Kampf der Jetgiganten in Le Bourget
Airbus fordert Boeing heraus

Die weltgrößte Luft- und Raumfahrtschau der Welt in Le Bourget wird in diesem Jahr Schauplatz eines Duells der Extraklasse zwischen den beiden Flugzeugbauern Airbus und Boeing. Der europäische Flugzeughersteller fordert mit seinem neuentwickelten größten Verkehrsflugzeug aller Zeiten A380 den amerikanischen Branchenführer auf seiner Domäne der Jumbo-Jets heraus.

dpa PARIS. Airbus will überdies mit seinem neuen Militärtransporter A400M den Amerikanern das Fürchten lehren. Damit ist auf dem am Samstag beginnenden traditionsreichen Aero-Salon in Paris Le Bourget für genügend Zündstoff gesorgt.

Der A400M könnte nach Einschätzung von Branchenkennern in Paris bereits in Le Bourget aus der Taufe gehoben werden. Beim deutsch- französischen Gipfel am Dienstag in Freiburg hatten die Franzosen Druck gemacht, Berlin solle trotz unklarer Finanzlage endlich den Weg freimachen. Deutschland hatte als einziges der neun an dem Projekt beteiligten Länder den Kauf noch nicht konkret zuggesagt. Die A400M- Transporter sollen ab 2007 die veralteten Transall-Maschinen ersetzen. Für die Bundeswehr sind 73 Maschinen vorgesehen, deren Anschaffungskosten auf bis zu 20 Mrd. DM geschätzt werden.

Airbus steigert seine Auslieferungen in diesem Jahr von 311 auf 350 Maschinen. Für die weitere Branchenentwicklung ist der Hersteller auf Grund der weltweit steigenden Passagierzahlen optimistisch, obwohl sich der Auftragsboom des vergangenen Jahres abflacht. Auch Boeing rechne im Vergleich zum Vorjahr mit weniger Bestellungen, sagte ein Sprecher am Mittwoch der dpa. Im laufenden und nächsten Jahr erwartet der US-Konzern eine unveränderte Auslieferungszahl von jeweils 530 Verkehrsflugzeugen.

"Kreuzfahrtschiff der Lüfte"

62 Festbestellungen von internationalen Airlines für die A380 habe Airbus inzwischen erhalten, berichtete eine Sprecherin von Airbus Industrie. Die A380 soll bis zu 656 Passagiere befördern und ab 2006 ausgeliefert werden. Den Besuchern in Le Bourget wird als Premiere ein begehbarer Rumpfquerschnitt dieses «Kreuzfahrtschiffes der Lüfte» in Originalgröße gezeigt. Boeing setzt stattdessen auf Geschwindigkeit und kontert mit seinen Sonic-Cruiser-Plänen für etwa 300 Passagiere, der nahezu Schallgeschwindigkeit fliegt, also 20 % schneller als herkömmliche Passagierflugzeuge.

Le Bourget trumpft in diesem Jahr mit einer Rekordzahl von mehr als 240 Flugzeugen und Modellen auf. "Wir erwarten über 270 000 Besucher", sagte Veranstaltungschef Edmond Marchegay in Paris. Die zahlreichen Fusionen in der Branche hätten aber die Ausstellerzahlen verringert. Waren es auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Aero- Salon von 1999 noch fast 1900, so sind es in diesem Jahr knapp 1800. Die Eröffnung durch den französischen Staatspräsidenten fällt diesmal aus, weil Jacques Chirac nach Angaben des Präsidialamtes bis Samstag auf dem EU-Gipfel ist. Er hole seinen Besuch am darauf folgenden Dienstag nach.

EADS profitiert vom Auftragsberg

Messe-Premiere feiert der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der im Juli vergangenen Jahres aus der Fusion der DaimlerChrysler Aerospace (DASA), der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen CASA entstand. Als Mehrheitseigner von Airbus profitiert EADS auch in diesem Jahr kräftig vom Auftragsberg des Flugzeugherstellers sowie vom schwachen Euro. Auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) zeigte sich zuversichtlich. "Das zivile Flugzeuggeschäft läuft hervorragend", sagte BDLI-Präsidial-Geschäftsführer Hans-Eberhard Birke der dpa. Der Raumfahrtsektor stagniere. "Das Militärgeschäft ist allerdings auf Grund der unsicheren Planung und fehlenden Finanzmittel im deutschen Haushalt katastrophal."

Ein Flugzeug wird in Le Bourget fehlen, aber dennoch für heftigen Diskussionsstoff sorgen: Der Überschalljet Concorde. Die fünf französischen und sieben britischen Maschinen des Typs haben seit dem Absturz der Air-France-Maschine am 25. Juli 2000 bei Paris Flugverbot. In hiesigen Medien wird damit gerechnet, dass der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot mit seinem britischen Kollegen in Le Bourget ankündigt, ob und wann die Concorde wieder fliegen darf.

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