Kajo Neukirchen reagiert auf die wachsende Kritik und trennt sich von zwei Geschäftsbereichen
MG-Chef kommt Investoren entgegen

Die Kritik der Investoren an der Strategie des Mischkonzerns MG Technologies scheint Früchte zu tragen. Vorstandschef Kajo Neukirchen will sich von zwei Geschäftsbereichen trennen ist auch für Kooperationen im Großanlagenbau offen. Gleichzeitig stellt sich der Aufsichtsrat demonstrativ hinter Neukirchen.

jkn FRANKFURT/M. Die MG Technologies will sich von ihrer Chemie-Handelstochter Solvadis sowie der GEA Lufttechnik trennen. Das kündigte MG-Chef Kajo Neukirchen am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen an. Die Erlöse will er nutzen, um die beiden größten Tochtergesellschaften GEA und Dynamit Nobel zu stärken. Zudem zeigte sich Neukirchen offen für Kooperationen im Großanlagenbau.

Solvadis erzielt einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 29 Mill. Euro. Die GEA Lufttechnik erreicht einen Umsatz von 236 Mill. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 19 Mill. Euro. Man habe für beide Gesellschaften mehrere Interessenten, ein Verkauf hänge aber vom Kaufpreis ab, sagte Neukirchen. Gleichzeitig läuft die Suche nach Kaufobjekten auf Hochtouren. Laut Neukirchen prüft das Management zwei große und mehrere kleine Zukäufe.

Neukirchen zeigte sich im Großanlagenbau offen für Partnerschaften. "Sie müssen allerdings die Technologie- und Marktpositionen verbessern sowie das Risiko mindern", sagte Neukirchen. Den Gerüchten über die Formierung einer "Deutschen Anlagenbau AG" mit Beteiligung der MG, Linde, MAN, ThyssenKrupp und Babcock Borsig gibt er deshalb kaum eine Chance. "Wenn sie viele Spezialitäten zusammenpacken, wird die Sache sehr komplex", sagte er. Lediglich kleine Bereiche etwa bei Uhde oder bei Babcock würden mit MG-Geschäften zusammen passen.

Analysten reagierten überrascht auf die Ankündigung. "Wir hatten einen solchen Schritt erwartet, allerdings nicht so schnell", sagte Richard Schramm von HSBC Securities. MG-Chef Neukirchen steht seit Monaten unter Beschuss. Sein größter Kritiker ist Otto Happel, der rund 10 % der MG-Papiere besitzt und Neukirchen Bilanzschönung vorwirft. Zudem fordert er eine Konzentration auf eine Sparte und die Ablösung von Neukirchen.

Informationen aus Finanzkreisen zu Folge gibt es aber auch bei der Deutschen Bank (MG-Anteil 11 %) und der Allianz (13 %) wachsende Bedenken gegen die Strategie der MG. Angeblich führen beide Häuser Gespräche mit Happel und wollen Neukirchen zu einer neuen Strategie drängen. Dem widersprach dieser vehement, räumte allerdings ein: ."Wir wissen von Gesprächen, wir wissen auch, um was es dort geht. Das ist aber alles nichts Neues für uns".

Gleichzeitig stellte sich der MG-Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Werner öffentlich hinter Neukirchen. "Gerüchte über einen angeblichen Strategiewechsel oder eine abweichende Haltung der Großaktionäre sind gegenstandslos", heißt es in einer Erklärung.

Dennoch sehen Analysten in den Verkäufen eine Reaktion auf die wachsende Kritik. "Das ist das, was die Investoren immer gefordert haben", erklärte HSBC-Analyst Schramm. Zwar bleibt die MG auch nach den Desinvestitionen bei ihren beiden Säulen Chemiegeschäft und Anlagenbau. Faktisch wird sich die MG aber auf die Töchter GEA und Dynamit Nobel konzentrieren. "Das sind zwei eigenständige Gesellschaften, jetzt fehlt nur noch der saubere Schnitt in der Mitte" sagte Schramm.

Er beurteilt die Aussichten der MG unter diesen Bedingungen und bei einer wieder anziehenden Wirtschaft als "gar nicht so schlecht". Noch zeigt sich in den Zahlen der MG aber deutlich die Rezession. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2001/2002 (30. September) fiel der Umsatz um 2,3 % auf rund 4 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis sackte um 37,6 % auf 96,6 Mill. Euro ab, der Konzernüberschuss brach um 52 % auf 56,6 Mill. Euro ein.

Allerdings sind diese Zahlen stark durch Sondereffekte aus Zu- und Verkäufen beeinflusst. Bereinigt gab das Ergebnis um 14 % auf 106,3 Mill. Euro ein. Für das gesamte Jahr prognostizierte das MG-Management eine Stabilisierung des Ergebnisses. Am Ende des Geschäftsjahres werde beim Ergebnis ohne eventuelle Zukäufe ein Minus von 14 % herauskommen.

Quelle: Handelsblatt

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