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Kaffee-Genuss in ungeahnten Höhen

Jährlich geben Airlines Millionen für Unterhaltung und ergonomische Sitze im Flugzeug aus. Für guten Kaffee blieb da bisher nicht viel übrig. Doch jetzt sollen speziell entwickelte Kaffee-Maschinen für den optimalen Koffeinstoß im Flugzeug sorgen.

Wer häufig im Flugzeug sitzt, der weiß: Guten Kaffee wird er vergeblich verlangen. Und das nicht nur, wenn die Stewardess mal einen schlechten Tag hat. Das Wall Street Journal Europe (WSJE) hat das Problem jetzt genauer unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Wenn der Kaffee wie eingeschlafene Füße schmeckt, liegt das zum einen am Wasser. Denn statt das Wasser an Bord eines Flugzeuges jedes Mal komplett auszutauschen, werden die Tanks nur nachgefüllt. So kommt es vor, dass Wasser wochenlang mitfliegt, bevor es verwendet wird. Auch vermischt sich dadurch das Wasser der verschiedenen Landeplätze, wodurch recht eigenwillige Mineral-Kombinationen zustande kommen können.

Zum anderen kocht Wasser ab der Höhe von 9 000 Metern bei einer niedrigeren Temperatur. Die Folge: Es kann der Kaffeebohne nicht den vollen Geschmack entziehen. Fehler bei den verwendeten Kaffeemaschinen verschlimmern dieses Problem.

Doch selbst wenn der Kaffee halbwegs gut schmecken würde: Weil der Mund nach Stunden in der klimatisierten Luft eines Flugzeuges völlig austrocknet, würde man das gar nicht mehr merken.

Schon vor zehn Jahren wurde der Italiener Lucio Iacobucci auf dieses Problem aufmerksam. Und beschloss, eine Espressomaschine für die Luftfahrt zu entwickeln. Um die Defizite herkömmlicher Kaffeemaschinen zu beseitigen, investierte er insgesamt acht Millionen Dollar: Das Gerät durfte nicht größer als ein Schuhkarton sein, musste an die Energieversorgung in Flugzeugen angepasst werden und aus widerstandsfähigem und feuerfestem Material bestehen.

1995 servierte Iacobucci die erste Tasse Espresso - ein durchschlagender Erfolg. Allerdings nur in der ersten Klasse. Die Mengen, die für die zweite Klasse benötigt worden wären, konnte seine Maschine noch nicht produzieren.

Eine Kaffeemaschine musste her: Er entwickelte deshalb die "Hi-Fly Americana", ein voll automatisiertes Gerät. Dadurch wird verhindert, dass die Qualität der Kabinencrew die Qualität des Kaffees beeinflusst. Die Maschine ist seit kurzem zu haben - für rund 6 000 Dollar pro Stück. Auch die Konkurrenz ist inzwischen aufgeschreckt. B/E Aerospace aus Florida, Marktführer im Bereich Kaffeemaschinen für Flugzeuge, hat ebenfalls begonnen, automatisiertere Maschinen zu verkaufen.

Im Moment sind erst ein paar Hundert der neuen Geräte beider Unternehmen in der Luft. Und seit dem 11. September gingen die Bestellungen stark zurück. Noch braucht man also eine Menge Glück, wenn man im Flugzeug guten Kaffee genießen will.

Quelle: WSJE/shr

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