Kahn fliegt verletzt heim
Unverhoffte Chance für „Rost-Bratwurst“

Der Ersatz vom Ersatz ist plötzlich erste Wahl. Um 11 Uhr bat Rudi Völler am Montag im Bremer Fünf-Sterne-Quartier Frank Rost zum Gespräch und offerierte dem Schalker Torhüter die Einsatzgarantie für das Testspiel am Mittwoch gegen Serbien und Montenegro.

HB/dpa BREMEN. Kapitän Oliver Kahn, beileibe kein Freund des Reservisten, hatte zu diesem Zeitpunkt freiwillig das Feld geräumt und mit entzündetem Ellbogen bereits wieder das Flugzeug gen München bestiegen. Gut ein Jahr nach seinem Debüt beim 4:2 gegen die USA in Rostock darf Rost ausgerechnet in der langjährigen Wahlheimat Bremen zum zweiten Mal das deutsche Tor hüten.

"Für mich ist das eine schöne Sache. Das möchte ich rechtfertigen", kommentierte der 30-Jährige betont zurückhaltend seinen rasanten Aufstieg vom WM-Zuschauer zur Nummer eins. Schon die Nominierung als Platzhalter der verletzten etatmäßigen Nummer zwei Jens Lehmann hatte Rost überrascht. Nicht, weil er sich nicht für gut genug hält, sondern weil er sich in der Vergangenheit nicht anpassungsfähig genug präsentierte: "Ich bin charakterfest, und dazu gehört, dass man mal etwas anspricht, was sich andere nicht trauen."

So hatte er sich über eine fehlende Lobby beschwert und die Auswahlkriterien beklagt, als Völler den Leverkusener Jörg Butt und nicht ihn als dritten WM-Torhüter berief. Und noch höhere Wellen hatte er nach der Weltmeisterschaft verursacht, als er die mediale Kahn-Hysterie als völlig überzogen anprangerte. Bundes-Torwarttrainer Sepp Maier, mit dem er nun in Bremen die Übungseinheiten bestreiten muss, hatte ihn daraufhin als Bratwurst beschimpft und die Vorlage für die "Bild"-Schlagzeile "Rost-Bratwurst" geliefert.

Schnee von gestern, meint Rost heute. Zu seinen Aussagen steht er, weiteres Öl aber will er nicht ins Feuer gießen. Stattdessen hob er die Verdienste des Kollegen für den eigenen Berufsstand hervor: "Olli hat sehr viel getan für den Stand des Torhüters, er hat die Position nach vorn gepuscht." Nicht einmal Völlers Darstellung wollte er teilen, für die deutsche Torhüter-Gilde sei es "ein bisschen bitter, einen Oliver Kahn vor sich zu haben". Völler würde "sich glücklich schätzen, wenn er in jeder Position einen solchen Konkurrenzkampf hätte wie bei den Torhütern", entgegnete Rost.

Gelernt hat Rost aus den Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate, die Karriereplanung besser nicht zu verraten: "Ich bin jetzt ganz gut damit gefahren, dass ich mir über Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, nicht so viele Gedanken mache." So vermied er es in Bremen, einen Platz im EM-Kader als persönliches Ziel auszurufen. Mit einer guten Vorstellung am Mittwoch könnte er sich aber vorerst zumindest als Nummer drei hinter Kahn und Lehmann, aber vor Butt, etablieren.

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