Kajo Neukirchen hält eine Aufteilung der ehemaligen Metallgesellschaft nicht für sinnvoll: MG-Chef sieht keine Übernahmegefahr

Kajo Neukirchen hält eine Aufteilung der ehemaligen Metallgesellschaft nicht für sinnvoll
MG-Chef sieht keine Übernahmegefahr

Trotz eines niedrigen Aktienkurses sieht der Vorstandschef der MG Technologies, Kajo Neukirchen , aktuell keine Gefahr, übernommen zu werden. Auch eine von Analysten und dem widerspenstigen Großaktionär Otto Happel geforderte Teilung des Konzerns lehnt er ab.

FRANKFURT/M. Kajo Neukirchen hält eine Aufspaltung der MG Technologies für wenig sinnvoll. "Das würde den Unternehmensbereichen nicht nützen und brächte auch den Aktionären keinen Vorteil", sagte der Vorstandsvorsitzende der ehemaligen Metallgesellschaft im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Viele Analysten fordern eine Teilung des Unternehmens. Die Teilkonzerne hätten einzeln einen höheren Wert als die gesamte MG. Auch nach Ansicht des MG-Großaktionärs Otto Happel, der mit Neukirchen im Streit liegt, ist das "Konglomerat aus Chemie und Engineering ohne innere Logik".

"Die Bedeutung der Konzentration auf ein Produkt wird von Analysten häufig falsch eingeschätzt", hält Neukirchen, der die Metallgesellschaft seit 1993 führt und das damals marode Traditionsunternehmen sanierte, dagegen: "Fokussierung ist zudem relativ. Ein Smart und ein 18-Tonner sind zum Beispiel zwar Fahrzeuge, ihre Märkte werden aber von völlig unterschiedlichen Faktoren bestimmt". Über die Ertragskraft eines Unternehmens entschieden die Marktpositionen der einzelnen Bereiche.

Auch an der von einigen Analysten kritisierten Struktur der MG mit ihren zahlreichen Gesellschaften will Neukirchen nicht rütteln. Zwar räumt er ein, dass die MG mit rund 460 Einzelfirmen weit verzweigt ist: "Das ist aber keine Frage der Zahl, sondern des Controlling und der Risiko-Steuerung. Und beides haben wir im Griff. Unser Führungsprinzip ist dezentral ".

Die Strategie eines Komplett-Dienstleisters sowie die Struktur erschweren nach Ansicht von Neukirchen eine Übernahme. Obwohl immer wieder Spekulationen über einen Verkauf zirkulieren - zuletzt wurde Thyssen-Krupp als Interessent gehandelt - sieht Neukirchen eine solche Gefahr zur Zeit nicht. "Finanzinvestoren versuchen so gut wie nie eine Übernahme gegen das Management. Ich sehe aber derzeit auch keinen strategischen Investor, zu dem wir passen würden", sagt der MG-Chef.

Dass Happel - der ehemalige GEA-Besitzer hält rund 10 % der MG-Aktien - mit der Entwicklung der MG unzufrieden ist, kann Neukirchen nicht nachvollziehen. Schließlich habe dieser der MG-Strategie noch beim Verkauf der GEA zugestimmt. Vielleicht glaube Happel, GEA zu günstig abgegeben zu haben, mutmaßt Neukirchen und fügt hinzu: "Dass die GEA jetzt sehr profitabel ist, stimmt. Aber daran haben wir gearbeitet".

"Wir gehen trotz der Konjunkturschwäche davon aus, dass wir unsere Ergebnisse im Großanlagenbau weiter verbessern können", erklärt der MG-Chef. Die Auftragseingänge bei GEA und im Großanlagenbau lägen über denen des Vorjahres. Prinzipiell sei er für eine außergerichtliche Einigung mit Happel offen: "Im Interesse unserer Aktionäre und im Rahmen des rechtlich Zulässigen sind wir zu vielem bereit, nur zahlen dürfen wir Herrn Happel laut Aktiengesetz nichts".

Die kontinuierliche Ertragssteigerung sei auch eine Folge des "ausgewogenen Portfolios". Gleichzeitig verweist Neukirchen auf Synergien zwischen den einzelnen Töchtern. "Mindestens zwei Teilkonzerne haben jeweils gemeinsame Großkunden", erklärt er. So baue die MG in Basel eine "fraktale Fabrik", die Wirkstoffe in sehr unterschiedlichen Mengen für die Pharmaindustrie produzieren soll. Auftraggeber und Betreiber des Werks ist die Rohner AG, eine Tochter der ebenfalls zur MG gehörenden Dynamit Nobel. Geplant und entwickelt wird es vom MG-Anlagenbauer Lurgi.

Daniel Stelter, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Boston Consulting Group GmbH, bestätigt die Argumente des MG-Chefs. "Diversifizierte Konzerne schneiden keineswegs schlechter ab als fokussierte", zitiert er die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Für den Erfolg seien Marktposition und Innovationskraft wichtiger.

Nach den Worten Neukirchens stehen 90 Prozent der 31 strategischen Geschäftseinheiten in ihren Märkten auf den Plätzen eins bis drei. Zudem erziele MG fast 50 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten, die nicht älter als drei Jahres seien. "Wenn ich mich an den Forderungen mancher Investment-Banker orientiere, dann habe ich nur noch junge Produkte, die Cash verzehren, und bin ganz schnell pleite", spitzt Neukirchen zu.

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