Kalkulierbare Risiken des Offshore-Outsourcings
Indische Programmierer profitieren Wettbewerb

Vom Kostendruck auf den IT-Märkten haben so genannte Offshore-Anbieter in Indien oder Osteuropa stark profitiert - die Zahlen aktueller Reports beweisen es: Die indische Software- und Dienstleistungsindustrie beispielsweise erzielte 2001 und 2002 einen durchschnittlichen Jahresumsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro.

Inzwischen verlagern viele Fortune500-Firmen wie Citibank, American Express oder Hewlett Packard die Anwendungsentwicklung zu Fremdanbietern in entfernte Regionen - eine wertvolle Outsourcing-Option, um Kosten bei gleichem Service-Level drastisch zu senken.

Outsourcing bezeichnet Vereinbarungen mit externen Providern zum Auslagern von Services, die in der eigenen Firma nicht erbracht werden: Rechenzentren, Softwareentwicklung und-wartung, IT-Infrastruktur, Geschäftsprozesse, E-Commerce-Anwendungen oder Dienstleistungen am PC-Arbeitsplatz. Offshoring ist das Verlagern zu Anbietern in entfernten Ländern mit niedrigen Arbeitskosten.

Beim Outsourcing erreichten die Rechenzentrumsauslagerungen ihren Höhepunkt Mitte der 90er-Jahre. Nach der Jahrtausendwende ist heute ein starkes Wachstum für Geschäftsprozesse und Anwendungsentwicklung zu verzeichnen - die Unternehmen reißen ihre immer komplexer werdende Wertschöpfungskette auf.

Der deutsche Outsourcing-Markt ist anders als der im angelsächsischen Raum von Bedenkenträgern geprägt. Viele Entscheider sind beispielsweise unsicher, inwieweit Offshore eine sinnvolle Alternative für ihr Unternehmen ist. Schließlich kombiniert Offshore-Outsourcing die Risiken einer Auslagerung von Prozessschritten an einen externen Anbieter noch mit denen einer Verlagerung in ein anderes Land.

Doch eine Vielzahl von erfolgreichen Offshore-Outsourcing-Projekten zeigt: Bedenken in Richtung Qualitätsverluste sind meist unbegründet. Immerhin 49 Prozent aller Firmen dieser Welt mit höchstem Software-Entwicklungsstandard sitzen in Indien.

Das Verlagern in Richtung Offshore eröffnet unzweifelhaft große Chancen für Kostensenkungen. Die Stunde eines Software-Entwicklers kostet heute in Deutschland 60 Euro - in Indien sind es 15 bis 20 Euro bei höherem Leistungs- und Qualitätsanspruch.

Kostensenkungen ergeben sich allerdings nicht einfach aus dem Vergleich von Stundensätzen. Neben Initialisierungskosten für das Offshore-Projekt ist nämlich ein zusätzlicher Teamaufwand erforderlich, um die Aktivitäten im eigenen Unternehmen und beim Partner zu implementieren und zu koordinieren. Dennoch bleiben Einsparpotenziale von bis zu 55 Prozent - welches Unternehmen kann sich dies bei dauerhaft hohen Arbeitskosten in Deutschland entgehen lassen?

Um diese Potenziale wirklich zu realisieren, müssen bei einem Offshore-Projekt allerdings einige Punkte beachtet werden. So ist die Auswahl der richtigen Projekte und Dienstleistungen enorm wichtig. Es kommt außerdem auf die richtigen Lieferanten und die Vertragsgestaltung an, und das eigene Unternehmen muss mit der Aufstellung eines speziellen Teams erst einmal offshorefähig gemacht werden. Außerdem entscheidend: Die Risiken des Offshore-Outsourcings müssen beherrscht werden können. Unter diese Risiken fallen etwa kulturelle Unterschiede zwischen der lokalen und der Offshore-Organisation sowie der Wegfall des persönlichen Vor-Ort-Kontaktes.

Die traditionellen Bedenken vieler Entscheider beim Thema Offshoring sind trotz dieser Punkte in der Regel nicht zutreffend. Tatsächlich verlängert eine sinnvolle Steuerung der Zeitzonen den Arbeitstag. Dienstleister in Indien oder auf den Philippinen sind echte Alternativen zur teureren Arbeit im eigenen Land. Durch das Fokussieren auf die Herausforderungen und die Minimierung der tatsächlichen Risiken werden Unternehmen mit Offshore-Anbietern gute Einsparungen erzielen. Wer heute mit Risikominimierung auslagert, erntet nach zwölf Monaten erste Früchte.

Autoren: Rüdiger Zastrow, Mitglied der Geschäftsleitung, Claudia Nestrowitz, Beraterin Systems Integration & Solutions Group, PA Consulting Group Deutschland.

Quelle: Handelsblatt Nr. 049 vom 10.03.04 Seite c12

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