Kai-Uwe Ricke und Josef Brauner sollen dem Telekom-Chef den Rücken freihalten
Die neuen starken Männer hinter Ron Sommer

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Der introvertierte Josef Brauner und der kontaktfreudige Kai-Uwe Ricke, die künftig im Vorstand der Telekom das operative Geschäft führen. Ihre Gemeinsamkeit: Auf beide kann sich Konzernchef Ron Sommer absolut verlassen.

HB DÜSSELDORF. Zwischen Bonn, London, New York und Dallas spielt sich das Leben von Kai-Uwe Ricke ab. "Manchmal frage ich mich, ob ich mir den ganzen Stress überhaupt antun soll", sagt er dann, während er im John-F.-Kennedy-Airport auf den Anschlussflug wartet. Lohnt es sich wirklich, soviel gemeinsame Zeit mit der Familie zu verpassen?, sinniert der 39-jährige Chef der Telekom-Mobilfunksparte in den zwei ruhigen Minuten, bevor wieder sein Handy klingelt. Dann ist Ricke allerdings sofort wieder ganz konzentriert bei der Arbeit.

So persönlich würde sich Josef Brauner kaum zwischen zwei Meetings äußern. Kein Wort zuviel kommt dem bisherigen Vertriebsvorstand der Telekom über die Lippen. Gesprächspartner müssen sich daran gewöhnen, dass der 50-Jährige plötzlich minutenweise verstummt. Dann sitzt er in sich gekehrt im Sessel, legt die Fingerspitzen aneinander und schaut auf die stets blankgeputzten Schuhspitzen, bis niemand mehr mit einer Reaktion rechnet. Sie kommt dann aber doch, wohlabgewogen, durchaus offen und damit glaubwürdig.

Die beiden unterschiedlichen Charaktere sind die neuen starken Vorstände hinter Telekom-Chef Ron Sommer. Seit gestern verantworten sie das operative Geschäft der vier Telekom-Sparten. Beide Manager hatte Sommer schon vor Jahren in den Konzern geholt, auf ihre Loyalität kann er sich absolut verlassen.

Der stets braungebrannte, etwas bullig wirkende Münchner Brauner kommt, wie einst Sommer, von Sony. Eine Internationalisierung, wie sie die Telekom erst seit zwei Jahren erlebt, machte er dort, zuletzt als Chef von Sony Deutschland, bereits seit 1989 ein erstes Mal mit. Im Juni 1997 wechselte er nach Auseinandersetzungen mit der Europazentrale von Sony zur Telekom. Vor seinem Abgang gab es öffentliche Solidaritätsbekundungen von Mitarbeitern und dem Sony-Betriebsrat.

Der Hamburger Ricke wiederum war einmal ein erklärter Gegner der Telekom. "Das Monopol geht, Talkline kommt", warb Mitte der 90-er Jahre das Unternehmen, mit dessen Aufbau in Deutschland Rickes damals betraut war. Im Januar 1998 wurde der Sohn des früheren Telekom-Bosses Helmut Ricke Chef von T-D1. Mit der Internationalisierung stieg er zum Chef der neuen Mobilfunksparte T International-Mobile auf, und die Zeit des Herumjettens zwischen Wohnsitz Hamburg und Arbeitsort London begann.

Seine schwierigste Aufgabe hat der gelernte Bankkaufmann und Absolvent der European Business School indes noch vor sich, bevor er neben der Zuständigkeit für den Mobilfunk auch die für T-Online von Sommer übernimmt: Die Integration des US-Unternehmens Voicestream mit dessen hemdsärmeligem Chef John Stanton. Stanton bildet schon optisch mit seinem Texaner-Look einen Kontrast zum Hanseaten-Schick Rickes. Und wo Stanton laut polternd einen Raum betritt, pflegt Ricke eher die leisen Töne.

Ricke ist nicht jemand, der seine Leute gängelt und ihnen seinen Stil aufzwingt. Mitarbeiter bezeichnen seinen Führungsstil als kooperativ und ungezwungen. "Kai hier", meldet er sich zumeist am wichtigsten Arbeitsmittel Handy bei den engen Mitarbeitern. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen International-Vorstand Jeffrey Hedberg ist Ricke der Jüngste im Telekom-Führungsgremium.

Dass Brauner sein Verantwortungsgebiet vergrößern würde, ist hingegen keine Blitzkarriere, sondern das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung. Seit seinem Amtsantritt ist der gelernte Kaufmann dabei, die ehemalige Behörde auf Kundenfreundlichkeit zu trimmen. Dass die Telekom bei fallenden Preisen versuchen muss, immer mehr und neue Produkte mit dem Telefonanschluss im Bündel zu vermarkten, hat vor allem Brauner intern durchgesetzt. Immer mehr Zuständigkeiten des jetzt ausscheidenden Kollegen Detlev Buchal wanderten deshalb in den vergangenen Monaten in sein Ressort.

Der Bau der Sparte T-Systems aus dem mehrheitlich übernommenen Debis Systemhaus und zahlreichen kleinen Telekom-Abteilungen war zuletzt sein Job. Seither hat er mit der Festnetz-Sparte T-Com eine neue Baustelle. Dass jetzt auch operative Bereiche vom "Herrn der Netze", Telekom-Vorstand Gerd Tenzer, zu ihm wanderten, verdeutlicht, dass er schon lange intern der Bestimmer hinter Sommer ist. Die Kundennachfrage muss den Ausbau vorzeichnen, nicht die Technik, lautet Brauners feste Überzeugung.

Auch wenn öffentliche Auftritte Brauners Sache nicht sind: Seine Mitarbeiter versteht er zu motivieren. Gemeinsam mit dem neuen T-Systems-Chef Christian Hufnagl zieht er seit Jahresanfang durch Debis-Filialen und Telekom-Niederlassungen, um mit möglichst vielen Leuten - ja: zu reden - und sie zu überzeugen. Gute Leute möglichst eigenständig arbeiten zu lassen, dieses Credo wiederum teilt er mit seinem Vorstandskollegen Ricke.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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