Kampagne im Netz
Putins mysteriöse Verehrer

Ein Klick für den "nationalen Führer" - so etwa lässt sich der neueste Versuch beschreiben, Wladimir Putin Macht und ein politisches Leben nach seiner Amtszeit zu verschaffen. Auf der Internetseite "za Putina" feiern Fans den scheidenden Präsidenten als Retter Russlands. Geheimnisvoll bleibt, wer hinter der Kampagne steckt.

Unter » www.zaputina.ru ("für Putin") können seine Anhänger ihren Namen und Wohnort in eine Maske eintragen, nach einer Woche online haben dies offenbar fast 30 000 Putin-Fans getan. Zu sehen sind auch kleine Fotos der angeblichen Unterstützer, sowie Filmbeiträge Prominenter, die sich ein Russland ohne Wladimir Putin nicht vorstellen können. Das "Putin Tube" gibt keinen Hinweis darauf, wer die Seite kreiert hat. Gazeta.ru will aber herausgefunden haben, dass hinter der Aktion ein Partei-Mitglied der Präsidenten-Partei "Einiges Russland" steht. Die Partei habe nichts damit zu tun, heißt es dort.

Seit Wochen geistert eine Bewegung durch die russischen Medien: Regelmäßig demonstrieren Bürger für einen Verbleib Putins im Amt, obwohl dieser der Verfassung nach bei den kommenden Präsidentschaftswahlen nicht mehr antreten darf - und eigenen Aussagen nach - auch nicht will. Was zunächst nach einem gut orchestrierten Versuch aussah, den Boden für eine dritte Amtszeit und damit einer Verfassungsänderung zu ebnen, erscheint heute mehr als Teil einer geschickten Kampagne für die Duma-Wahl am 2.Dezember. Bei dieser tritt der Präsident auf dem Ticket von "Einiges Russland" an, was ihm auf jeden Fall einen Sitz im Parlament einbringen wird. Doch Wladimir Putin - ein einfacher Abgeordneter? "Za Putina" soll vermutlich helfen, ihm einen neuen Status zu verleihen - für die Zeit ohne Regierungsamt und damit ohne Macht: "als nationaler Führer".

Vorbilder für eine solche Figur gibt es in der jüngeren Geschichte freilich genug und auch heute noch leisten sich Staaten wie der Iran einen machtvollen "religiösen Führer" sowie einen Präsidenten - was das iranische politische System allerdings zu einem der kompliziertesten der Welt macht. Am theoretischen Überbau wird in Russland derzeit hart gearbeitet: Der für die Nationalitätenpolitik bei "Einiges Russland" zuständige Abdul Chakim Sultigow hat einem Aufsatz bereits umrissen, wie der "nationale Führer" gekürt werden könnte. Nach der Präsidentenwahl im kommenden März solle eine bürgerliche Versammlung der russischen Nation einen "Pakt der bürgerlichen Einheit" besiegeln, der wiederum die Grundlage für Putins Macht darstellt. "In dieser historischen Periode schützt der nationale Führer den Willen des Volkes, er tritt als Garant der Volksmacht auf", schreibt Sultigow. Putin sieht er als Retter Russlands vor einer "nationalstaatlichen Katastrophe", der tödliche Gefahren abgewehrt habe. Ob dies den Parteigranden dann doch zu dick aufgetragen schien, bleibt offen: Der Text jedenfalls wurde von der Webseite wieder entfernt.

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