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Kahn sorgt für „zu Null“ und Diskussionen

An die Stätte seines folgenschwersten Fehlgriffs erlebte Oliver Kahn dieses Mal sportlich einen geruhsamen Abend, dennoch sorgte der deutsche Torhüter in Yokohama wieder für Gesprächsstoff.

dpa YOKOHAMA. An die Stätte seines folgenschwersten Fehlgriffs erlebte Oliver Kahn dieses Mal sportlich einen geruhsamen Abend, dennoch sorgte der deutsche Torhüter in Yokohama wieder für Gesprächsstoff.

900 Tage nach dem verlorenen WM-Endspiel von 2002, das Kahn im Stadion von Yokohama durch einen Fehler gegen Brasilien wesentlich mit beeinflusst hatte, hielt der Münchner der speziellen Beobachtung von allen Seiten stand - und seinen Kasten sauber. "Mein Job ist kein Wunschkonzert. Wenn man nur zwei, drei Bälle zu halten bekommt, ist das schwer. Dann muss man da sein", kommentierte Kahn sein 75. Länderspiel.

Der 35-Jährige war von 61 805 Japanern im Stadion von Yokohama überaus freundlich empfangen worden, sein Stellenwert in Asien ist unbeeindruckt von den jüngsten Pannen noch immer hoch. Die großen Bewährungsproben für ihn blieben gegen die harmlosen Gastgeber allerdings aus, gerade einmal zwölf Ballberührungen und zwei echte Rettungstaten standen nach Ende der 90 Minuten für den ehemaligen DFB-Kapitän im Arbeits-Protokoll. Die Fehler machte beim deutschen 3:0-Sieg sein Gegenüber Seigo Narazaki.

Als Kahn nach 27 Minuten bei einer Hereingabe von Akira Kaji klären musste, wirkte das zwar nicht ganz souverän. Doch Franz Beckenbauer, in den Tagen von Asien eigentlich zum verbalen Kahn-Gegenspieler avanciert, sprang dem Münchner Keeper zur Seite: "Den kann er gar nicht anders nehmen, fangen kann er den Ball nicht. Im Gegensatz zum FC Bayern steht dann ein Abwehrspieler, der klärt."

In anderer Beziehung zeigte sich Beckenbauer allerdings weniger versöhnlich. "Die Empfindlichkeiten der Menschen kennt keine Grenzen", kommentierte der "Kaiser" verärgert Kahns Zweifel an seinem Urteilsvermögen. Kahn hatte sich zuvor darüber beschwert, dass Beckenbauer nach seinem Patzer beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart eine Altersdiskussion in Gang gesetzt hatte. "Er muss nur die Bälle festhalten, dann gibt es keine Diskussionen", entgegnete Beckenbauer. Im dritten Einsatz unter Jürgen Klinsmann hielt Kahn die wenigen Bälle fest. Den einzigen ernsthaften Schuss von Alex (81.) parierte er ohne Problem.

"Es ist wie immer im Leben, die Vergangenheit ist vorbei. Man muss nach vorne schauen. In zwei Jahren können wir den Schritt, den wir hier nicht gemacht haben, dann machen", wollte Kahn nach der Partie von besonderen Gefühlen in Yokohama nichts mehr wissen. Vielmehr hob er unter den "nicht einfachen Rahmenbedingungen" besonders die starke Leistung des Teams hervor: "Hut ab."

Im Kreis der Mannschaft war zuvor vor allem die Begleitung durch Kahns Freundin, die unweit des DFB-Hotels in Yokohama Quartier bezogen hatte, skeptisch beobachtet und intern diskutiert worden. Klinsmann und auch Beckenbauer sprachen mit dem Torhüter. "Kein Problem, die Spieler können sich in ihrer Freizeit treffen, mit wem sie wollen", sagte zwar der Bundestrainer offiziell. Dass er aber nicht über Kahns spezielles Reiseprogramm informiert war, dürften ihm kaum gefallen.

"Ich weiß nicht, ob mich das noch motiviert, der permanente Wahnsinns-Druck, der auf einen Menschen ausgeübt wird", sagte Kahn zu den jüngsten Schlagzeilen um seine Person. Die Flucht davor scheint ihm schwer zu fallen: "Ich versuche, Spaß am Spiel zu haben."

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