Kameraden verraten
Palästinenser töten angebliche Kollaborateurin

Militante Palästinenser haben erstmals eine Frau getötet, der Kollaboration mit Israel vorgeworfen wurde. Die Frau habe einen ihrer Kameraden verraten, der Anfang des Monats von den Israelis getötet worden sei, sagte am Sonntag ein Mitglied der militanten El-Aksa-Brigaden.

Reuters TULKAREM. Die 35-jährige Mutter von drei Kindern, Ichlas Jassin, wurde am Samstagabend aus ihrem Haus in Tulkarm im Westjordanland gezerrt und öffentlich erschossen. Auf einer Videoaufnahme war zu sehen, wie die verängstigt wirkende Frau ein Geständnis ablegte. Die Palästinenser-Regierung äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Eine israelische Menschenrechtsgruppe äußerte sich entsetzt über die Tat.

Auf der Videoaufnahme war die Frau mit Kopftuch und Brille vor einer hoch gestellten Matratze sitzend zu sehen. Sie berichtete, sie habe ihrem Bruder Informationen über einen von Israel gesuchten militanten Palästinenser gegeben, der später von Israel getötet wurde. Auf die Frage, ob sie zu dem Geständnis gezwungen worden sei, antworte sie: "Nein." Nach einer persönlichen Botschaft für die Palästinenser befragt, sagte sie: "Ich möchte allen Jungen und Mädchen, Jung und Alt, sagen, selbst wenn es den Tod bedeutet, kollaboriert nicht." Seit Beginn des Palästinenseraufstands vor fast zwei Jahren haben militante Palästinenser Dutzende angebliche Kollaborateure mit Israel erschossen. Die El-Aksa-Brigaden lehnen Verhandlungen mit Israel strikt ab und haben sich zu zahlreichen Selbstmordanschlägen in Israel bekannt. Sie stehen der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nahe.

Ein Sprecher der israelischen Menschenrechtsgruppe B'Tselem sagte, die Tat in Tulkarm sei ein "klarer Verstoß gegen die Menschenrechte wie jede Hinrichtung oder jeder Mord". Sollte die Frau tatsächlich eine Kollaborateurin gewesen sei, so laste wegen ihres Schicksals auf den israelischen Kräften, die sie rekrutierten, eine schwere Last.

Die El-Aksa-Brigaden und weitere Gruppen lehnen einen zwischen der Palästinenser-Regierung und Israel vereinbarten Sicherheitsplan ab. Dieser sieht den Rückzug der israelischen Armee aus besetzten Gebieten vor, wenn anschließend palästinensische Sicherheitskräfte in den Gebieten gegen Gewalttäter vorgehen. Israel hatte sich im Zuge des Plans "Gaza und Bethlehem zuerst" am Dienstag aus Bethlehem zurückgezogen.

Gespräche von Sicherheitsvertretern über eine weitere Umsetzung des Plans waren am Freitag ohne Fortschritte beendet worden. Die Palästinenser warfen Israel anschließend vor, den Plan nicht fortsetzen zu wollen. Israel wies dies zurück und forderte von den Palästinensern ein verstärktes Vorgehen gegen militante Gruppen.

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