Käseboykott und Franzosenwitze: USA rächen sich an „Irak-Rebellen“

Käseboykott und Franzosenwitze
USA rächen sich an „Irak-Rebellen“

Lahme Wirtschaft, Terror-Warnung, drohender Irak-Krieg: Keine Frage, die Amerikaner haben zur Zeit wenig zu lachen. Wie gut, dass es die Franzosen gibt. Seit die Menschen mit der Baskenmütze auf dem Kopf und dem Weißbrot unter dem Arm neben den Deutschen zum Wortführer der Antikriegsfront geworden sind, blüht in den USA eine neue Kultur. Franzosen-Witze - und beileibe keine freundlichen - sind der Renner.

HB/dpa WASHINGTON. Von Karikaturen über Talkshows bis hin zu ganzen Webseiten: Die Amerikaner schießen sich zusehends auf den "war wimp", den "Kriegsfeigling", von der Seine ein.

Auch die Deutschen bekommen natürlich ihr Fett weg - aber weniger. Experten führen das unter anderem darauf zurück, dass man in den USA den "beachtlichen Beitrag" aus Berlin zum Anti-Terror- Krieg nicht vergessen habe.

Ein Cartoon in einer Zeitung zeigte unlängst "Frankreichs Nationalvogel": einen Strauß, der seinen Kopf in den Sand steckt. Und für alle, die es noch nicht wissen: Wie viele Gänge hat ein französischer Panzer? Fünf - vier davon fürs Rückwärtsfahren und einen für Vorwärts (für den Fall eines Angriffs von hinten).

Aber es bleibt nicht nur bei Witzen. Camembert, no thank you, hört man in den USA immer häufiger. Französische Käseexporteure, die ihre Ware via Internet feilbieten, klagen über spürbare Absatzeinbußen. Auch feine französische Gänseleberpastete ist auf den amerikanischen Tischen zunehmend verpönt. "Die können sie sich selbst an die Backe schmieren", sagt Lindsey Frist aus Washington.

Dass Rache süß ist, finden auch konservative Kongressmitglieder: Sie erwägen Einfuhrbeschränkungen für Wein und Tafelwasser aus Frankreich. Ihr Chef Dennis Hastert denkt sogar an knallige Orange farbene Warnzeichen auf älteren Flaschen Wein, die mit Rinderblut geklärt wurden - eine Prozedur, die nun verboten ist.

Was die Deutschen betrifft, sieht das Boulevard-Blatt "New York Post" jetzt nicht nur eine "axis of evil", die von Präsident George W. Bush so viel zitierte "Achse des Bösen", sondern auch eine "axis of weasels". Das ist die deutsch-französische "Achse der Wiesel", die sich aus ihrer Verantwortung herauslavieren. "Die Wiesel hören neue Irak-Beweise", titelte das Blatt auch einen Text zum jüngsten Bericht der UN-Chefwaffeninspekteure und zeigte ein Bild, auf dem die deutschen und französischen UN-Vertreter Tierköpfe haben.

In einer TV-Talkshow fiel unlängst die Bemerkung, Bundeskanzler Gerhard Schröder sei ein "deutscher Schläger, wobei das praktisch ein weißer Schimmel ist". Auf einer Satire-Webseite hieß es als Antwort auf die Frage nach Gründen gegen eine Irak-Invasion: "Wenn sogar Deutschland keinen Krieg will, dann sollte das uns zu denken geben."

Aber meistens sind es doch die Franzosen, auf die gefeuert wird. Es kämen "latente" Ressentiments an die Oberfläche, erklären dies Experten übereinstimmend. Die Amerikaner hielten die Franzosen für wichtigtuerisch und arrogant. Frankreich könne es einfach nicht akzeptieren, dass es nicht mehr die Weltmacht, die "grande nation" von einst sei.

Ironischerweise wollen auch die meisten US-Bürger wie die Franzosen mehr Zeit für Irak-Inspektionen und vor einer Invasion eine entsprechende UN-Resolution. Aber das heißt nicht, dass man offenen Widerstand von außen gegen das Land und den Präsidenten tolerieren würde. So stehen denn mittlerweile auch Baretts auf den im Internet verbreiteten "No-No-Listen". Es gebe nur eine Boykott- Ausnahme, witzelte ein Radio-Talkshowmaster: französische Küsse.

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