Kampf gegen Globalisierung
"Attac" will sich neu organisieren

In ihrem Kampf gegen die Folgen der Globalisierung will sich die Organisation Attac mit einer überarbeiteten Grundsatzerklärung und einer Strukturreform neu aufstellen.

dpa FRANKFURT/MAIN. Mit der Neuaufstellung solle dem Mitgliederzuwachs auf derzeit 6 500 Rechnung getragen werden und eine effektivere Arbeit ermöglicht werden, sagte Attac-Sprecher Felix Kolb am Freitag in Frankfurt. Eine Parteigründung sei aber nicht geplant. "Wir wollen nicht den traurigen Weg der Grünen gehen", sagte Hugo Braun vom Attac - Koordinierungskreis.

Zu Attac zählen bundesweit rund 80 lokalen Gruppen sowie Organisationen wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl gab am Freitag ihren Beitritt bekannt.

Proteste beim G-8-Gipfel

Bei einem dreitägigen "Ratschlag", dem höchsten Attac-Gremium, sollen die 400 Teilnehmer bis Sonntag in Frankfurt die Weichen für die Zukunft der globalisierungskritischen Organisation stellen. Binnen eines halben Jahres seien rund 4 000 neue Mitglieder hinzugekommen, sagte Kolb. Die Organisation habe vor allem nach den Protesten beim G-8-Gipfel im Sommer 2001 in Genua starken Zulauf bekommen. Attac sei mittlerweile zum "Hoffnungsträger für viele Menschen geworden", sagte Braun.

Um effektiv arbeiten zu können, brauche Attac aber ein "Minimum an Strukturen und Regeln". So ist als neues Gremium neben dem Koordinierungskreis ein Attac-Rat mit 60 Mitgliedern geplant, die jährlich von den "Ratschlag"-Delegierten gewählt werden sollen. Dieser "strategische Kern" soll sich vier Mal im Jahr treffen. Als Grundprinzip soll auch weiterhin das Konsensverfahren gelten, nach dem Entscheidungen in der Regel übereinstimmend herbeigeführt werden. Mehrheitsentscheidungen soll es nur bei wenigen Ausnahmen wie Finanzfragen geben.

Steuer auf Finanztransaktionen

Die Forderungen von Attac reichen von demokratischer Regulierung und Kontrolle der internationalen Finanzmärkte über eine Steuer auf Finanztransaktionen (Tobin-Steuer) bis zum Schuldenerlass für Entwicklungsländer. Im Zentrum der Kritik stehen Beschlüsse von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und der Welthandelsorganisation WTO. Diese unterstützen nach Ansicht von Attac weltweit agierende Großkonzerne und tragen zur sozialen Ungleichheit bei. Anträge zur neuen Grundsatzerklärung wenden sich außerdem gegen eine Privatisierung des Gesundheits- und Bildungswesens.

Die Attac-Bundeszentrale hat ihren Sitz in Verden an der Aller (Niedersachsen), zieht aber in den nächsten Monaten nach Frankfurt am Main um. In der Bankenmetropole säßen die "eigentlichen Herrscher", begründete Kolb dies. International hat Attac nach eigenen Angaben rund 55 000 Mitglieder in 30 Ländern.

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