Auch in Mosul und Kirkuk im Norden des Landes gab es Detonationen, die auf neue Angriffe hindeuteten.

Am Vorabend erlebte Irak die bislang schwersten Luftangriffe. Raketen trafen zwei Paläste des Präsidenten Saddam Hussein und weitere Regierungsgebäude. "Die Erde bebt in Bagdad", berichtete Reuters-Reporter Khaled Oweis, der von der anderen Seite des Tigris aus die Lage beobachtete.

Auch am Samstagmorgen stiegen Rauchsäulen über Bagdad auf. Gebäude standen in Flammen. Die US-Marine teilte mit, von US-Kriegsschiffen seien am Freitag rund 320 Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" auf Ziele in der Umgebung von Bagdad abgefeuert worden.

Kämpfe um Basra im Süden

Im Süden Iraks drangen die US-Marineinfanteristen nach eigenen Angaben bis nach Basra vor. Ihre Panzerverbände lieferten sich westlich der Stadt Gefechte mit irakischen Truppen. Ein Hauptmann der Marineinfanteristen sprach von einem großen Gefecht. Auch britische Truppen waren auf die Hafenstadt vorgerückt. Die Truppen besetzten auf dem Weg wichtige Anlagen der Ölindustrie. Einheiten der US-Marineinfanterie verhinderten nach einem Bericht des US-Senders Fox die Sprengung zweier Öl-Verladestationen vor der irakischen Südküste, die bereits mit Sprengsätze versehen gewesen seien. US-Truppen haben nach Militärangaben zudem zwei Flugplätze in der Wüste 225 und 290 Kilometer westlich von Bagdad eingenommen.

Reuters-Reporter bei den US-Truppen berichteten am Samstag, gepanzerte Verbände seien von Süden aus bis zum Morgen rund 200 Kilometer Richtung Bagdad vorgerückt und seien erst bei Nassirija am Euphrat auf nennenswerten Widerstand gestoßen. Mehrere Stunden dauerten die Gefechte um einen Flugplatz nahe der Stadt, von der es noch 375 Kilometer bis zu Hauptstadt sind.

Im Norden Iraks soll eine Vorhut türkischer Truppen die Grenze überschritten haben. Aus Militärkreisen verlautete, 1 500 Soldaten seien an drei Stellen nach Irak eingerückt. Sie sollten den Boden für den Einmarsch größerer Verbände bereiten. Die Aktion soll nach offiziellen Angaben verhindern, dass kurdische Flüchtlinge in die Türkei kommen, und sie soll jeglichen Versuch zur Bildung eines kurdischen Staates unterbinden. Kurdische Militärs in Nordirak bestritten jedoch, dass türkische Soldaten die Grenze überschritten hätten. "Wenn irgendwelche türkische Truppen nach Irak gekommen wären, würden sie Kämpfe hören", sagte ein Militärsprecher der Kurden. "Wir werden ihnen nicht den roten Teppich ausrollen", fügte er hinzu.

Auswirkungen der Bombardements unklar

Über die Auswirkungen der bisherigen Bombardements gibt es keine zuverlässigen Informationen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, die irakische Regierung beginne, die Kontrolle über das Land zu verlieren. Ob Saddam die Angriffe auf seine Paläste überlebt hat, ist unklar. Informationsminister Sahaf sprach von mindestens 250 verletzten Zivilisten durch die Luftangriffe. Die irakischen Streitkräfte hätten fünf feindliche Panzer zerstört und ihren Gegnern Verluste zugefügt, sagte er.

Widersprüchliche Angaben gab es über die angebliche Kapitulation einer ganzen irakischen Division. Ein irakischer Militärsprecher bestritt, dass sich die Kommandeure der 51. Division ergeben haben sollen. Dies verlautete zuvor aus US-Militärkreisen. "Die 51. Heeresdivision kämpft nach wie vor wild und tapfer gegen die Invasionstruppen und fügt dem Feind die schrecklichsten Verluste zu", sagte der Sprecher im Fernsehen. Die "New York Times" hatte berichtet, die Division sei buchstäblich "weggeschmolzen", weil die meisten der Soldaten desertiert seien.

Der irakische Präsident sicherte nach einer Meldung des staatlichen Fernsehens zu, die Rechte von Kriegsgefangenen zu respektieren. Die von irakischen Streitkräften gefangen genommenen Soldaten würden als Kriegsgefangene entsprechend der Genfer Konvention behandelt, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung, die von Saddam stammen soll. Am Vortag hatte die amtliche Nachrichtenagentur INA gemeldet, Saddam habe Kopfgelder auf amerikanische und britische Soldaten ausgesetzt.

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