Kalte Dusche für Spekulanten
Spekulation auf Micrologica ging kräftig daneben

Wenn schon der Gesamtmarkt am Boden liegt, muss man das Risiko erhöhen, dachten sich am Montag wohl einige Anleger und setzten auf die Micrologica-Aktie. Der Call-Center-Ausrüster hatte bereits am vergangenen Mittwoch über eine äußerst klamme Liquiditätssituation berichtet.

HB FRANKFURT. In der Folge war das Papier um zeitweise 70 % eingebrochen. Das lockte Spekulanten auf den Plan. Sie bescherten Micrologica am Montag im Tagesverlauf einen Kurszuwachs von zwischenzeitlich 50 %. Dann folgte die kalte Dusche: Das Unternehmen stellte Insolvenzantrag, die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt - bei einem Plus gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 22,5 % bei 1,25 Euro. Ein schätzungsweise einmaliger Fall in der Börsengeschichte.

Auch die italienische Bank Bipop Carire, die kürzlich die Entrium AG übernommen hat, hat frische Erfahrungen mit dem Handelsstopp. Die Gesellschaft, die seit Dezember am Neuen Markt notiert ist und im Nemax-All-Share mit einem Gewicht von rund 10 % der stärkste Wert ist, war am Freitag in Mailand - allerdings nach einem massiven Kurssturz - vom Handel ausgesetzt worden. Aufhalten konnte das den Abwärtstrend nicht. Am Montag gehörte das Papier mit einem Minus von 7,4 % auf 5,35 Euro wieder zu den großen Verlierern. Anscheinend traut die Börse der Bank, die mit niedrigeren Provisionseinnahmen zu kämpfen hat, die Integration ihrer jüngsten Akquisitionen nicht recht zu.

Bipop zog natürlich auch den Index für Finanzdienstleister am Neuen Markt weiter deutlich ins Minus, obwohl sich die anderen beiden großen Verlierer der vergangenen Woche wieder etwas erholen konnten. So gewann die Aktie von Comdirect 3,6 % auf 11,91 Euro, die Direkt Anlage Bank legte sogar 4,8 % auf 20,59 Euro zu. Consors blieb weiter unter Druck mit einem Minus von 3,5 % auf 26,45 Euro.

Der hohe Verlust von Bipop belastetet auch den Gesamtmarkt. Der Nemax konnte sich zwar nach einer freundlichen Eröffnung der US-Technologiebörse Nasdaq von seinen bis zu dreiprozentigen Verlusten erholen, lag am frühen Abend jedoch noch immer bei 2 006 Punkten rund 1 % im Minus. Der Nemax 50, dem Bipop erst bei der nächsten Neuformierung angehören wird, gab ebenso stark nach und notierte bei 2 015 Punkten. Er profitierte von der erneuten Stärke der Internationalmedia-Aktie die 5,9 % auf 26,80 Euro zulegte sowie von Adva mit einem Kurszuwachs von 9,4 % auf 24,80 Euro. Belastet wurde er vom Minus bei Kontron. Das Papier gab trotz guter Zahlen 9 % auf 59,50 Euro nach. Dabei beherzigten die Anleger wohl die alte Weisheit, bei guten Nachrichten zu verkaufen, zumal die Aktie in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt hatte.

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