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Kampf um den engen Markt für Datenbanken

Oracle lenkt ein und will zunächst eine abgespeckte Version seiner Datenbanksoftware zu einem günstigeren Preis anbieten. Das Softwarehaus hatte in den vergangenen Monaten mächtig an Boden verloren.

FRANKFURT/M. Zudem sollen bestimmte Programme fehlerhaft gewesen sein. Chef Larry Ellison nutzte daher die Konferenz Oracle Apps World in San Diego, um besseres Wetter bei seinen Kunden zu machen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2002 (28. Februar) schrumpfte Oracles Datenbankgeschäft um 17 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Insgesamt ging Oracles Softwareverkauf im vergangenen Quartal um 41 % auf 147,9 Mill. $ zurück.

Aber auch der Druck, den IBM verstärkt nach dem Kauf von Informix ausübt, macht Larry Ellison schwer zu schaffen. Immerhin erhöhte sich die Basis für IBM um mehr als 10 000 Informix- Kunden. IBM erzielte im vierten Quartal ein Plus von 48 % mit seinen Datenbankprodukten.

Das alles spielt sich in einem immer engeren Markt für Datenbanksoftware ab. Nach den Boomjahren 1999 und 2000 schrumpfte das Volumen nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Gartner im vergangenen Jahr um 2 %. Und weltweit sinkende IT-Budgets verheißen für 2002 keine Trendwende. Gartner-Analystin Colleen Graham erwartet, "dass Wachstum in diesem Jahr nur auf Kosten von Konkurrenten möglich ist".

"Der Wettbewerb spielt sich zwischen wenigen Anbietern ab", sagt Sebastian Krause, Bereichsleiter für Data Management Lösungen bei IBM. Mehr als drei Viertel des Marktvolumens von 8,8 Mrd. $ im Jahr 2001 vereinen die IT-Riesen Oracle, IBM und Microsoft auf sich. Den Rest teilen sich knapp zwei Dutzend mittelgroße und spezialisierten Anbieter, zu denen neben der amerikanischen Sybase auch die deutsche Software AG (Adabas) gehört.

Die Anforderungen an Geschwindigkeit, Stabilität und Sicherheit der Datenbanken sind hoch, was sich die Softwareindustrie gut bezahlen lässt. So verlangt Marktführer Oracle für eine Lizenz der Datenbanksoftware "Oracle 9i" laut Listenpreis 40 000 $ - pro Prozessor. Und für den Betrieb großer Datenbankbestände wie beispielsweise bei Banken oder Versicherungen braucht es derer viele. So kostet die Anschaffung von Datenbanksoftware Unternehmen schnell einige Millionen Dollar. Dazu kommen hohe Kosten für die laufende Verwaltung und Betreuung der Systeme.

IBM bietet ihre Datenbanksoftware DB2 zu einem Preis von 20 000 $ pro Prozessor an. Diese aggressive Preispolitik hat IBM in den vergangen zwei Jahren vor allen Dingen in Europa zweistellige Zuwachsraten bei neuen Lizenzen mit Datenbanken beschert. Aber nicht nur von IBM bekommt Oracle Druck, auch Microsoft, der dritte große Anbieter im Bunde, bietet seine Datenbank Microsoft SQL zum Preis von 19 999 $ weit unter der Forderung von Oracle an.

"Es ist klar, dass straffere IT-Budgets die Kunden sensibler für den Preis machen," gestand Oracle-Chef Larry Ellison bereits ein. Das Angebot eines günstigeren Preises für eine einfachere Version seiner Datenbanksoftware sei daher nur der erste Schritt. Doch obwohl Oracles Datenbanksoftware in einem Vergleichstest der US-Fachzeitschrift PC-Magazine jüngst als strahlender Sieger gekürt wurde, kritisierten die Tester die Oracle-Strategie, die eigene Datenbank zu einer Softwareplattform auszubauen, die vorzugsweise mit Oracle-Unternehmenssoftware zusammenarbeitet. Oracle ist bei Unternehmensanwendungen einer der größten Konkurrenten der deutschen Softwareschmiede SAP.

Quelle: Handelsblatt

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