Kahn: "Wir werden Meister"
Bayern bläst zur Titeljagd

Mit einer überraschenden "Liebeserklärung" an Ottmar Hitzfeld und einem Totalangriff auf drei Titel hat der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München offiziell die neue Saison eingeläutet.

HB MÜNCHEN. "Unser Trainer ist eine persona gratissima. Wir stehen wie eine Wand hinter ihm und wollen in allen drei Wettbwerben angreifen", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstands-Vorsitzender der Bayern-AG, am Dienstag in München, "ich wünsche mir die deutsche Meisterschaft und schönen Fußball." Kapitän Oliver Kahn, der nach dem WM-Sonderurlaub mit vier weiteren Nationalspielern erstmals am Training teilnahm, ließ keine Zweifel an den hohen Ansprüchen des Millionen-Ensembles. "Ich denke, dass wir Meister werden", betonte der Nationaltorwart.

18 Tage vor dem Saisonstart verbreitet der Renommierklub nach einer Saison ohne Titel Aufbruchstimmung, obwohl die Personallage äußerst angespannt ist. Mit Giovane Elber, der sich am Dienstag eine Knöchelverstauchung einhandelte, meldete sich bereits der siebte Spieler verletzt ab. "Das wirft uns natürlich zurück", erklärte Hitzfeld, der aber dennoch davon ausgeht, "dass wir ein sehr erfolgreiches Jahr erleben werden. Unser Ziel ist ganz klar der Meistertitel, und in der Champions League wollen wir versuchen, ins Finale zu kommen".

Bis auf den am Knie verletzten Sebastian Deisler, der nach seinem Aufenthalt bei US-Arzt Richard Steadman in Vail/Colorado in dieser Woche in München zurück erwartet wird, ist der Kader komplett. Neben Kahn konnten die rund 1000 Zaungäste die Nationalspieler Michael Ballack, Thomas Linke, Jens Jeremies und Carsten Jancker bestaunen. Im Liga-Pokal gegen Hertha BSC am Donnerstag kommen sie nicht zum Einsatz. Weil Roque Santa Cruz, der zwei Monate ausfällt, Deisler, der frühestens im November fit ist, Bixente Lizarazu (Muskelfaserriss/drei Wochen Pause), Ze Roberto (Aduktorenprobleme) und Owen Hargeaves (Knie) ausfallen, wird Hitzfeld mit einem Reserveteam antreten. Kahn, der sich im WM-Finale eine Fingerverletzung zuzog, wäre im möglichen Liga-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund am Montag vielleicht einsatzbereit.

Rummenigge will noch mehr Hochkaräter verpflichten

Mit einem Etat von 60 Millionen Euro - 1,4 Millionen weniger als im Vorjahr - und der Deutschen Telekom als neuem Sponsor, der in den kommenden sechs Jahren 25 Millionen Euro pro Saison in die Bayern - Kasse zahlt, ist der FC Bayern laut Rummenigge «bestens gerüstet für die Zukunft». Dennoch setzt der Branchenführer, den Rotstift an und will Kosten senken. "Wir wollen die eine oder andere Million einsparen", kündigte Manager Uli Hoeneß an und denkt dabei auch an die Streichung von Sonderprämien. Von einem erfolgreichen Jahr ist er aber überzeugt. "Wir haben fest vor, in allen drei Wettbewerben anzugreifen. Ich wünsche mir mindestens einen Titel", sagte Hoeneß.

AG-Boss Rummenigge, der nach der Investition von 24,5 Millionen Euro für Ballack, Deisler und Ze Roberto "in Zukunft noch mehr Hochkaräter verpflichten" will, beendete die jüngsten Differenzen mit dem Trainer und sprach Hitzfeld das Vertrauen aus. "Wir werden ihn unterstützen", betonte der ehemalige Nationalspieler, der mit Hoeneß ("keine Ausreden mehr") den Chefcoach öffentlich unter Druck gesetzt hatte. Seine Aussage gelte für alle, revidierte sich Hoeneß, "wir haben ein optimales Verhältnis zum Trainer und lassen keinen Keil zwischen uns treiben". Dennoch steht Hitzfeld in seiner fünften Saison vor einer schweren Aufgabe. Rummenigge: "Wir haben in der Breite den besten Kader. Das ist aber keine Erfolgsgarantie. Es wird schwierig, einen Titel zu holen und gleichzeitig schönen Fußball zu spielen."

Franz Beckenbauer, am Dienstag wegen anderweitiger Verpflichtungen verhindert, meldete sich am Vorabend im Bayerischen Fernsehen zu Wort und ließ keine Zweifel an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Trainer. "Die Verbindung zwischen dem FC Bayern und Hitzfeld ist eine perfekte Ehe, und ich hoffe, dass sie noch sehr lange weiter geht", so der Aufsichtsratsvorsitzende der Bayern-AG. Beckenbauer hält es für legitim, dass die Verantwortlichen sagen, "dass wir mit diesen optimalen Neuverpflichtungen zum Titel verpflichtet sind. Oder sollen wir noch den Pele holen?" Aber er missbilligte andererseits die sehr sensible Reaktion Hitzfelds und die Kritik aus der Mannschaft an der Chefetage: "Die sollen nicht so empfindlich sein."

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