Kampf gegen Übernahmeangebot von Incentive
Sulzer beschränkt sich aufs Industriegeschäft

Beim Sulzer-Konzern nähert sich die Stunde der Wahrheit: Das Management will Sulzer Medica bald abspalten und das Industriegeschäft zurechtstutzen. Damit tritt der Konzern gegen das Übernahmeangebot von Incentive an. Die Aktionäre müssen sich bei der Generalversammlung am 19. April entscheiden.

ef HB WINTERTHUR. Seit mehr als einem Jahrzehnt müssen sich die Aktionäre der Sulzer AG mit vergleichsweise ungenügenden Erträgen zufrieden geben - obwohl die Substanz des Schweizer Technologiekonzerns viel versprechend ist. Statt eine klare Zukunftsstrategie zu verfolgen, speiste das Management sie zudem immer wieder mit unzureichenden Schritten ab.

Das soll sich jetzt ändern. Am Freitag legten die Konzernverantwortlichen nun ihre Pläne auf den Tisch. Verwaltungsratspräsident Ueli Roost und der Leiter des Industriebereichs, Fred Kindle, wollen die Sulzer-Aktionäre von ihrer Strategie überzeugen und sie so bei der Stange halten. Denn dem Konzern droht ein feindliches Übernahmeangebot der Beteiligungsgesellschaft Incentive Capital AG. Incentive will aus Sulzer verborgene Werte herausholen, indem der Konzern in zwei Teile gespalten wird.

Das Sulzer-Management gibt sich kämpferisch: Roost wirft Incentive vor, im Gegensatz zur Führungsriege des Konzerns noch keine klare Zukunftsstrategie zu besitzen. Zudem würde von der Hebung verborgener Sulzer-Schätze nur die Beteiligungsgesellschaft profitieren.



Incentive will auf der Generalversammlung die Macht übernehmen

Roost hält es für gefährlich, dass Incentive bereits anlässlich der Generalversammlung die Macht bei Sulzer übernehmen wolle - ohne dass die Frist für das Abfindungsangebot abgelaufen sei. Dies bedeute, dass anlässlich der Generalversammlung gar nicht klar sei, ob die von René Braginsky geführte Gesellschaft überhaupt in den Besitz der Sulzer-Mehrheit gelangen werde.

Der Plan des Sulzer-Managements sieht ähnlich wie die Idee von Incentive die völlige Trennung der Sulzer Medica AG vom Industriegeschäft vor. Jeder Sulzer-Aktionär soll gratis zwei Aktien des Medizintechnikherstellers Sulzer Medica erhalten.

Sulzer Industrie wird sich auf die Bereiche Oberflächentechnik (Metco), Turbomaschinen-Service sowie Pumpen und Trenntechnologie (Chemtec) konzentrieren. Hinzu kommt, quasi als Sahnehäubchen, die Sparte Brennstoffzellen. Die Verkaufsverhandlungen für Webmaschinen und Haustechnik (Infra) sollen noch im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. Die Sparte Großkompressoren (Burckhardt) soll saniert und dann verkauft werden.

Die weiterzuführenden Industriesparten erzielten im vorigen Jahr einen Umsatz von 1,76 Milliarden sfr und eine Betriebsgewinnmarge (Ebit) von 6,4 %. Als Ziel für 2003 kündigte Kindle einen Umsatz von 3 Milliarden sfr und eine Ebit-Marge von 9% an. Um das Ziel zu erreichen, sind auch Zukäufe geplant. Bei den zum Verkauf stehenden Sparten haben die Webmaschinen mit einem Ebit von 34 Millionen sfr das beste Ergebnis seit zehn Jahren erzielt. Wegen der starken Schwankungen der Erträge bleibe es aber bei der Verkaufsentscheidung, unterstrich Kindle.

Die börsennotierte Sulzer Medica (Sulzer-Anteil 74%) erzielte einen Umsatzanstieg um 14 % auf 1,35 Milliarden sfr. Das Betriebsergebnis vor Firmenwert-Abschreibungen und Sondereinflüssen erhöhte sich um 15 % auf 270 Millionen sfr. Der Rückgang des Reingewinns auf 190 (Vj. 483) Millionen sfr liegt am Wegfall des Sonderertrages aus dem Verkauf des Elektrophysiologie-Geschäfts. Die Aktionäre sollen eine von 5 auf 6 sfr erhöhte Dividende erhalten. Sulzer Medica sieht sich gut gerüstet, durch Innovationen und gezielte Akquisitionen künftig jährliche Gewinnsteigerungen von 15 % zu realisieren. Allerdings liegt wegen der Verunreinigung von in den USA ausgelieferten und implantierten Hüftschalen ein Schatten über der Zukunft. Sulzer-Medica-Chef André Buchel erklärte jedoch, dass der Schaden durch Versicherungen gedeckt sei. Ein Imageschaden in den USA könne jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Der Konzernabschluss 2000 des Sulzer-Konzerns ist durch eine Vielzahl außerordentlicher Positionen gekennzeichnet. Der Umsatz legte um 4 % auf 5,74 Milliarden sfr zu. Unter dem Strich steht ein auf 206 (Vj. 254) Millionen sfr verminderter Konzerngewinn. Werden die Sondereinflüsse außer Acht gelassen, stieg das Konzernresultat jedoch um 39 % auf 244 Millionen sfr. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 20 sfr erhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%