Kaltes Blau und Mittelmotor
Erster VW unter Pischetsrieders Regie ist agressiver Roadster

Die Vorgabe von VW-Chef Bernd Pischetsrieder an das junge Wolfsburger Designerteam war knapp und präzise: "Einen Mittelmotor muss er haben", sagte er. Sonst ließ er den kreativen Köpfen freie Hand. Das Ergebnis seines Auftrages vom Frühjahr präsentierte er am Montagabend in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Der erste VW, der unter seiner Federführung in sieben Monaten entstanden ist, strahlt in kaltem Blau, hat sportlich-aggressive Linien und eine völlig neue Front - und zeigt, wohin Pischetsrieder Europas Automarktführer in den nächsten Jahren lenken wird.

Ob neuer Golf, Touareg oder Touran - alle Modelle, die in den vergangenen Jahren von den Wolfsburgern auf den Markt gebracht wurden, tragen noch die Handschrift von Pischetsrieders Vorgänger Ferdinand Piech. Seit Montagabend ist damit Schluss. Bei VW ist mit dem "Concept R" die Ära Piech auch bei den Autos endgültig vorbei.

Der Roadster ist für Ex-BMW-Mann Pischetsrieder weit mehr als eine sportliche Designspielerei. Er zeigt das neue VW-Gesicht. Schon der neue Passat, der 2005 kommen soll und schon jetzt zu 97 % fertig ist, wird von dem "Concept R" geprägt sein. Zwei in V-Form zum Kühlergrill verlaufende Linien auf der Haube münden in einer aggressiven breiten, massiv wirkenden Front aus poliertem Aluminium. Wie viel der neue Passat - neben dem Golf das wichtigste VW-Modell - von dem Roadster haben wird, lässt Pischetsrieder offen. "Nur eines: Der Passat wird keinen Mittelmotor haben", witzelte er.

Ob VW den Sportwagen tatsächlich bauen wird, sei noch nicht entschieden, sagte Pischetsrieder. "Denkbar ist das schon." Es werde aber wenigstens zwei Jahre dauern, ihn auf die Straßen zu bringen. Zunächst sollten jetzt die Reaktionen des Marktes etwa auf der Automobilausstellung in Frankfurt abgewartet werden. Wie bei anderen Modellen müsse auch bei dem Fahrzeug sichergestellt sein, dass eine Kapitalrendite von mindestens 8 % erreicht werde. Die Studie gehöre zum VW-Konzept, Nieschen im Markt zu entdecken und sie zu besetzen. Und diese liege oberhalb des teuersten Golf mit dem stärksten Motor.

Bei dem Konzeptwagen ließen sich die Designer durch nichts bremsen. Die Sitze sind nicht verstellbar; Pedale, Lenkrad und Cockpit stellen sich auf den Fahrer ein. Das Innenleben wird beherrscht von erdfarbenem Hirschleder, poliertem Aluminium und kaltblauem Metall. Mit einem Drehknopf zwischen den Sitzen lässt sich das Motorgeräusch von sportlich bis komfortabel ändern. Die Scheinwerfer haben eine Blende, die sich wie bei einer Kamera öffnet, wenn das Frontlicht eingeschaltet wird.

In der Art, wie der Wagen entstand, zeige sich auch der andere Führungsstil, den Pischetsrieder bei VW im Gegensatz zu Vorgänger Piech pflege, sagten VW-ler. Piech habe immer klare Vorgaben und konkrete Vorstellungen gehabt, wie ein neues Auto auszusehen habe, sagte ein Designer. Pischetsrieder begeistere seine Mitarbeiter zunächst für seine Ideen und lasse dann freie Hand. "Piech machte seinen Leute Feuer unterm Hintern, Pischetsrieder entfacht das Feuer in seinen Mitarbeitern."

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