Kamera mit OLED-Display
Flachdisplays – ganz schön helle

Digitalfotografen kennen das Ärgernis: Die Motivsuche per LCD-Display kann ganz schön auf die Augen gehen. Denn die Leuchtkraft der kleinen Flüssigkristall-Anzeigen reicht bei Tageslicht kaum noch aus, um überhaupt ein Bild zu erkennen. So entsteht Foto-Frust.

HB DÜSSELDORF. Eine neue Technologie, die auf der Cebit vorgestellt wird, verspricht besseren Komfort: Ultraflache und leuchtstarke Bildschirme aus organischen Leuchtdioden (OLED) könnten bald in Digitalkameras und Handys Einzug halten. OLED lassen bis zu einem Blickwinkel von 160 Grad ein Bild erkennen. Da sie selber Licht emittieren, brauchen sie keine Hintergrundbeleuchtung. Außerdem verbrauchen sie bis zu einem Drittel weniger Strom und sind wesentlich dünner und leichter als die heute verwendeten LCD.

Seit Jahresbeginn baut ein Joint Venture von Kodak und Sanyo, die SK (Sanyo Kodak) Display Corporation, OLED-basierte Farbdisplays in Japan und will sie in Zukunft auch gemeinsam vertreiben. Kodak will auf der Cebit als erster Hersteller eine Digitalkamera mit OLED-Display präsentieren. Vom Kooperationspartner Sanyo erwarten Experten in Hannover die Präsentation eines UMTS-Handys mit einem Polymer-Farbdisplay.

Grundidee aus den 80er-Jahren

Die Idee der OLED geht zurück auf Forschung in den 80er-Jahren. Wissenschaftler im Kodak-Forschungslabor entdeckten, dass organische Halbleiter unter elektrischer Spannung Licht aussenden können (Elektrolumineszenz). 1997 kamen in Japan monochrome OLED-Displays erstmals zum Einsatz: in einem Verkehrsnachrichten-Empfänger von Pioneer. Vorteil bei Anwendungen im Auto: OLED sind extrem temperaturresistent und arbeiten bei minus 80 ºC Kälte ebenso zuverlässig wie bei 80 ºC Hitze. "Farbpanels existieren bereits als Labormuster. Für den serienmäßigen Einsatz in unseren Navigationsradios steht aber wegen der derzeit noch relativ hohen Fertigungskosten kein konkretes Datum fest", sagt Pioneer-Produktmanager Gerd Wellhausen.

Auch Kodak versucht, Erwartungen zu dämpfen: Träumereien von aufrollbaren Großleinwänden auf OLED-Basis kämen zu früh. "An der Flexibilität der Displays müssen wir noch hart arbeiten, denn die chemischen Verbindungen in den Bildschirmen sind empfindlich gegen Sauerstoff", sagt Dan d?Almeida, Vice-President Marketing & Sales for Display Products bei Kodak. Ein biegsames Display müsste hermetisch versiegelt werden. Glasscheiben böten zwar Schutz, sind aber starr. "Bevor wir große Displays anbieten können, müssen wir den physikalischen Aufbau verbessern und die Wirtschaftlichkeit optimieren. Daran arbeiten wir", sagt d?Almeida. Vor ihrem Einsatz im Heimkino werden sich die dünnen Displays erst in kleinformatiger Ausführung in tragbaren Geräten bewähren.

Die deutschen OLED-Entwickler wollen den Markt den Firmen aus Übersee nicht kampflos überlassen. 13 Mitglieder des Deutschen Flachdisplay-Forums (DFF) haben die Deutsche OLED GmbH-Referenzanlage gegründet. "In spätestens drei Jahren werden wir hoch qualitative Displays für den europäischen Markt herstellen können", sagt Jörg Winkler, Projektleiter im DFF. Den Vorsprung der Sanyo Kodak Display Corporation oder des taiwanesischen Herstellers Ritek sieht er gelassen: "Dank modernster Fertigungstechniken werden wir absolut wettbewerbsfähig in den Markt einsteigen können." Und der werde genügend Potenzial für die europäischen Anbieter bieten. Immerhin sagen die Marktforscher von I-Supply/Stanford Resources jährliche Umsatzsteigerungen von 20 Prozent für Flachdisplays voraus.

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