Käuferstreik bei Großkunden
PC-Nachfrage von Unternehmen schwächelt

Die Nachfrage nach PC zieht allmählich wieder an. Doch das Geschäft mit Firmenkunden ist in Deutschland weiter rückläufig. Drastische Preissenkungen bezahlen die Hersteller mit Umsatzeinbußen.

FRANKFURT/M. Die privaten Computernutzer in Deutschland greifen wieder vermehrt zu neuen PC und vor allen Dingen zu Notebooks. Unternehmen dagegen halten sich mit der Anschaffung neuer Computer zunehmend zurück. Laut Schätzungen des Marktforschungsinstituts Dataquest sank die Zahl der verkauften Rechner an Unternehmen im ersten Quartal 2003 um 2,2 % während die Gesamtnachfrage um 3,4 % auf 1,6 Millionen Stück zulegen konnte.

Die Zurückhaltung der Unternehmen trifft viele Hersteller hart, denn mehr als die Hälfte aller verkauften Rechner sind für den professionellen Einsatz bestimmt. "Der Trend ist Besorgnis erregend", sagt Meike Escherich, Analystin bei Dataquest. Abgesehen von kurzen Unterbrechungen sei der Markt innerhalb der vergangenen zwei Jahre geschrumpft. "Die Industrie ist weiterhin zögerlich und hat die Investitionszyklen verlängert", sagt Karola Bode, bei Hewlett-Packard (HP) in Deutschland für das PC-Geschäft verantwortlich. HP habe aber im Firmenkundengeschäft - anders als im Privatkundengeschäft - die Marktanteile stabilisiert.

Besonders Großunternehmen und öffentliche Verwaltungen halten sich offenbar mit der Anschaffung neuer Computer zurück. "Im Bereich der Großkunden liegt der Umsatzrückgang bei teilweise 50 Prozent", sagt Holger Lampatz, Vorstandschef des Hardwareherstellers Maxdata.

Die ausschließliche Spezialisierung auf Unternehmenskunden hat Maxdata im vergangen Jahr schmerzhaft zu spüren bekommen: Der Umsatzrückgang lag 2002 bei 15,6 % - bei einer gleichzeitigen Halbierung des Vorsteuergewinns. Inzwischen ist Maxdata wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, was laut Maxdata-Chef Lampatz einer "höheren Nachfrage aus dem Mittelstand zu verdanken ist". Lampatz ist für die zukünftige Entwicklung zuversichtlich, da das Unternehmen trotz seiner Produktion in Deutschland im Gegensatz zu vielen größeren Konkurrenten schlanke Kostenstrukturen habe.

Als Wettbewerber buhlen vor allen Dingen die Großen der Branche in Deutschland um Unternehmenskunden: Fujitsu Siemens, Hewlett-Packard und Dell. Der zweitgrößte deutsche Hersteller Medion hat sich dagegen ausschließlich auf Endanwender spezialisiert und verkauft über Handelsketten wie Aldi riesige Stückzahlen identisch ausgestatteter Rechner.

Den noch immer heftigen Wettbewerb im PC-Markt versuchen viele Anbieter auch im Firmenkundengeschäft über Preiskämpfe zu gewinnen. So sind die Preise für Notebooks bei Maxdata im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 29 % gesunken, Desktop-PC waren immerhin für 14 % weniger zu haben, und im Bereich der Netzwerkrechner (Server) lag der Preisrückgang bei 22 %. Der Preis, den die PC-Bauer dafür bezahlen, sind rückläufige Umsätze und sinkende Margen. Experten gehen davon aus, dass die Margen im PC-Geschäft "zwischen null und drei Prozent" schwanken.

Doch Preissenkungen zeigen im Privatkundenmarkt größere Wirkung als im Firmenkundengeschäft. "Die reinen Hardwarekosten von PC und Notebooks sind im Geschäft mit Konzernen und Verwaltungen fast eine Nebensache", sagt Maxdata-Chef Lampatz. Dort komme es vielmehr auf die gesamten Kosten an, die mit dem Betrieb der Computer verbunden sind. Dazu gehören die Verwaltung und Wartung der Systeme und der darauf installierten Software.

Geht es nach Microsoft-Chef Bill Gates sollen bei künftigen PC ohnehin Hardware und Software viel enger verzahnt werden. Auf einer Entwicklerkonferenz in New Orleans in den USA präsentierte Gates einen neuartigen PC, den Microsoft derzeit zusammen mit HP entwickelt. Die neue PC-Generation mit dem Codenamen "Athens" verfügt laut Medienberichten über ein integriertes Telefon sowie eine Digitalkamera, die über Microsoft-Programme gesteuert werden. Ziel soll es sein, einen extrem benutzerfreundlichen PC zu entwickeln, der neue Käuferschichten anlockt.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%