Kampf dem Verkehrs-Kollaps
Deutsche fahren am liebsten Auto

Das Verkehrsaufkommen in deutschen Ballungsräumen steigt immer weiter. Das Auto ist und bleibt das Hauptverkehrsmittel der Deutschen. Experten suchen daher den Weg aus dem drohenden Verkehrs-Kollaps.

HB FRANKFURT. Rund 80 % aller Wege außer Haus würden mit dem Auto zurückgelegt, erklärte Heinz Hautzinger vom Institut für angewandte Verkehrs- und Tourismusforschung der Fachhochschule Heilbronn bei der Vorstellung der Studie "Kraftverkehr in Deutschland" auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Dienstag. Damit sei dieser Wert in den vergangenen 25 Jahren um rund 18 %punkte angestiegen.

Auch in den nächsten Jahrzehnten werde sich an dieser Stellung nichts andern, prognostizierte ADAC-Vizepräsident Erhard Oehm. "Täglich sind rund 85 % der in Deutschland wohnenden Personen ab zehn Jahren außer Haus unterwegs", sagte Hautzinger. Das seien deutlich mehr als noch 1976, als dieser Wert bei 78 % gelegen habe.

Laut der Mobilitätsstudie des Heilbronner Verkehrsforschers stieg nicht nur die Anzahl der Menschen, die unterwegs sind, sondern auch die durchschnittlich gefahrene Strecke, die sich von 27 auf 38 Kilometer erhöhte. Dabei wird fast jeder dritte Weg in der Freizeit zurückgelegt, nur jeder fünfte Weg gilt der Arbeit oder der Ausbildung. Hautzinger: "82 Minuten verbringt der Deutsche jeden Tag im Verkehr."

In der Bevölkerung gebe es ein hohes Bedürfnis nach individueller Mobilität, sagte Hautzinger. 84 % der über 18-Jährigen haben einen Führerschein. "Mobilität ist zu einem Grundbedürfnis der Menschen geworden", betonte der Direktor des Kölner Institutes der deutschen Wirtschaft, Gerhard Fels.

Zusammenspiel von Bahn, Bus und Auto gefordert

Experten sind sich einig, dass in Zukunft das Verkehrsaufkommen in deutschen Ballungsräumen nur mit einem abgestimmten Zusammenspiel von Bahn, Bus und Auto bewältigt werden kann. Ansonsten droht der Verkehrs-Kollaps.

Trotz eines erwarteten Bevölkerungsrückganges werde das Verkehrsaufkommen in den Ballungsräumen steigen, sagte der Verkehrsforscher Manfred Boltze am Mittwoch auf einer Tagung im Rahmen der Internationalen Automobil-Ausstellung. Intelligenten Verkehrsmanagementsystemen komme daher eine immer wichtigere Bedeutung zu.

"Ziel muss es sein, Verkehrssysteme und deren Nachfrage optimal aufeinander abzustimmen", erklärte Boltze, der das Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZIV) der Technischen Universität Darmstadt leitet. In die Planungen müssten neben den Großstädten auch die Landkreise mit einbezogen werden. Auch Volker Sparmann von der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft sagte, nur integrierte Konzepte könnten dauerhaft den Verkehr entzerren.

"Die Vitalität einer Metropole hängt entscheidet von ihrer Erreichbarkeit ab", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. Nicht zuletzt aus diesem Grund hätten die Städte erkannt, dass sie nicht gegen das Auto, sondern nur mit dem Auto leben könnten.

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