Kampf mit harten Bandagen
Reuters greift Info-Konkurrenten an

Der Medienkonzern kämpft in der Banken- und Zeitungskrise mit sinkendem Umsatz - und schielt nun auf die Marktanteile der Wettbewerber.

pes FRANKFURT. Angesichts der Krise bei Banken und Medienunternehmen lautet die Devise im deutschen Markt für Finanzinformationen: "Verdrängen". Der Medienkonzern Reuters AG, Ableger der britischen Reuters Group Plc, kämpft mit harten Bandagen. Der nach eigenen Angaben "weltweit größte Lieferant von Nachrichten und Finanzinformationen" will in diesem Jahr den Konkurrenten Bloomberg und Vereinigte Wirtschaftsdienste (vwd) Marktanteile abjagen. "Der Kuchen wird kleiner, und wir wollen ein größeres Stück", sagt Sameeh El-Din, Vorstand der Reuters AG für Deutschland und Skandinavien. Mit Finanzdienstleistungen und-informationen macht der Konzern bis zu 90 % seines Umsatzes, die Nachrichtenagentur für Medien trägt rund 10 % dazu bei. 2002 ist der Umsatz in Deutschland um über 4 % auf 157,1 Mill. Euro zurückgegangen. Die britische Mutter hatte für 2002 erstmals seit dem Börsengang 1984 einen Netto-Verlust von 394 Mill. Pfund ausgewiesen.

Reuters will im wichtigen Bereich der Finanzmarktinformationen in Banken und Unternehmen ein Massensegment bedienen, das bisher in Deutschland vor allem vwd, aber auch Online-Dienstleister wie Teledata, Onvista und Moneyline vorbehalten ist. Mit dem so genannten "Reuters Web Terminal", einem Info-Angebot per Internet oder Intranet, bietet Reuters jetzt erstmals die Breitenversorgung für Unternehmen. Das Produkt ist preiswerter als die traditionell hochwertigen Reuters-Terminals und soll die Umsatzrückgänge im Geschäft mit Aktienhändlern ausgleichen. Denn mit dem fortschreitenden Arbeitsplatzabbau vor allem in den Banken sind die Terminal-Nutzerzahlen stark zurückgegangen. Laut der Fachzeitschrift "Inside Market Data" ging die Anzahl der Terminals 2002 weltweit um 16 % auf 493 000 zurück. Der schärfste Konkurrent Bloomberg verbuchte dagegen ein Plus um knapp 5 % auf 171 300.

Der Konkurrent vwd beobachtet den Angriff aufmerksam. Der Nachrichtendienstleister, der unter anderem Sparkassenverbände und Behörden mit Finanzinformationen bedient, bietet seit über einem Jahr Internet-basierte Finanzinformationen für Firmen. Das Frankfurter Unternehmen, an dem die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Dow Jones beteiligt sind, hatte Reuters vor Jahren in Deutschland im Breitengeschäft mit Banken abgehängt. "Es ist ein schrumpfender Markt mit zunehmendem Wettbewerb, in dem wir uns allerdings rechtzeitig positioniert haben", sagt vwd-Geschäftsführer Michael Frank. Nach eigenen Angaben verbuchte das Unternehmen 2002 mit über 50 Mill. Euro den höchsten Umsatz seit der Unternehmensgründung 1949.

Unterdessen steckt Reuters "mitten in der Umstrukturierung", so El-Din. "Wir setzen auf Informationen und Service", sagt der Vorstand und betont, Reuters habe zu Jahresbeginn beschlossen, sich aus dem Geschäft als Technik-Anbieter zurückzuziehen. Mit dem Premiumprodukt Reuters-Terminal könne Reuters in Zukunft anteilig mehr verdienen, weil Reuters auch die Arbeitsabläufe der Kunden in das Info- und Handelssystem einfüge. "Wenn wir die Daten unserer Kunden zum Beispiel für Risikomanagement in unser System einbauen, wird auch das gesamte Reuters-Terminal für die Kunden immer unverzichtbarer", sagt Stefan Ott, Leiter Investment Banking bei Reuters.

Im vergangenen Jahr konnte Reuters im deutschen Markt den Gewinn durch Sparmaßnahmen um 12 % gegenüber dem Vorjahr steigern. Im laufenden Jahr rechnet El-Din mit weiterem Umsatzrückgang um 5 % und stagnierendem Gewinn. Die Kosten müssen weiter gesenkt werden. In diesem Jahr sollen zwei von zwölf deutschen Büros geschlossen werden. Drei kleinere Tageszeitungen hätten bislang ihre Lieferverträge mit Reuters gekündigt. "Im Medienmarkt herrscht extremer Preisdruck", so El-Din. Forderungen nach bis zu 30 % Abschlag seien bei Verlagen zur Zeit üblich, berichten Branchenkenner.

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