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Kahn hält und schweigt

Winden im Elztal (dpa) - Er hielt dem Druck stand, machte sich mit einer souveränen Leistung selbst Mut - aber über seine Zukunftspläne hüllt sich Oliver Kahn weiter in Schweigen.

Winden im Elztal (dpa) - Er hielt dem Druck stand, machte sich mit einer souveränen Leistung selbst Mut - aber über seine Zukunftspläne hüllt sich Oliver Kahn weiter in Schweigen.

«Ich beschäftige mich nur mit der EM und konzentriere mich auf das Training. Alles andere ist zweitrangig. Das Thema wird erst nach der EM konkret werden», erklärte der abwanderungswillige Torhüter des FC Bayern nach dem 2:0-Sieg in der Schweiz, an dem er mit zwei Klasse-Reaktionen einen wesentlichen Verdienst besaß.

«Natürlich ist man froh, wenn man zu Null spielt. Es passt in die Geschichte rein, dass er ein tolles Spiel gemacht hat», meinte Völler und fühlte sich bestätigt. Mit einem Sondertrainings-Programm will der Teamchef seinen Kapitän wieder in jene Form bringen, in der er vor zwei Jahren zum «WM-Titan» von Asien aufstieg.

Am Donnerstag lief sich Kahn mit den Feldspielern intensiv aus. Das T-Shirt, das er trotz ungemütlicher Temperaturen als einziger Trainings-Teilnehmer gewählt hatte, signalisierte erneut: In Portugal will er eine enttäuschende Saison mit ungewöhnlich vielen sportlichen Pannen und privaten Turbulenzen vergessen machen. «Er wird wieder die Leistungen bringen wie bei der WM», sagte sein Torwart-Coach Sepp Maier. Nur einmal ließ sich Kahn am Tag nach dem Schweiz-Spiel auf dem Trainingsplatz ablenken. Als er mit Kindern der Tannheimer Krebsnachsorge-Klinik «Katarinen-Höhe» kurz ins Gespräch kam, bat er die Journalisten: «Macht bitte die Kamera aus.»

Völler hält die Spekulationen und den Rummel um seinen ersten Ballfänger in der Vorbereitung im Schwarzwald noch für «nicht so dramatisch». Auch dass Kahn gegenwärtig seiner Rolle als Kapitän nur auf dem Platz nachkommt, sich der Öffentlichkeit aber als Wortführer des Teams entzieht, wertet der Teamchef nicht als Problem. Dennoch forderte Völler, dass sich dies in der kommenden Woche ändert. «Wenn wir in Portugal sind, sollte nur noch die EM zählen.»

«Ich glaube, es gibt noch schöne Aufgaben für ihn in München. Er sollte alles daran setzen, mit dem FC Bayern wieder Titel zu holen», setzt Bundestorwarttrainer Maier weiter darauf, dass Kahn seinen Vertrag bis 2006 erfüllt. Sicher aber ist sich auch Kahns täglicher Begleiter nicht: «Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute.» Maier musste in Winden im Elztal bereits zu Kahns möglichem Nachfolger bei den Bayern, Timo Hildebrand, Stellung beziehen. «Man darf jetzt nicht gleich die Gerüchteküche weiter anrühren. Wir haben auch bei Bayern drei hervorragende Nachwuchs-Torhüter», meinte der Weltmeister von 1974.

Hildebrand selbst, der seinen bis 2005 laufenden Vertrag mit dem VfB Stuttgart noch nicht verlängert hat, kommt durch Kahns anhaltendes Schweigen ebenfalls in eine schwierige Situation. «Oliver Kahn - das hat nichts mit mir zu tun. Deshalb betrifft mich das auch nicht», sagte der 25-Jährige. Er habe weder Verhandlungen mit dem FC Bayern geführt noch einen Vertrag unterschrieben. «Ich genieße es, hier zu sein und mache mir keine weiteren Gedanken», unterstrich Hildebrand am Donnerstag.

Auch Frank Beckenbauer hatte am Rande des Spiels in Basel nur wenig zur weiteren Aufklärung über Kahns Zukunft beitragen können. Die überraschenden Abschiedspläne wertete der Bayern-Präsident als «Ausdruck der Unzufriedenheit» für die enttäuschende Saison ohne Titelgewinn. Allerdings sagte Beckenbauer auch deutlich: «Wenn ich weiß, ich habe einen Vertrag bis 2006, ist klar, dass ich diesen Vertrag erfüllen will. Wenn ich etwas anderes vorhabe, benütze ich nicht die Medien, sondern gehe direkt zum Vorstand.»

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