Käufer oder Produzent – das ist für Filmfonds-Anleger die Frage
Waterloo für Anbieter von Filmfonds

Der Entwurf eines neuen Steuererlasses könnte zum Waterloo für Anbieter von Filmfonds und für deren Kunden werden.

HB/rrl DÜSSELDORF. "Erwerbereigenschaft von Fondsgesellschaften, ertragsteuerliche Beurteilung der Eigenkapitalvermittlungsprovision und anderer Gebühren" steht über dem Erlass-Entwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF). Shakespeare liest sich spannender. Dabei geht es für Steuersparer durchaus ums "Sein oder Nichtsein."

"Unabhängig von der Hersteller- oder Erwerbereigenschaft eines Fonds" seien deren Gesellschafter "als Erwerber eines Wirtschaftsguts zu beurteilen, wenn dem Beitritt des einzelnen Anlegers zum Fonds ein einheitliches auf einem Gesamtplan beruhendes Vertragskonzept zugrunde liegt und der Anleger daher tatsächlich - nicht nur theoretisch - weder die Vertragsgestaltung noch den Herstellungsprozess wesentlich beeinflussen kann." Populär ausgedrückt und auf Medienfonds angewendet: Wenn sich ein Anleger an einem Fonds beteiligt, dessen Anbieter bereits die wichtigsten Verträge - wie etwa die mit Drehbuchautor, Produktionsteam, Filmverleiher, dem Versicherer gegen Fertigstellungsrisiken und Beratern, etwa bei der Filmauswahl - abgeschlossen hat, dann stellt er keinen Film mehr her, sondern kauft nur noch die Filmrechte.

Als Hersteller des Films könnte er die Produktionskosten sofort in vollem Umfang als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen, als Käufer der Filmrechte kann er die Kosten nur über 50 Jahre abschreiben. Auch die Fondsnebenkosten zählt der Entwurf zu den "Anschaffungskosten". Sie sind Teil des Kaufpreises und wie dieser mit 2 % jährlich abzuschreiben. 2 % steuermindernde Verlustzuweisung in Jahreshäppchen statt 100 % sofort bedeuten das Ende der üblichen Filmfonds.

Der Erlass soll den Nebenkosten-Erlass vom 24.10.01 (Az.: (IV C 3 - S 2253a - 15/01) ergänzen und die dort formulierte Übergangsregelung übernehmen. In Reaktion auf zwei Urteile des Bundesfinanzhofs wurde dort bereits festgelegt, dass die Nebenkosten "Anschaffungskosten" sind, für die die gleiche Abschreibungsdauer gilt wie für das Wirtschaftsgut, das der Fondsanleger erwirbt, also zum Beispiel ein Schiff oder Windrad. Und für den neuen Erlass soll die gleiche Übergangsfrist gelten wie für den Erlass vom Vorjahr. Von diesem glaubten manche Filmfondsanbieter, er betreffe sie nicht, weil aus den Filmherstellkosten keine Anschaffungskosten werden könnten. Die Übergangregelung lautet: Wenn mit dem "Außenvertrieb" für den Fonds vor dem 1.1.2002 begonnen wurde und die Anleger vor dem 1.1.2003 dem Fonds beitreten, dann bleibt es bei der alten Steuerregelung. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Steuerberater Jochen Lüdicke geht davon aus, dass mit Veröffentlichung des Erlasses eine neue Übergangsfrist beginnen muss, "da in durch frühere Erlasse geschützte Rechtspositionen eingegriffen wird".

Der Grund für die steuerlichen Kunstgriffe liegt für die auf Medienfonds spezialisierte Münchener Steuerberaterin Antoinette Hiebeler-Hasner auf der Hand: "Es fehlt eine hinreichende Definition des Außenvertriebs." Als Beginn des "Außenvertriebs" will das BMF es gelten lassen, "wenn zum Beispiel durch Zeitungsanzeigen oder Werbeschreiben" an den Markt herangetreten worden sei. Nicht akzeptieren will es dagegen "bloßen Prospektdruck oder die Erteilung eines Auftrages an den Eigenkapitalvermittler", womit der Vertrieb gemeint ist. Die Fondsbranche hat nun bis zum 20. August Zeit, Kritik am neuen Erlass vorzubringen.

Quelle: Handelsblatt

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