Kampf gegen Korruption bislang ohne Erfolg
Senegals Präsident Wadé träumt vom Tunnel nach Europa

Senegals Präsident hat große Visionen für Afrika. Doch die Sanierung der eigenen Wirtschaft kommt schlecht voran. Betriebe klagen, öffentliche Aufträge seien ohne Bestechungsgelder nicht zu erhalten.

DÜSSELDORF. Abdoulaye Wadé ist zwar schon 73 Jahre alt, in Afrika wird der wortgewandte Senegalese aber als politischer Hoffnungsträger gefeiert. Schließlich ging er im März 2000 aus demokratischen Wahlen als Präsident hervor und beendete damit die 40-jährige Vorherrschaft der Sozialistischen Partei. Der Jurist predigt den Anschluss seines Landes an die Weltwirtschaft und versprach den zehn Millionen Senegalesen, die traditionelle Klientelpolitik im äußersten Westen Afrikas zu bekämpfen.

Der langjährige Oppositionspolitiker trifft den richtigen Ton und kann die Menschen mobilisieren. Der Erfolg seiner "lieben Löwen" bei der Fußball-WM machte Wadé noch populärer. Auch auf panafrikanischen Parkett stieg der frühere Uni-Dekan schnell zum Wortführer auf. Jetzt ist er Vorsitzender von Westafrikas Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas). Bei der "Neuen Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas" (Nepad), einer Art Marshall-Plan zum Wiederaufbau des Kontinents, war Wadé ebenfalls von Anfang an mit dabei.

Wadé plant große Infrastrukturprojekte

Seine Visionen für den Aufbau Afrikas richten sich vor allem auf den Ausbau der maroden Infrastruktur. Wadé plant Afrika-umspannende Projekte - beispielsweise ein Straßennetz, das die Hauptstadt Dakar im äußersten Westen mit dem indischen Ozean verbindet und eine transafrikanische Eisenbahnverbindung. Sein Lieblingsprojekt aber ist ein Tunnel unter dem Mittelmeer, der vom Nordzipfel Algeriens bis nach Gibraltar führt. Auch die Frage der Finanzierung ist für Wadé zumindest schon vorgeklärt. "Es sollte doch im Interesse Europas sein, den Tunnel zwischen beiden Kontinenten zu bezahlen," sagte er kürzlich auf einer Konferenz in Uganda.

Allerdings bedroht heute ausgerechnet ein Länder übergreifendes Großprojekt die senegalesische Wirtschaft: ein gigantischer Wasserstaudamm im benachbarten Mali. Das mit Wasserkraft betriebene 200-Megawatt-Kraftwerk, Ende der 80er Jahr gebaut, treibt Senegals staatliche Stromgesellschaft in die Verschuldung. Wegen nachbarschaftlicher Rivalitäten laufen die Turbinen immer noch nicht auf Hochtouren, ständige Stromausfälle lähmen die Wirtschaft. Besserung ist nicht in Sicht. Gerade erst scheiterte der zweite Privatisierungsversuch der Energiegesellschaft Sénélec. Auch mit der Privatisierung von Eisenbahn und Post kommt Wadé nicht voran.

Agrarwirtschaft wird von Monopolen beherrscht

Immerhin kann Senegals Präsident Wachstumsraten der Wirtschaft um 5 % vorweisen. Gleichzeitig aber liegt das Pro-Kopf-Einkommen weiterhin unter 500 $ im Jahr. Erst in fünfzig Jahren werde der Senegal das heutige Niveau des südafrikanischen Diamantenstaats Botswana erreichen, sagt der deutsche Afrikanist Robert Kappel voraus. Da nützt es auch wenig, wenn im frankophonen Senegal der Euro den Handel mit Europa erleichtert. Senegals Exporte beschränken sich auf Fisch, Phospatdünger und Erdnüsse. Und die Wettbewerbsfähigkeit der Exportprodukte hat sich nach Berechnungen der Uno-Entwicklungsorganisation Unido sogar verschlechtert, in der entsprechenden Weltliga rutschte Senegal in den vergangenen Jahren um 17 Plätze auf Rang 76 ab.

Wie in den meisten Sahelländern hat auch Senegals Agrarwirtschaft eine entscheidende Schwäche: Sie wird von Monopolen beherrscht. Ob Zucker, Mehl oder Erdnüsse - überall kassiert das alte, zum Teil immer noch französische Establishment ab. Zwar hat Wadé damit begonnen, das Erdnuss-Monopol aufzubrechen. Kurzfristig aber ist das Ergebnis für die Bauern verheerend: Sie bleiben auf ihrer Ernte sitzen, weil sie keine Fahrzeuge zum Transport der Nüsse haben.

Langfristig indes kann nur mit der Zerschlagung der Monopole ein anderes Übel beseitigt werden: die Korruption: Dass Wadé sagt, er wolle die Korruption bekämpfen, versteht sich in Afrika von selbst. Das verspricht jeder neue Präsident. Doch Experten geben Wadé schlechte Noten. "Die Realität im Senegal sieht anders aus als die Ankündigungen der Regierung" sagt Mame Adama Gueye, Präsident des senegalesischen Ablegers der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International. Wadé habe bisher keinen einzige konkrete Maßnahme gegen die Korruption eingeleitet. In einer Umfrage Organisation Gueyes bezeichnen 90 % der befragten senegalesischen Unternehmer und Privatleute die Korruption als "weit verbreitet". 40 % der Betriebe geben an, nur durch Bestechung an öffentliche Aufträge zu kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%