Kärnten
Auch in Österreich beschäftigte Katholische Kirche Zwangsarbeiter

Die Katholische Kirche in Deutschland hat in der Nazi-Zeit "flächendeckend" Zwangsarbeiter beschäftigt. Das bestätigte der Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, der "Welt am Sonntag". Die Zwangsarbeiter waren in den von der katholischen Kirche bewirtschafteten Ländereien eingesetzt. Belege für den Einsatz von Zwangsarbeitern gebe es vor allem auf den Feldern der Klöster, aber auch in Weinbergen und Krankenhäusern.

dpa HAMBURG/WIEN. Auch die katholische Kirche Österreichs hat jetzt eingeräumt, während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben. Zwischen 1941 und 1945 seien 77 Zwangsarbeiter aus Russland, Polen, Italien und dem ehemaligen Jugoslawien der Kirche in Kärnten zugeteilt worden, bestätigte die Diözese Gurk-Klagenfurt nach Medienberichten vom Sonntag. Man wolle einen Weg für eine Entschädigung der Zwangsarbeiter finden, sagte Diözesanbischof Egon Kapellari.

Hammerschidt sagte zur entsprechenden Situation in der Katholischen Kirche in Deutschland: "Die Orden und Diözesen sind gerade dabei, die Fälle aus ihren Archiven zusammenzustellen. Wir rechnen damit, für den Ständigen Rat der Bischöfe am 28. August eine Dokumentation mit 30 bis 40 Fällen zusammenstellen zu können."

Beim Ständigen Rat wollen die Bischöfe auch darüber entscheiden, ob und auf welchem Wege sich die katholische Kirche an der Zwangsarbeiter-Entschädigung beteiligt, hieß es. Dabei ist neben einem Beitrag für den Entschädigungsfonds und direkten Zahlungen an kirchliche Zwangsarbeiter auch ein "dritter Weg" im Gespräch. "Der Fonds liegt in der Verantwortung von Industrie und Wirtschaft. Wir überlegen, ob wir unsere eigenen Wege gehen, etwa über unsere Hilfswerke in den osteuropäischen Ländern", sagte der Sprecher des Limburger Bistums, Michael Wittekind. "Wir wollen nicht, dass der Fonds verwässert wird."



Gesetz über Entschädigung



Das deutsche Gesetz über die Entschädigung früherer NS-Zwangsarbeiter war am Samstag in Kraft getreten. Es regelt die Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die ehemaligen Zwangsarbeitern und anderen NS-Opfern unbürokratisch und schnell Hilfe leisten soll. In die Stiftung zahlen Staat und Wirtschaft je fünf Mrd. DM ein. Noch in diesem Jahr können die ersten ehemaligen NS-Zwangsarbeiter mit Geld aus dem Entschädigungsfonds rechnen. 55 Jahre nach Ende der Nazi-Zeit leben schätzungsweise noch 1,5 Mill. ehemalige Zwangsarbeiter. Sie erhalten je nach Opfergruppe zwischen 5 000 und 15 000 DM.

Auf zunehmende Kritik war die schleppende Beteiligung der deutschen Unternehmen an der Entschädigung gestoßen. Der Stiftungsinitiative der Wirtschaft haben sich inzwischen mehr als 3 000 Firmen angeschlossen. Der Entschädigungsregelung waren rund eineinhalbjährige, schwierige Verhandlungen zwischen Deutschland, den USA, fünf osteuropäischen Staaten und den Vertretern der Opfer vorausgegangen.

Das Gesetz sieht vor allem Leistungen an Antragsteller vor, "die in einem Konzentrationslager... inhaftiert waren und zur Arbeit gezwungen wurden" oder die "aus ihrem Heimatstatt in das Gebiet des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937... deportiert wurden, zu einem Arbeitseinsatz... gezwungen wurden". Kriegsgefangenschaft begründet keine Leistungsberechtigung.

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