Kaiserslautern chancenlos
Eier legende Wollmilchsau mit dem Winner-Gen

Bayerns Michael Ballack zeigt beim 3:1 im Pokalfinale gegen Kaiserslautern, dass er an guten Tagen der perfekte Spieler ist.

BERLIN. Es hätte alles so schön werden können, die Zutaten für ein Fußballfest zum Abschluss der Saison waren alle vorhanden: Superstadt, Superwetter, Superstadion. Zudem zwei Teams mit großem Namen und vielen Anhängern, also Superstimmung. Doch die 70 000 erwartungsfrohen Zuschauer in Berlin wurden bitter enttäuscht. Nach zehn Minuten war schon wieder alles vorbei; Bayern München führte 2:0 und den 1. FC Kaiserslautern vor wie ein Zweitligateam. Das Spiel endete 3:1 für Bayern, Kaiserslautern darf sich immerhin über die Teilnahme am Uefa-Cup freuen.

Entschieden hatte das Endspiel ein ehemaliger Mannschaftskameraden der Lauterer. "Michael Ballack hat überragend gespielt. Ich bin stolz, und das möchte ich auch so deutlich sagen, dass Deutschland wieder einen absoluten Weltklassespieler hat", verlautbarte Edmund Stoiber, als Ministerpräsident von Bayern ja quasi Ballacks oberster Vorgesetzter und zudem Mitglied im Verwaltungsbeirat des Klubs.

Bauern und Genetiker träumen von der Eier legenden Wollmilchsau, dem Alleskönner unter den Nutztieren. Im deutschen Fußball wurde sie nun gefunden beziehungsweise geklont. Michael Ballack spielt - wie es sich für einen Regisseur gehört - traumhafte, so genannte tödliche Pässe, etwa beim 3:0 durch Claudio Pizarro. Aber dann ist er noch der wohl kopfballstärkste Spieler der Liga, was er beim 1:0 unter Beweis stellte. "Ballack hat im Mittelfeld das Zepter übernommen und bringt seine große Stärke ein: Er ist der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt", sagte Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Zudem übernimmt der Nationalspieler Verantwortung und zeigt Nervenstärke, wie bei seinem Elfmetertor zum 2:0. "Er wird auch mal laut in der Kabine", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld anerkennend. Außerdem kann er dribbeln, ist beidfüßig stark und hat auch im Zweikampf eine gute Erfolgsquote. Ein kompletter Fußballer eben, nur komplett ohne Starallüren.

"Michael Ballack hat sich im Laufe der Saison unglaublich gesteigert, er ist in München ein Winner geworden", meinte Bayern-Vorstand Uli Hoeneß. Der war selbst schon immer ein Winner-Typ gewesen und an diesem Abend überglücklich. Seine Freude konnten ihm weder Sammy Kuffour noch Mehmet Scholl ("Der bekommt dafür das Gehalt gekürzt") nehmen, die Hoeneß? Hemd mit Schampus und Weißbier tränkten. Im Gegenteil, Ballacks Ex-Verein bekam sein Fett weg: "Er hatte das Problem, dass du mit Leverkusen gut spielen kannst, aber nichts gewinnen", so Hoeneß mit Blick auf die drei Vize-Titel von Ballack 2002. Nun habe er aber bewiesen, dass "er das Siegen beim FC Bayern sehr schnell gelernt hat".

Der viel Gepriesene selbst scheint auch schon den Grund für seine neue Siegermentalität gefunden zu haben: "Mit Bayern ist man immer Favorit. Bei anderen Mannschaften ist es vielleicht nicht so schlimm, wenn man verliert. Das ist der Tick, die paar Prozent, die am Ende auch zu den Titeln führen." Die Zeit in Leverkusen möchte er aber nicht nicht missen: "Dreimal Zweiter werden, das muss man alles mitgemacht haben." Schließlich gewänne man ja nicht in jedem Jahr das Double.

Abwarten. Zwar kann eigentlich kein Klub zwei Jahre nacheinander seine Liga-Konkurrenz so in Grund und Boden spielen kann wie der FC Bayern in der Saison 2003/04. Doch spricht in diesem Fall nur wenig dagegen. Bleibt der Konkurrenz aus Dortmund, Berlin und Schalke nur zu hoffen, dass Bayern in der Champions League weit kommt, um dort möglichst viel Kraft zu lassen.

"Früher haben wir gesagt, Hauptsache ein Titel, dann ist die Saison schon super", sagte Hoeneß. Heute "muss man als FC Bayern jedoch schon zwei Titel holen, wenn man in der Champions League keine Rolle spielt". Das sei zwar fatal, aber nicht zu ändern. Fatal vor allem für die anderen 17 Klubs der Bundesliga und deren Fans.

Quelle: Handelsblatt

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