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Kahn kündigt Transfergerangel an

Winden im Elztal (dpa) - Das belastende Transfergerangel um Oliver Kahn und Co. wird Teamchef Rudi Völler bis nach Portugal verfolgen. Sein Kapitän machte die Hoffnung des Teamchefs zunichte, dass die Leistungsträger frei von beruflichen Wechselgedanken bei der EM spielen können.

Winden im Elztal (dpa) - Das belastende Transfergerangel um Oliver wird Teamchef Rudi Völler bis nach Portugal verfolgen. Sein Kapitän machte die Hoffnung des Teamchefs zunichte, dass die Leistungsträger frei von beruflichen Wechselgedanken bei der EM spielen können.

Stattdessen kündigte der 34-jährige Torhüter des FC Bayern, der mit seiner plötzlichen Sehnsucht nach Veränderungen im Herbst der Karriere zum Gesprächsthema Nummer eins geworden ist, eine wochenlange Hängepartie an. «Die Entscheidung über meine Zukunft fällt nach der EM», zitierte ihn die «Bild»-Zeitung.

Gleiches droht auch bei Michael Ballack, für den der FC Barcelona angeblich eine Offerte über 10 Millionen Euro vorlegte, sowie beim vereinslosen Christian Ziege und bei Torsten Frings, der unbedingt weg von Borussia Dortmund und hin zum FC Bayern will. Doch während diese Personalien für Völler zum ganz normalen Prozess im Berufsleben eines Fußball-Profis gehören, steckt im Fall Kahn mehr Brisanz. Der Kapitän sucht nach einem Jahr mit sportlichen Rückschlägen und privaten Turbulenzen den Neuanfang. «Auch wenn er das nicht zugibt, ist es für ihn auch eine private Entscheidung», meint Sepp Maier, täglicher Trainingspartner und Vertrauensperson von Kahn: «Wenn er bei uns bleibt, lässt ihn das Theater um seine Person nie los. Olli will endlich seine Ruhe.»

Kahns Fluchtpläne verglich der Bundestorwarttrainer in mehreren Zeitungs-Interviews mit der Reaktion des jungen Franz Beckenbauer, der die Schlagzeilen um sein Privatleben in den 70-er Jahren mit einem Trip zu Cosmos New York abschütteln wollte. Doch anders als der «Kaiser» beim Ausflug in die nordamerikanische Operettenliga will Kahn den privaten Neubeginn mit einer letzten sportlichen Herausforderung bei einem Top-Verein verknüpfen, am liebsten in der englischen Premier League. Kontakte gab es in der Vergangenheit zu Manchester United. «Es ist ihm ernst, todernst sogar. Er will den Wechsel», sagte Maier.

Die Verpflichtung von Felix Magath als Hitzfeld-Nachfolger sei für seine Entscheidung unbedeutend gewesen, betont Kahn: «Es geht nicht um den neuen Trainer. Es geht um mich. Wenn du über ein Jahrzehnt irgendwo spielst und mit der Leistung nicht zufrieden bist, musst du dich überprüfen.» Kahn hat sich von seiner Freundin getrennt und die Verbindung zu seiner Familie wieder intensiviert. Er ist offensichtlich zum Schluss gekommen, dass er in einer anderen Stadt, in einem anderen Land und in einer anderen Medienlandschaft die Vergangenheit am besten hinter sich lassen kann.

Weil der FC Bayern seine in den vergangenen Jahren zur Symbolfigur aufgestiegene Nummer eins nicht so einfach und ersatzlos ziehen lassen wird, droht Kahn zunächst bei der EM ein Kampf an zwei Fronten. In Portugal muss er beweisen, dass er seinen Zenit noch nicht überschritten hat. Zugleich steht mit der Bayern-Führung eine komplizierte Klärung an, unter welchen Bedingungen der bis 2006 datierte Vertrag aufgelöst werden könnte.

Sepp Maier prophezeit: «Der FC Bayern lässt ihn nie weg.» Die Karten könnten allerdings neu gemischt werden, wenn Magath seinen Ex-Schützling Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart nach München locken sollte. So ist sogar der dritte EM-Torhüter völlig unvermittelt auf das Transfer-Karussell geraten.

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