Kaiser kennt kein schlechtes Gewissen
Der Kaiser kommt in die Wechseljahre

Franz Beckenbauer, der Präsident des FC Bayern München, ist ab Freitag in TV-Spots für den Mobilfunk-Anbieter O2, einen Konkurrenten des Haupt-Sponsors, zu sehen.

jojo/HB MÜNCHEN. Der Franz darf alles. Uneheliche Kinder mit der Sekretärin in die Welt setzen? Schnell verziehen. Die Frau verlassen? Er will sich doch nur stärker um seinen kleinen Sohn kümmern. Sich für den Konkurrenten des Sponsors des FC Bayern München in einem TV-Spot auf die Couch legen? Der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters wischt alle Bedenken vom Tisch: "Ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben."

"Jo, is den heut scho Weihnachten?"


Und so flimmert Beckenbauer in den nächsten Wochen wieder jeden Abend über die Fernsehschirme und lacht von Plakatwänden. Ein vertrauter Anblick für die meisten Deutschen: Mit dem Spruch "Jo, is den heut scho Weihnachten?" hat Beckenbauer Werbe-Geschichte geschrieben - allerdings noch für den Düsseldorfer Mobilfunk-Anbieter E-Plus. Ab Freitag ist Deutschlands bekanntester Fußballer in TV-Spots des Wettbewerbers O2 zu sehen. Die Münchner hießen bis April noch Viag Interkom und wollen den neuen Kunstnamen vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft mit Hilfe des Kaisers bekannter machen.

Beckenbauer findet nichts an dem schnellen Wechsel von einem Mobilfunker zum anderen. "Die Wechseljahre gibt es auch bei Männern", sagt er in seiner unbekümmerten Art. Seinen Mitstreitern im FC Bayern bereitet die Werbewende des Vereinspräsidenten dagegen sehr wohl Kopfweh. Schließlich spielt der Klub in dieser Saison zum ersten Mal mit dem Logo des Mobilfunk-Marktführers, der Deutschen Telekom, auf den Leibchen. "Ich wusste schon, dass das ein bisschen unbequem werden würde", gibt selbst Beckenbauer zu, dass er bei seinem Wechsel Bauchweh hatte. Doch wie immer hat der Wahl-Österreicher alle Probleme schnell aus der Welt geschafft: "Ich habe das erklärt und seitdem sind unsere Gespräche wieder normal."

In Erklärungsnot geraten


Dass Bayern-Manager Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber ihrem neuen Hauptsponsor in Erklärungsnöte gerieten, ist nicht weiter verwunderlich. Die Telekom zahlt immerhin geschätzte 120 Mill. Euro in den nächsten sechs Jahren, um mit den Münchnern zu werben. Der Bonner Konzern ist deshalb alles andere als erfreut. Sportsponsoring-Chef Jürgen Kindervater sieht in der Aktion von Konkurrent O2 einen "Akt der Hilflosigkeit". Er verwies darauf, dass O2, auch bei Leverkusen engagiert, ebenfalls Interesse als Trikotsponsor von Bayern hatte.

Während die Spieler und der Vorstand des FC Bayern nur für die Telekom in den Ring steigen dürfen, ist Beckenbauer als Vereinspräsident und Aufsichtsratschef der Bayern AG in seinen Engagements völlig frei. Der 57-Jährige - am Mittwoch feierte er Geburtstag - verdient seit mehr als 30 Jahren Mill. als Werbefigur.

"Da legst di nieder"


Nach Rasierwasser, Tütensuppen, Post und Strom ist jetzt O2 dran. In drei Tagen Drehzeit in Madrid entstand ein Spot, in dem Beckenbauer sich mit Schlafbrille von einer Couch erhebt und ein Handy in die Kamera streckt. Sein neuer Spruch: "Da legst di nieder." Der stammt von der selben Agentur, die auch den E-Plus-Slogan verantwortete. Wirklich überzeugt von der Werbewirkung scheint man aber nicht zu sein: O2-Chef Rudolf Gröger weigerte sich gestern jedenfalls, Zahlen zu nennen, wie viele neue Kunden Deutschlands viertgrößter Mobilfunker mit Beckenbauer gewinnen will.

Die Frage, wer für wen wirbt, hat beim FC Bayern schon öfter für Streit gesorgt. Doch nur Beckenbauer kann sich souverän über alle Bedenken hinwegsetzen. Coach Ottmar Hitzfeld musste einen Rückzieher machen, als er für die Hypo-Vereinsbank aktiv werden wollte. Der Trainer sollte Fußballern die Geldanlagen der Münchner Großbank anpreisen. Mit seinem Engagement kam Hitzfeld allerdings dem Finanzkonzern Allianz in die Quere, dem Namensgeber für das neue Stadion in München. Schnell wurde Hitzfeld zurückgepfiffen.

Franz Beckenbauer dagegen - Allianz hin oder her - macht ungeniert für die Postbank Werbung. Und keiner nimmt?s ihm übel. Ob aber auch noch jemand hinguckt?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%