„Kaiser“ korrigiert sich
Bayern kommen Cottbus gerade recht

Das erstarkte Fußball-Dorf Cottbus hat den großen Bayern den roten Teppich ausgerollt, doch der soll für den souveränen Tabellenführer zur Stolperfalle werden. "Wir haben uns unten rausgeboxt, rausgekämpft und rausgespielt. Da kommen die Bayern gerade recht", erklärte André Lenz, Torwart des FC Energie, vor dem "Spitzenspiel" der 23. Bundesliga-Runde am Samstag. "Die Mannschaft möchte nicht nur punkten, sondern gewinnen", betonte Lenz die Entschlossenheit der Lausitzer.

HB/dpa COTTBUS. Bayern-Chefcoach Ottmar Hitzfeld sprach vor dem Hit "beste Elf 2003" gegen Bundesliga-Spitzenreiter von "sensationellen Leistungen" des Kontrahenten: "Ich hoffe, dass jeder unserer Spieler gewarnt ist." Der Fußball-"Kaiser" sah sich 24 Stunden vor der Partie sogar zu einer öffentlichen Entschuldigung via "Bild" veranlasst. "Sorry Cottbus! Selten habe ich mich so getäuscht. Und zugleich war es mein schönster Irrtum", korrigierte der neue Energie-Sympathisant Franz Beckenbauer seine Einschätzung über "ein kleines Städtchen, das tapfer den Klassenerhalt verteidigt".

Der überraschende Höhenflug macht die Cottbuser "heiß" auf die Münchner: Club-Rekord mit 13 Punkten in Folge, nur ein Gegentor in fünf Spielen, das rettende Ufer wieder in Sichtweite. Aus dem "hoffnungslosen Fall" (Beckenbauer) ist die "überragende Mannschaft der Rückrunde" (Hitzfeld) geworden. "Es ist für uns eine große Auszeichnung, gegen eine Mannschaft zu spielen, die Jahrzehnte den deutschen Fußball geprägt und fast alles richtig gemacht hat", erklärte Trainer Eduard Geyer, der allerdings Bezeichnungen wie "Duell der Giganten" für "maßlos übertrieben" hält.

"Ich brauche den Spielern doch nur die Tabelle unter die Nase halten, wir sind noch immer auf einem Abstiegsplatz", unterstrich der 58-jährige Chefcoach, der nach einer Motivationskrise den Draht zur Mannschaft wiedergefunden hat. "Es ist gut möglich, dass wir verlieren. Das würde uns jetzt nicht umwerfen", wies Energie- Präsident Dieter Krein auf das Kräfteverhältnis zwischen Rekord-Meister (Etat 60 Mill. ?) und Underdog (21 Mill. ?) hin. "Wir haben noch nichts erreicht", meinte Jung-Star Silvio Schröter, der mit anderen Erstligisten in Verbindung gebracht wird.

Entsprechend motiviert erwartet Hitzfeld den Außenseiter: "Im Spiel werden sicher viele Emotionen frei. Cottbus geht unheimlich aggressiv zu Werke." Mit Marko Topic, dessen "Tor-Zunge" inzwischen die ganze Bundesliga kennt, haben die Lausitzer wieder einen "Knipser". Die Systemumstellung auf die Viererkette brachte vor allem Selbstsicherheit. Jetzt kehrt noch der lange verletzte Kapitän und Antreiber Christian Beeck in den Kader zurück. Für Geyer aber steht gegen den FC Bayern die Einstellung an oberster Stelle: "Wir brauchen schon elf Männer auf dem Platz, die wissen, wo es lang geht. Da kannst du nicht mit eingezogenem Schwanz spielen oder mit einem Kopf, der ganz tief in den Schultern sitzt."

Torwart Lenz sieht in der besonderen Aufmerksamkeit für sein Team und das Duell gegen den Rekord-Champion noch eine spezielle Chance: "Alle können sehen, dass wir nicht die unsympathische Kämpfermannschaft sind nahe der polnischen Grenze." Und Cottbus hätte bereits ein wenig gewonnen, wenn die Leute sagen würden: "Schade, wenn die absteigen." Beckenbauer konnte schon überzeugt werden: "Dieser originelle Verein soll in der Bundesliga bleiben."

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