Kampf um den CSU-Vorsitz
Geburtstagsgruß aus der Staatskanzlei

Offiziell ist Thomas Goppels Wunsch, im Juni den CSU-Vordenker Alois Glück als Chef beim mit Abstand größten und mächtigsten CSU-Bezirksverband Oberbayern zu beerben. Mancher in der CSU glaubt freilich, dass der bayerische Wissenschaftsminister in Wahrheit noch viel kühnere Träume träumt - nämlich vom CSU-Vorsitz insgesamt.

MÜNCHEN / BERLIN. Die Sterne hat Thomas Goppel also schon mal auf seiner Seite. Zum 30. April 2007, dem Tag seines 60. Geburtstags, verheißt ihm sein Tageshoroskop Beziehungsreiches: Es sei, so zitiert der Jubilar genüsslich vor seinen 650 Festgästen im früheren Hauskloster der Wittelsbacher in Fürstenfeldbruck, eine "gute Zeit, um berufliche Träume zu realisieren".

An Träumen, offiziellen und weniger offiziellen, fehlt es nicht bei Thomas Goppel, und auch nicht an Spekulationen, wie gut die Zeit für ihre Verwirklichung ist. Offiziell ist sein Wunsch, im Juni den CSU-Vordenker Alois Glück als Chef beim mit Abstand größten und mächtigsten CSU-Bezirksverband Oberbayern zu beerben. Mancher in der CSU glaubt freilich, dass der bayerische Wissenschaftsminister in Wahrheit noch viel kühnere Träume träumt - nämlich vom CSU-Vorsitz insgesamt.

Den will Edmund Stoiber bekanntlich im September niederlegen, und seine beiden potenziellen Nachfolger, Bundesverbraucherminister Horst Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, stecken in Schwierigkeiten: Dem einen steht sein nach wie vor ungeklärtes Privatleben im Weg, dem anderen zunehmend Edmund Stoiber.

Der Noch-Parteichef lässt derzeit keine Gelegenheit aus, seinen Ex Huber-Paladin öffentlich zu demütigen. Als Huber ihn als Chef der Hanns-Seidel-Stiftung ins Gespräch brachte, genehmigte sich Stoiber einen Wutausbruch - obwohl beide zuvor über den Vorschlag gesprochen hatten. Als Huber für niedrigere Steuern warb, musste er sich wie ein Schulbub belehren lassen, Politik sei "die Kunst des Machbaren".

Um so aufmerksamer wird in Fürstenfeldbruck verfolgt, welche Worte Stoiber zu dem möglichen Joker Goppel findet. Deren Verhältnis war bislang eher schwierig: Goppel gilt in der Staatskanzlei als substanzloser Dampfplauderer. Doch das ist nichts im Vergleich zu Groll, den Stoiber gegen das Putschisten Huber-Tandem und Beckstein hegt.

Und so preist Stoiber die "belastbare persönliche Freundschaft" zwischen ihm und dem Jubilar und die "unheimlich breite Palette" an Ämtern, die der frühere Europa- und Umweltminister schon ausgeübt habe. Am Schluss erzählt er aus ihren gemeinsamen ersten Jahren im Landtag, als sie sich ein Büro teilten und Goppel klagte, dass Stoiber immer das Telefon in Beschlag halte. "Derweil", sagt Stoiber, "warst du einfach zu selten da." Und dann fügt er hinzu: "Aber vielleicht deswegen, weil ich immer da war."

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