Kampagne für die Gemeinschaftswährung läuft nach Plan
Finnen verabschieden sich ohne große Emotionen von ihrer Markka

Obwohl Finnland erst seit 1 995 Mitglied der Europäischen Union ist, hat das Land anders als seine nordeuropäischen Nachbarn Schweden und Dänemark, die sich zunächst nicht am Euro beteiligen, einen sehr pragmatischen Europa-Kurs eingeschlagen. Nach dem Motto "Entweder ganz oder gar nicht" entschied sich Finnland als einziges Land in Nordeuropa für die Gemeinschaftswährung.

5.4.2001 hst HELSINKI. In dem von vielen als "EU-Musterschüler" bezeichneten Finnland laufen die Vorbereitungen für die Euro-Einführung auf Hochtouren. Und das schon seit einiger Zeit: Finnland zählte zu den ersten Euro-Ländern, die auf freiwilliger Basis schon vor fast zwei Jahren eine doppelte Preisauszeichnung in "Markka" und "Euro" vornahmen. In Kaufhäusern, Restaurants und Hotels - überall konnten sich die Finnen schon früh an die neue Währung und den Umrechnungskurs gewöhnen. Eine Ende Januar durchgeführte Umfrage ergab, dass mittlerweile 92 % der Finnen den Zeitpunkt der Euro-Einführung kennen und immerhin 63 % wissen, dass ein Euro ungefähr sechs Finnmark entspricht.

Rauno Niinimäki ist im finnischen Finanzministerium verantwortlich für die Einführung der Gemeinschaftswährung in seinem Land. "Wir haben im vergangenen Jahr unser großes Programm zur Umstellung vorgelegt. Seitdem stehen wir in engstem Kontakt mit allen gesellschaftlichen Gruppen", sagt er. "Gewerkschaften, Arbeitgeber, die Börse, ja alle Bereiche der Gesellschaft sind involviert." Die großen Konzerne, Behörden und Institutionen machen ihm keine Sorgen. "Die haben alles im Griff". Unsicherer ist er dagegen, wie gut sich kleinere und mittlere Betriebe auf die Euro-Einführung eingestellt haben. "Sie schaden sich vor allem selbst, wenn sie die Umstellung nicht vernünftig geplant haben", sagt er ganz pragmatisch. "Für die Gesamtheit spielen sie keine Rolle."

Niinimäki sieht keine größeren Probleme für sein Land bei der Umstellung. Zwei Drittel des neuen Geldes seien bereits gedruckt und geprägt. "Es läuft alles nach Plan". Ein wichtiger Grund für seine Gelassenheit ist die geringe Geldmenge, die in Finnland mit seinen knapp über fünf Millionen Einwohnern im Umlauf ist. "Bei uns müssen die neuen Münzen und Scheine nicht in Spezialcontainern durch das ganze Land gefahren werden", sagt er. Behilflich ist den Finnen auch, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr seit Jahren nahezu der Regelfall ist. Ob Taxifahrt oder Zeitungskauf am Kiosk - im hohen Norden wird heute nahezu jedes Geschäft bargeldlos entweder mit Kreditkarte oder inzwischen sogar via Handy vorgenommen. "Deshalb haben wir es vermutlich sehr viel einfacher mit der Geldumstellung als die meisten der anderen Euroländer", so Niinimäki.

Vor einer Woche stellten Finanzministerium und Zentralbank ihre Informationskampagnen vor. Sie sollen ab Herbst 2 001 in sämtlichen Medien laufen und die Bürger über die Umstellung informieren. Dabei wurde auf reine Werbebotschaften gänzlich verzichtet - "wir bringen nur Fakten", betont Niinimäki. Unter anderem werden die Bürger auf die zweimonatige Übergangszeit hingewiesen, in denen sie noch mit Finnmark und Euro bezahlen können. Sie werden werden aber beruhigt, dass danach ihr altes Geld nicht wertlos wird. "Die Zentralbank tauscht noch zehn Jahre lang die alte Währung um."

Auf eine Finnmark in Gold müssen die Finnen aber verzichten. Reminiszenzen an die Vergangenheit wird es nicht geben. "Wer an der finnischen Markka hängt, kann ja eine alte behalten", empfiehlt Niinimäki.

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