Kampf gegen das Springer-Monopol
Sonntags-"F.A.Z." bringt Markt in Bewegung

Gelassen und kampfeslustig zugleich gibt sich der designierte Springer-Chef Mathias Döpfner, wenn er auf die Pläne der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für eine bundesweite Sonntagszeitung angesprochen wird. Für den Wettbewerb auf dem bisher von Springer beherrschten Sonntagsmarkt sei der Verlag gut gerüstet, sagte er kürzlich und fügte hinzu: "Wenn wir Märkte verteidigen, dann mit Lust und Entschlossenheit".

Reuters HAMBURG. Nicht weniger als eine Auflage von zusammen rund drei Mill. Exemplaren der "Bild am Sonntag" und der "Welt am Sonntag" gilt es zu verteidigen, wenn die "F.A.Z." Ende September mit einer bundesweiten Sonntagszeitung startet.

Jahrzehntelang dominierte Springer mit der "Welt am Sonntag", der "Bild am Sonntag" und einem ausgeklügelten Vertriebssystem den bundesweiten Sonntagsmarkt für Zeitungen: An Tankstellen, Bahnhöfen und bei Bäckern geht der Lesestoff für den an Freizeit reichen, aber an Zeitungen armen Sonntag über die Tresen; Verkäufer bieten "WamS" und "Bams" an Straßenecken an und dank Zehntausender Boten gelangen die Blätter im Abonnement auch am Sonntag in die entlegendsten Gegenden.

Doch die "F.A.Z." geht selbst aus einer Art "Pole-Position" an den Start: Im Rhein-Main-Gebiet verkauft die "F.A.Z" bereits jetzt jeden Sonntag rund 100 000 Exemplare der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und verfügt damit über Erfahrungen mit dem Zeitungsverkauf zu Zeiten, in denen die klassischen Vertriebskanäle ruhen. Am 30. September soll die Sonntagszeitung nun erstmals bundesweit verkauft werden. Geplant sind zunächst 250 000 Zeitungen, etwas mehr als die Hälfte der gut 450 000 sonntäglich verkauften "WamS"-Exemplare.

Unterhaltsam und leicht

Unterhaltsam und leicht soll die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" werden, allerdings ohne die Verwandtschaft zur "F.A.Z." zu leugnen - so lauten die erklärten Pläne von "F.A.Z."-Herausgeber Frank Schirrmacher. Um eine Konkurrenz zu den Springer-Publikationen gehe es gar nicht. "Kein Mensch käme auf die Idee, dass die 'Welt' mit der 'F.A.Z.' konkurrieren könne", sagte Schirrmacher dem "Spiegel". Die Zielgruppen seien dafür viel zu unterschiedlich.

In der Branche durchaus ernst genommen werden die Pläne der "F.A.Z". spätestens seitdem sich bei Zeitungen wie der "Welt", der "Süddeutschen Zeitung" und der "Zeit" Kündigungen auch von für Ressorts verantwortlichen Redakteuren häuften. Sie wechseln zur neuen Sonntagszeitung, die ihre insgesamt mehr als drei Dutzend Journalisten umfassende Redaktion kürzlich promininent in der "F.A.Z". vorstellte.

Doch der Vorstoß der "F.A.Z" zeigt möglicherweise langfristigere Auswirkungen als das jetzt ausgelöste Personal-Karussell in den großen Redaktionen. Auch bei dem traditionell am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin "Spiegel" wird ein Verkauf am Sonntag jetzt intensiver diskutiert. "Seit sechseinhalb Jahren reden wir immer wieder darüber, ob wir am Sonntag erscheinen müssten", sagte "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust der "Zeit". Schon liefen entsprechende Tests in Berlin, dem mit vier auch am Sonntag erscheinenden Tageszeitungen schon ein hart umkämpfter Regionalmarkt.

Werbe-Potenzial wird skeptisch gesehen

Die größte Hürde aber scheint die von Springer perfektionierte Belieferung der Abonnenten zu sein: "Das ist das Teuere, Komplizierte", sagt Aust. Als sicher gilt in der Branche dennoch, dass der "Spiegel" auf Sonntag umschwenken würde, wenn dies der ebenfalls bisher am Montag erscheinende Konkurrent "Focus" täte - und umgekehrt.

Skeptischer wird dagegen von einigen Branchenkennern das Werbe-Potenzial für überregionale Sonntagszeitungen gesehen. Auch die "Süddeutsche Zeitung" hält sich mit Sonntagsambitionen vorerst vornehm zurück. "Wir haben das geprüft, aber es gibt keine konkreten Pläne", sagt ein Sprecher des Süddeutschen Verlages. Der Markt wird also beobachtet, im Moment erscheint den Münchnern eine "Sonntags-SZ" aber nicht interessant.

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