Käufe durch Londoner Finanzhäuser
Interventionsfurcht stützt Euro in nervösem Handel

Dennoch gibt es keine Anzeichen für eine Intervention der Europäischen Zentralbank.

Reuters FRANKFURT. Neuerliche Spekulationen über Zentralbankinterventionen haben dem Euro am frühen Freitagnachmittag nach Händlerangaben bei nervösem Handel Kursgewinne beschert. Zum Yen kletterte die Gemeinschaftswährung beflügelt durch die anhaltende politische Unsicherheit in Japan und Schuldenprobleme heimischer Unternehmen sogar auf ein Drei-Wochen-Hoch. Zur US-Währung war der Euro am Mittag kurzzeitig um 0,4 Cent auf 0,8456 $ angezogen. Frankfurter Händler begründeten den Kurssprung mit Käufen Londoner Finanzhäuser. Es gebe jedoch kein Anzeichen für eine Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) am Markt. Die deutschen und französischen Konjunkturdaten hätten den Kursverlauf nicht beeinflusst.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,8445 $ ermittelt nach 0,8430 $ am Vortag. Der $ kostete damit 2,3160 (2,3201) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 93,96 Yen ermittelt nach 92,87 Yen am Vortag. Gegen 13.45 Uhr MEZ notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,8435/40 wieder etwas unter ihrem vorläufigen Tageshoch nach 0,8388/93 $ am Vorabend.

EZB gibt keinen Kommentar ab

Der Euro hatte sich bereits im europäischen Frühhandel auf Grund von Spekulationen über mögliche Stützungskäufe der EZB leicht auf Kurse nahe 0,84 $ erholt. "Die Umsätze sind dünn und der Euro steigt. Dies ist eine ideale Zeit für Interventionen der EZB", sagte ein Händler einer US-Bank in London. "Wenn die EZB nicht interveniert, könnte der Markt versuchen, den Euro nach unten zu treiben." Die EZB hatte auf Anfrage keinen Kommentar abgegeben.

Händlern zufolge hatten die Marktteilnehmer im Fernen Osten zunächst noch enttäuscht darauf reagiert, dass die EZB am Vortag nicht zur Verteidigung des Euro in den Markt eingegriffen habe. Später seien dann erneute Spekulationen aufgekommen, die EZB könnte möglicherweise zu Gunsten der Gemeinschaftswährung intervenieren. Ein US-Fonds hatte große Volumina an Euro und Yen gekauft, hieß es am Markt. Der Kurssprung am Mittag wurde nach Händlerangaben jedoch durch Londoner Finanzhäuser ausgelöst. Technische Analysten sehen bei einem Wechselkurs von 0,8450 $ einen ersten Widerstand für eine Aufwärtsbewegung der Gemeinschaftswährung.

Spekulationen durch Duisenberg angeheizt

Äußerungen von EZB-Chef Duisenberg am Vorabend in Paris hatten nach Händleraussagen die Interventionsspekulationen im Markt weiter angeheizt. Duisenberg hatte gesagt, mit ihren Stützungskäufen zu Gunsten des Euro wolle die Notenbank Spekulanten am Devisenmarkt disziplinieren und nicht einen bestimmten Wechselkurs erreichen. Die Stützungskäufe sollten vor allem die Überzeugung der Devisenmärkte zerstören, dass der Euro-Kurs eine nach unten gerichtete Einbahnstraße mit einem einseitigen Risiko sei.

Keinen Einfluss auf die Kursentwicklung hatten Händlern zufolge die am Mittag veröffentlichten deutschen Verbraucherpreise. Die Jahresteuerung in Deutschland blieb im November nach Angaben des Statistischen Bundesamt mit 2,4 % unverändert zum Vormonat und lag damit im Rahmen der Erwartungen.

Yen unter Druck

Besonders unter Druck geriet an den Devisenmärkten am Freitag der Yen. Der Euro kletterte zum Yen um über ein Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch über 94 Yen. Der $ erklomm ein Neun-Monatshoch und kostete in der Spitze 111,31 Yen. Analysten sagten die anhaltenden politischen Unsicherheit in Japan belaste die Währung, nachdem der japanische Ministerpräsident Yoshiho Mori vor wenigen Tagen nur knapp ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden hatten, an den Finanzmärkten und in der Bevölkerung aber wenig Rückhalt findet. Zudem wurde die jüngste Yen-Schwäche Händlern zufolge von Nachrichten über Verschuldungsprobleme der Supermarktkette Daiei sowie des Bauunternehmers Mitsui Construction ausgelöst, die Zweifel über die Konjunkturentwicklung in Japan nährten.

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