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Kampf gegen Hunger, Durst und Seuchen im Flutgebiet

Eine Woche nach der Flutkatastrophe in Südasien kämpft die internationale Gemeinschaft mit einer beispiellosen humanitären Hilfsaktion gegen Seuchen, Hunger und Durst in den Krisengebieten.

dpa NEU DELHI/JAKARTA/COLOMBO. Eine Woche nach der Flutkatastrophe in Südasien kämpft die internationale Gemeinschaft mit einer beispiellosen humanitären Hilfsaktion gegen Seuchen, Hunger und Durst in den Krisengebieten.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach angesichts von möglicherweise deutlich mehr als 165 000 Toten von dem "schlimmsten Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten" und kündigte für Donnerstag eine internationale Geberkonferenz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weiter davon aus, dass in dem Krisengebiet am Indischen Ozean etwa fünf Millionen Menschen von jeglicher Grundversorgung abgeschnitten sind. Berichte über einen Cholera-Ausbruch in Sri Lanka wurden am Sonntag offiziell dementiert.

Die internationalen Hilfszahlungen und Zusagen an Finanzmitteln sind inzwischen auf mehr als zwei Mrd. Dollar (etwa 1,5 Mrd. Euro) gestiegen. Annan lobte die hohe Spendenbereitschaft. Papst Johannes Paul II. und andere ranghohe Vertreter der christlichen Kirchen hoben die weltweite Solidarität mit den Flutopfern in Asien als Zeichen der Hoffnung hervor.

Mill. Überlebende in einigen Gebieten Südasiens warteten allerdings auch sieben Tage nach der verheerenden Flut noch immer auf die dringend benötigte Hilfe. Viele Gebiete sind von den Versorgungsrouten der Rettungsorganisationen abgeschnitten, berichten Sprecher von Hilfsorganisationen. Andauernde Regenfälle in den Katastrophengebieten ließen die Seuchengefahr weiter steigen. Am Sonntagmorgen erschütterten zudem drei Nachbeben mittlerer Stärke die zu Indien gehörende Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren.

Angesichts der konstant hohen Vermisstenzahlen scheinen sich Befürchtungen zu bewahrheiten, dass die Flutwelle deutlich mehr als 165 000 Menschen den Tod gebracht haben könnte. Allein Indonesiens Regierung rechnet mit 100 000 Toten, offiziell bestätigt sind bisher knapp 80 000 Opfer. In Sri Lanka wurden 28 475 Tote gemeldet, Helfer befürchten dort mehr als 42 000 Opfer. Die beiden Länder sind am schwersten betroffen. Indien meldete 9 451 Tote, befürchtet werden über 13 000. In Thailand lag die bestätigte Totenzahl bei 4 985, darunter viele Touristen. Helfer rechnen dort mit 10 000 Toten.

Um die zum Teil bereits bis zur Unkenntlichkeit entstellten und in der großen Hitze verwesenden Leichen zu identifizieren, sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes inzwischen rund 300 Experten aus 19 Ländern im Einsatz. 32 deutsche Identifizierungsexperten arbeiteten in Thailand, fünf in Sri Lanka.

Die Zahl der identifizierten deutschen Flut-Toten erhöhte sich bis Sonntag auf 60. Die Zahl der Vermissten steige weiter und liege "sehr deutlich über 1 000", ergänzte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth. Von Tag zu Tag wachse die Wahrscheinlichkeit, dass viele nicht zurückkehren werden. Bislang seien 7 000 deutsche Urlauber zurückgebracht worden. Verletzt worden seien rund 300 Deutsche. Der Bundeswehr-Airbus "Medevac" hat über 90 Verletzte nach Köln gebracht. Ein zweiter "Medevac" soll von diesem Montag an startbereit sein.

Auf Sri Lanka erschwerten heftige Regenfälle den zweiten Tag in Folge die Hilfsarbeiten und ließen die Seuchengefahr weiter steigen. Sri Lankas Gesundheitsminister Nimal Siripala de Silva betonte aber am Sonntag in der verwüsteten Stadt Galle südlich von Colombo, bisher seien weder Cholera noch andere Seuchen ausgebrochen. Ein Sprecher der Hilfsorganisation World Vision hatte zuvor gesagt, in einem Auffanglager in Galle habe ein Arzt vier Cholera-Fälle festgestellt.

In dem indonesischen Katastrophengebiet Aceh im Norden der Insel Sumatra sind nach Angaben von Helfern inzwischen hunderttausende Verletzte und Obdachlose so geschwächt, dass sie bei dem derzeitigen Ausbruch von Durchfall- und Infektionskrankheiten kaum eine Chance haben. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerkes Unicef leiden in der Region allein 700 000 Kinder an Krankheiten, Nahrungs- und Wassermangel, Verletzungen oder Traumata.

Die Lage in den indonesischen Katastrophengebieten hat sich nach Regierungsangaben angesichts eines wachsenden Stroms von Hilfsgütern etwas entspannt. Viele Betroffene in Aceh können aber weiter nur aus der Luft versorgt werden. Vom Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" aus werden seit Samstag Hungernde über US-Hubschrauber mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe versorgt. Am Sonntag sollte eine Luftbrücke unter Federführung des UN-Flüchtlingskommissariats für 100 000 Menschen in Aceh beginnen. In wenigen Tagen soll ein Bundeswehrlazarett die Arbeit in Aceh aufnehmen. Auch das Marineversorgungsschiff "Berlin" wurde dorthin dirigiert.

Unicef-Direktorin Carol Bellamy flog am Samstag nach Asien, um sich in Sri Lanka und Indonesien ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. US-Außenminister Colin Powell wurde am Sonntag in der Region erwartet. Sein deutscher Amtskollege Joschka Fischer will Ende der Woche dorthin reisen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder setzt sich für langfristige Hilfen für die von der Flutkatastrophe in Südostasien betroffenen Länder ein. "Wir dürfen die von der Flutwelle am stärksten betroffenen Länder, die Menschen dort, nicht allein lassen. Nicht jetzt, aber auch nicht in Zukunft", sagte der Kanzler in der Neujahrsansprache. Die wohlhabenden Industriestaaten sollten Partnerschaften für den Wiederaufbau der zerstörten Regionen eingehen. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) warnte vor einem Reiseboykott der von der Katastrophe betroffenen Länder, da diese in einem großen Maße vom Tourismus abhängig seien.

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