Kampf um das Anleger-Geld wird härter
Für zahlreiche Fonds ist die Luft dünner geworden

In unruhigen Börsenzeiten empfehlen Anlageberater ihren Kunden häufig, nicht in einzelne Aktien, sondern in Fonds zu investieren. Der Vorteil: Das Risiko wird auf mehrere Werte verteilt, geht es einem Unternehmen schlecht, macht ein anderes vielleicht Gewinn. Die Zahl der Fonds stieg seit dem vergangenen Jahr dann auch rapide an. Die steigende Tendenz täuscht aber darüber hinweg, dass auch immer wieder Fonds geschlossen werden.

afp BERLIN. Besonders bei einigen kleineren Wachstum- und Technologiefonds sei "die Luft raus", sagt Volker Pietsch von der Verbraucherzentrale Berlin. Zwar gebe es bislang in Deutschland "keine Massenschließungen". Es sei aber offen, ob einige Fonds "die Kursverluste der letzten Monate je wieder rausholen können".

Der Wettbewerb auf den Fondsmärkten nimmt ständig zu, der Kampf um die Gelder der Anleger wird härter. Seit Anfang 2000 stieg die Zahl der Wertpapierfonds nach Zahlen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) um rund tausend auf zuletzt 6700. Insgesamt sind in Deutschland 7002 Fonds aller Arten angemeldet. Eine Statistik über die Schließung von Fonds führt die Behörde bislang nicht. "Früher hat es praktisch keine Schließungen gegeben", sagt BAKred-Sprecher Oliver Struck. Zuletzt sei die Zahl der vom Markt genommenen Fonds jedoch etwas gestiegen. Ein "erschreckendes Ausmaß" sei damit aber nicht erreicht.

Schock für die Anleger

Für Privatanleger ist die Schließung häufig ein Schock. Vor allem, wer mit einem Fonds hohe Verluste erlitten habe, fühle sich oft getäuscht, sagt Pietsch. "Die Chance, dass sich der Fonds dann wieder erholt, ist mit der Schließung weggeschnitten." Für die Banken und Fondsgesellschaften ist die Entscheidung konsequent: Fällt das Kapitalvolumen eines Fonds unter eine gewisse Grenze, werden die Kosten für die Verwaltung zu hoch. Auch wenn sich Fondsverwalter zusammenschließen, kann es zu Schließungen kommen. Dann lohnt es sich meist nicht mehr, etwa zwei spezialisierte Fonds für chinesische Anleihen im Angebot zu haben.

Anders als in den USA, wo die Fondsschließung längst zum Alltag gehören, bleibt sie in Deutschland ein Politikum. Immer wieder gab es Gerüchte, auch ein größerer Neuer-Markt-Fonds stehe vor dem Aus. Bislang kam es aber zu keiner Schließung. Die Gesellschaften fürchten einen Schneeballeffekt: Ist erst ein Fonds dicht, könnten die Anleger verunsichert sein und ihr Geld aus ähnlichen Fonds abziehen.

Häufige Alternative ist deshalb eine Änderung der Anlagepolitik. "Sie können einen Fonds dann anders steuern", sagt Matthias Jansen von der Dresdner-Bank-Investment-Tochter DIT. "Das wird eher gemacht, als dass man einen Fonds schließt." Aus einem reinen Deutschland-Fonds könnte dann ein europäisch ausgerichteter Fonds werden. Damit steigen die Möglichkeiten, Kapital von schwachen Märkten auf Länder mit robusterer Konjunktur zu verlagern.

Schließung muss angekündigt werden

Zuweilen ist es für solche Rettungsaktionen aber zu spät. Regeln, aus welchen Gründen eine Gesellschaft dann einen Fonds dicht machen darf, gibt es keine. Von heute auf morgen darf die Schließung aber nicht erfolgen. Nach Paragraf 13 Kapitalanlagegesetz müssen die Gesellschaften dies mindestens drei Monate vorher im Bundesanzeiger ankündigen. "Kürzer darf die Kündigungsfrist nicht sein."

Nach der Schließung wird das Vermögen des Fonds auf die Anleger verteilt. Die Gesellschaften bieten den Kunden dann regelmäßig an, das Geld in einem anderen Fonds anzulegen. Ein erneuter Ausgabeaufschlag wird für den Wechsel meist nicht berechnet. "Gesetzliche Vorgaben gibt es hier aber nicht", sagt Struck. Sollte doch eine Gebühr verlangt werden, rät Pietsch zum Protest: "Die Fondsschließung hat in erster Linie die Bank zu vertreten. Dadurch dürfen dem Verbraucher keine zusätzlichen Nachteile entstehen."

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