Kahn hält Ball nicht fest
Brasilien ist Weltmeister

In einem packenden WM-Endspiel besiegten die Südamerikaner das deutsche Team mit zwei Toren von Ronaldo - letztlich verdient, auch wenn das DFB-Team eine überzeugende Leistung zeigte.

dpa YOKOHAMA. Ausgerechnet ein Fehler des bis dahin unbezwingbar erscheinenden Oliver Kahn und zwei Tore von Ronaldo haben Brasilien den fünften Weltmeistertitel beschert. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ermöglichte am Sonntag im Finale der 17. Fußball-Weltmeisterschaft in Yokohama das Führungstor des Superstars (67.), als er einen Schuss von Rivaldo dem erfolgreichsten Schützen der WM zum 1:0 "vorlegte". Zwölf Minuten später sorgte Ronaldo mit seinem insgesamt achten Turnier-Tor für die endgültige Entscheidung.

Mehr als eine Stunde lang hatte sich das Team von Rudi Völler vor 72 370 Zuschauern im ausverkauften International Stadium, darunter Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Südamerikanern sogar spielerisch als ebenbürtig erwiesen. Mit dem fünften Titelgewinn ist Brasilien der Konkurrenz als Rekord- Weltmeister auf Jahre hinaus enteilt.

Überraschend selbstbewusst und mutig holte die deutsche Mannschaft in ihrem siebten WM-Finale seit 1954 das Optimum aus ihren Möglichkeiten heraus. Unbeeindruckt von den großen Namen des Gegners lieferte der dreifache Champion wie von Kapitän Kahn gefordert "das Spiel des Lebens", ehe ausgerechnet ein Fehler des bisher überragenden Schlussmanns die erste Turnier-Niederlage einleitete. Für Rudi Völler war es im 28. Spiel als Teamchef die zweite Niederlage in einem Pflichtspiel seit dem 1:5 gegen England am 1. September 2001 in München.

An diesem Montag fliegt der DFB-Tross zurück in die Heimat, wo auch ohne den Worldcup im Gepäck ein "großer Bahnhof" auf die Mannschaft wartet. Nach der Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen um 16.50 Uhr MESZ wollen Hunderttausende Völler und Co einen triumphalen Empfang bereiten.

740 Tage nach dem 0:3-Fiasko gegen Portugal in Rotterdam und dem peinlichen Vorrunden-K.o. bei der EURO 2000 stieg die deutsche Mannschaft wie ein Phönix aus der Asche. In nur zwei Jahren gelang es Völler, aus einem am Boden liegenden Team eine verschworene Gemeinschaft zu formen, die bei der ersten WM-Endrunde in Asien ihre spielerischen Defizite durch Willensstärke und Kampfkraft wettmachte und als Kollektiv auftrumpfte. Gestützt auf Torhüter Kahn, der mit nur drei Gegentoren in sieben Spielen Hauptgarant für den deutschen WM-Erfolg war, spielte die Überraschungs-Elf ihre Vorzüge in der Defensive aus und überzeugte im Turnierverlauf auch durch Disziplin, Dynamik und Geduld.

Dass die Mannschaft bei ihren Auftritten in Fernost keine spielerischen Glanzlichter setzte, konnte nicht überraschen. Als kreativer Kopf ausersehen, fehlte Michael Ballack nach einer kaum auskurierten Kapselverletzung im Fuß die nötige Fitness. Dennoch war der im Finale wegen zweier gelber Karten gesperrte Neu-Münchner mit drei Treffern und den Vorlagen zu vier der fünf Kopfball-Tore von Miroslav Klose effektivster deutscher Feldspieler bei der WM. Zu den Aktivposten gehörten aber auch Spieler wie Bernd Schneider, Torsten Frings oder Christoph Metzelder, die sich erst im Turnierverlauf ihren Stammplatz in der ersten Elf erkämpften.

54 Tage nach Beginn der WM-Vorbereitung setzte die deutsche Elf beim finalen Akt noch einmal ungeahnte Kräfte frei und spielte selbst gegen den hohen Favoriten forsch und mutig nach vorne. Dietmar Hamann überzeugte mit gutem Stellungsspiel als Abräumer vor der Abwehr, an seiner Seite leisteten auch Oliver Neuville, Torsten Frings und Ballack-Vertreter Jens Jeremies ein enormes Laufpensum. Schneider schlüpfte in die Ballack-Rolle als Regisseur und agierte dabei deutlich stärker als in den letzten Partien. Nach einer Flanke des Leverkuseners rettete Edmilson vor dem einschussbereiten Klose (10.) zur Ecke und machte damit die beste deutsche Möglichkeit in den ersten 45 Minuten zunichte.

Die Südamerikaner taten eine Halbzeit lang nicht viel, doch was sie in der Offensive zeigten, hatte Hand und Fuß. Obwohl sich die deutsche Mannschaft um Ordnung im Deckungsverbund bemühte, konnte sie nicht verhindern, dass Ronaldo gleich drei Mal gefährlich vor Kahn auftauchte. In der 19. Minute zielte der Superstar nach Doppelpass mit Ronaldinho knapp vorbei, danach bewies der zum besten Keeper des Turniers gewählte Bayern-Schlussmann sein Reaktionsvermögen (30./45.). Und als der 33-Jährige tatsächlich einmal keine Chance mehr hatte, stand ihm bei Klebersons 18 Meter-Schuss die Torlatte hilfreich zur Seite (45.).

Davon unbeeindruckt startete die deutsche Elf bei stärker werdendem Regen furios in die zweite Spielhälfte. Jeremies (47.), dessen Kopfball von Edmilson vor Überschreiten der Torlinie abgeblockt wurde, und Neuville (49.) mit einem von Torhüter Marcos an den Pfosten gelenkten Freistoß aus 30 Metern verpassten die bis dahin besten Gelegenheiten. Ein Ballverlust von Hamann leitete in der 67. Minute das Führungstor für die Brasilianer ein.

Als Kahn den wuchtigen Schuss von Rivaldo nicht festhalten konnte, reagierte Ronaldo am schnellsten und staubte zum 1:0 ab. Ein Einwurf von Kleberson, den Rivaldo mit einer Körpertäuschung für Ronaldo durchließ, führte zum 2:0. Mit seinem insgesamt zwölften WM-Tor schloss Ronaldo in der "ewigen Torschützenliste" zu seinem berühmten Landsmann Pele auf.

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