Kampf gegen Fremd-Generika
Pharmakonzerne greifen zu bitteren Pillen

Preisbrecher auf dem Pharmamarkt machen führenden Anbietern wie Astra-Zeneca, Roche, Bristol-Myers Squibb und Schering-Plough zunehmend zu schaffen. Das Erfolgsrezept der unliebsamen Konkurrenz: Sie bieten Generika an.

dpa-afx FRANKFURT. Das sind Medikamente, die nach dem Patentablauf eines Präparates deutlich günstiger als das Original auf den Markt gebracht werden.

Die Großunternehmen setzen alles daran, die Zulassung der Nachahmerprodukte zu verhindern. Wenn dies nicht gelingt, greifen die Originalhersteller nach Darstellung von Thomas Hummels, Geschäftsführer des Deutschen Generika-Verbandes, zu Verzögerungstaktiken, um die Markteinführung und die Vermarktung aufzuhalten.

Seit vergangenem Freitag hat Astra-Zeneca Plc keinen Patentschutz mehr für sein Medikament Prilosec, das weltweit rund 6 Mrd. US-$ Umsatz erwirtschaftet. Der Pharmakonzern wird über den Gerichtsweg versuchen, Hersteller wie Andrx Corp. von der Einführung einer Generikaversion des Produktes gegen Sodbrennen und Geschwüre abzuhalten.

Preisenbruch um gut die Hälfte möglich

"Für jeden Monat, den Astra-Zeneca noch die teuere Version verkaufen kann, nimmt das Unternehmen 75 Mill. $ ein. Zudem hat der Konzern vor kurzem eine stärkere Version von Prilosec hergestellt, um gegen mögliche Generikaversionen anzukämpfen", beschreiben die Branchenexperten von Hornblower Fischer die Taktik von Astra-Zeneca.

In einer ähnlichen Lage ist Schering-Plough. Gelingt es dem US-Pharmakonzern, Generika-Konkurrenz für das umsatzstarke Allergiemittel Claritin noch ein halbes Jahr abzuwehren, dann könnte es den Umsatz um rund 650 Mill. $ steigern.

Wenn die preiswerten Nachahmer auf den Markt drängen, können die Umsätze der Pharmakonzerne mit den Originalprodukten innerhalb weniger Wochen oder Monate um 50 bis 80 % sinken. Sowohl die US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) als auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM)- beide zuständig für die Zulassung von Medikamenten - und Gerichte werden derzeit überhäuft mit Prüfungsanträgen und Klagen.

Griff zu Me-to-Produkten

Eine weitere Strategie, um generischen Wettbewerb zu verhindern, ist nach Aussage von Hummels, neben den eigentlichen Wirkstoffen auch mit so genannten "Me-too-Variationen" auf den Markt zu drängen: "Dies sind Molekülvariationen ohne nennenswerten therapeutischen Nutzen, die zudem noch die Budgets der Krankenkassen und der Ärzte belasten", sagt Hummels.

Auch über eine Patentierung ihrer Herstellungsverfahren versuchen Pharmaunternehmen, den Nachahmerprodukten Einhalt zu gebieten. Setzen die Generika-Produzenten dann ebenfalls diese Verfahren oder die Trägersubstanzen ein, können die Pharmaunternehmen dagegen klagen.

Lange Zulassungsverfahren helfen den Etablierten

Einige Konzerne in den USA behaupten zudem, Generika seien nicht sicher genug. Auch Hinweise des Originalherstellers kurz vor Verlust des Patentes auf mögliche Nebenwirkungen sollen den Markteintritt der Generika verzögern. Während der Prüfung des Medikaments darf das Originalprodukt zwar weiter verkauft werden, die Prüfung des Generikas wird jedoch gestoppt.

In Deutschland bietet das lang dauernde Zulassungsverfahren für Generika von durchschnittlich 42 Monaten nach Ansicht des Generika-Verbandes einen weiteren Vorteil für die Pharmakonzerne. Bis 2004 werden in Deutschland nach Analysten- und Verbandsschätzungen Medikamente mit einem Umsatzvolumen von etwa 2 Mrd. DM ihren Patentschutz verlieren. Im Jahr 2000 machte der Umsatz mit Generika auf dem generikafähigen also wirkstoffidentischen Markt nach Apothekenverkaufspreisen 14,4 Mrd. DM (rund 63,7 %) und mit Originalprodukten 8,2 Mrd. DM (36,3 %) aus. Hummels beziffert den Generika-Marktanteil an Packungen in 2000 auf rund 71 % respektive 29 % ür die Originale.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%