Kampagne "Für Krone und Vaterland"
Heisse Wochen vor Volksabstimmung über EU-Beitritt in Dänemark

dpa KOPENHAGEN. Nach einem verregneten Sommer und zuletzt auch kühlen Temperaturen können sich die Dänen jetzt politisch auf heiße Wochen einrichten. Bis zur Volksabstimmung über den Euro-Beitritt am 28. September will Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen nach eigener Aussage "24 Stunden pro Tag" für ein Ja ackern, während die Beitrittsgegner ihr Heil in Wien suchen, um die bei den Dänen unpopulären Österreich-Sanktionen für sich zu nutzen. Demoskopen geben beiden Seiten zum Auftakt der heißen Phase fast gleich große Chancen.

Sozialdemokrat Rasmussen meldete sich aus den Sommerferien am heimischen Kattegat mit einem Eingeständnis zu dem zeitweise klaren Vorsprung der Euro-Gegner zurück: "Die Umfragen waren ein erhobener Zeigefinger der Wählerschaft an uns." Nun werde man sich weit mehr als bisher anstrengen, die praktischen Konsequenzen der gemeinsamen EU-Währung für alle 5,5 Mill. Dänen anschaulich zu machen.

Alle Befürworter des dänischen Euro-Beitritts von der sozialliberalen Regierung über die traditionellen bürgerlichen Oppositionsparteien bis hin zu Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden sind sich einig, dass diese Anstrengung bitter nötig ist, wenn ein "Nein" wie beim Referendum 1992 zum Maastrichter Unionsvertrag 1992 vermieden werden soll. Aber das Wie liegt nach Meinung der meisten Beobachter weiter bedenklich im Dunkeln.

"Die Leute interessiert zum Beispiel sehr, ob sie beim Übergang zum Euro eine Gebühr für die Umrechnung ihrer Renten bezahlen müssen", meinte Rasmussens Kampagnechef Henrik Dam Kristensen am Montag nach einer Strategiedebatte der sozialdemokratischen Parteispitze. Damit war endgültig klar, dass wieder einmal und offenbar um jeden Preis die "große" Debatte über die EU als politisches Integrationsprojekt vermieden werden soll. Sie gilt in Dänemark traditionell als Todsünde unter führenden EU-Befürwortern, weil man meint, dass die äußerst euro-skeptische Bevölkerung nur für Projekte wie die Währungsunion zu gewinnen sei, wenn die politischen Konsequenzen so weit wie irgend möglich heruntergespielt werden können.

Nicht einfacher wurde Rasmussens Aufgabe durch Kritik von drei Ministern aus seiner eigenen Partei, die öffentlich mehr Rücksicht auf sozialdemokratische "Euro-Zweifler" verlangten. Dass der Rat der Wirtschaftsweisen auch noch in einem Gutachten erklärte, ein Nein zum Euro werde wohl kaum spürbare Auswirkungen auf den seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsboom in Dänemark haben, dürfte ihm noch mehr wehgetan haben.

"Für Krone und Vaterland"

Unter den Beitrittsgegnern auf dem rechten und linken Parteienflügel sowie bei den in Dänemark traditionell starken Anti- EU-Organisationen herrscht deshalb erheblicher Optimismus. Den Ton angegeben haben bisher eindeutig die Rechtspopulisten der Volkspartei. Mit einer deutlich nationalistischeren Stimmführung als bisher in Dänemark üblich haben sie ihre Kampagne unter das Motto "Für Krone und Vaterland" gestellt. Besuche der Parteispitze in Wien und ein Antrag auf einseitige Aufhebung der bei den Skandinaviern als Bedrohung eines kleinen Landes unpopulären EU-Sanktionen gegen Österreich sollen kräftig Nein-Stimmen bringen.

Aber auch die Nein-Seite setzt heftig auf "praktische" Erwägungen. So malt Parteichefin Pia Kjärsgaard immer wieder ein Schreckgespenst an die Wand, das anderswo möglicherweise nur beherrschte Reaktionen auslösen würde: Mit den Euro-Münzen, so die populärste Vertreterin der Nein-Seite, werde das Konterfei der dänischen Königin Margrethe ja weitgehend aus den Portemonnaies der Einheimischen verschwinden. Wem das noch nicht schlimm genug erscheint, den fragt die Dänische Volkspartei in einem Faltblatt, ob es in Ordnung sei, dass Dänemarks Goldreserven per Bahn nach Frankfurt geschafft werden sollten.

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