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Kahn glaubt an «großen Bluff» der Tschechen

Almancil (dpa) - Für Oliver Kahn ist Tschechiens B-Team womöglich nur «ein großer Bluff», aber bestimmt kein Grund für falsche Hoffnungen im ersten und vielleicht schon letzten deutschen EM- Endspiel.

Almancil (dpa) - Für Oliver Kahn ist Tschechiens B-Team womöglich nur «ein großer Bluff», aber bestimmt kein Grund für falsche Hoffnungen im ersten und vielleicht schon letzten deutschen EM- Endspiel.

«Zu glauben, dass wir einen Wettbewerbsvorteil hätten, wenn sie Reservisten bringen, wäre das Dümmste, was man tun kann. Jede Mannschaft, die gegen Deutschland spielt, will immer Vollgas geben», verkündete der DFB-Kapitän in Almancil.

Zwei Tage vor dem Gruppenfinale in Lissabon wehrte sich die zum Erfolg verdammte deutsche Nationalmannschaft gegen die aufkommenden düsteren Gedanken an ein erneutes EM-Debakel. «Ich beschäftige mich bestimmt nicht mit dem Ausscheiden», wiegelte Kahn gereizt ab. Auch in Michael Skibbes wunderbarer deutscher Fußball-Welt ist weiterhin kein Platz für Versagens-Szenarien: «Wir haben bislang ein gutes Turnier gespielt. Unsere Mannschaft wird topfit ins Spiel gehen und auch gewinnen», sagte der Bundestrainer.

Dass die Mittelfeldspieler Dietmar Hamann (Bluterguss im Oberschenkel), Bernd Schneider (Wadenprobleme) und Bastian Schweinsteiger (Wadenprellung) angeschlagen sind, ist angeblich kein Problem. Dass die Stürmer nicht treffen, soll vor allem Michael Ballack kompensieren. Und dass selbst eine tschechische Reservisten-Truppe ohne Stars wie Pavel Nedved und Jan Koller dem Vize-Weltmeister ein ähnlich böses EM-Erwachen bereiten könnte wie Portugals zweite Garnitur 2000 beim 0:3 in Rotterdam, wird öffentlich einfach ausgeblendet. «Die Situation vor vier Jahren war völlig anders. Das ist ein unsinniger Vergleich», bemerkte Kahn.



Rudi Völler bleibt eigentlich nur noch das Prinzip Hoffnung, denn einen Trumpf hat er nicht mehr im Ärmel. Niemand weiß ein Mittel gegen die Torflaute im Sturm, nicht einmal Super-Optimist Skibbe: «Das ist mir völlig egal, wer ein Tor für uns schießt.» Die Hoffnungen ruhen vielmehr auf Schützenhilfe der Letten gegen die Niederländer. Denn bei einem Unentschieden der Rivalen um den zweiten Platz würde dem dreimaligen Europameister schon ein drittes Remis zum Einzug ins Viertelfinale reichen, wie Völler weiß: «Aber wir gehen erst einmal davon aus, dass wir gewinnen müssen.»

Das soll mit der «Holland-Taktik» gelingen und der Hoffnung, dass die Tschechen auch mit einem umgekrempelten Team an ihrer offensiven Spielweise festhalten. Dann könnte Völlers Null-Risiko-Stil mit Kevin Kuranyi als einziger Spitze, der vorrangig auf Tore-Verhinderung ausgerichtet ist, wie gegen die Niederländer aufgehen. «Wir wollen den Tschechen nicht ins offene Messer laufen», sagte Völler. Die Spieler haben das Sicherheitsdenken ebenfalls verinnerlicht: «Wir können nicht auf Teufel komm' raus stürmen», meinte Dietmar Hamann. «Dass wir hier nicht im Hurra-Stil durchmarschieren, war vorher klar. Wir haben ein sehr gutes Defensivsystem, damit kann man sehr weit kommen», richtete Kahn den Blick über die Partie gegen Tschechien hinaus.

Personelle Alternativen für das Alles-oder-nichts-Spiel drängen sich nicht auf. Jens Nowotny hat seine Knie-Blessur so weit auskuriert, dass er ins Abwehrzentrum zurückkehrt. Frank Baumann rückt vor ins defensive Mittelfeld, und Ballack darf wieder als verkappte zweite Spitze fungieren. Denn obwohl gegen die Letten keiner seiner vier eingesetzten Stürmer traf, mag der zaudernde Völler die letzte Angriffs-Option noch nicht ziehen. Lukas Podolski ist wohl nur als Azubi für die WM 2006 mitgenommen worden. «Lukas ist ein Riesentalent und hier, um zu lernen», erläuterte Völler. Die Ersatzbank ist für den Kölner nur ein Logen-Platz zur Beobachtung europäischer Top-Stürmer: «Ich habe ihm vor dem Spiel gegen Holland gesagt, schau dir den van Nistelrooy 90 Minuten an, wie der sich bewegt, was der macht, dass du auch mal so wirst wie der.»

Den Mut, Podolski ähnlich wie Bastian Schweinsteiger ins kalte Wasser zu werfen und zu hoffen, dass er einschlägt wie bei England der erst 18-jährige Wayne Rooney, zeigt Völler nicht: «Man darf nicht vergessen, wie jung Lukas ist», warnte der Teamchef: «Ob er noch zum Einsatz kommt bei dieser EM - mal sehen.» Dafür könnte Schweinsteiger erstmals in der Startelf stehen. Für DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war in der zweiten Hälfte gegen die Letten die linke Seite mit den Youngstern Philipp Lahm (20) und dem eingewechselten Schweinsteiger (19) «das wenige Licht im Tunnel». Und aus dem hilft gegen Tschechien nur ein Sieg sicher hinaus.

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