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Kampf um die besten Bilder

Das Vorbild Amerika wird diesen Wahlkampf prägen. Die Programme der Parteien rücken in den Hintergrund, der Kanzler und sein Herausforderer setzen auf die Macht der Bilder. Ob nun Gerhard Schröder beim Elfmeterschießen die Sportskanone mimt oder Edmund Stoiber mit einem Rotbarsch in der Hand die skeptischen Nordlichter von seiner Liebe zum Fischfang überzeugen will, immer verdanken wir diese herzerfrischenden Szenen dem Wettlauf um das Kanzleramt.

Doch das ist erst der Anfang. Als Höhepunkt des medialen Schlagabtauschs planen Schröder und Stoiber ein Fernsehduell. Ganz so, wie man es aus dem US-Wahlkampf Bush gegen Gore kennt, wo selbst die Farbe der Krawatte ein Politikum war. Klar, dass unsere politischen Alphatiere ihren Vorbildern nicht nachstehen wollen. Und so haben sie schon jetzt einen Streit um die Termine und Spielregeln des großen Showdown vor laufender Kamera begonnen.

Das ist erstens unterhaltsamer als eine Debatte um die Eckpunkte der Gesundheitsreform. Und zweitens laufen sie bei diesem Streit auch nicht Gefahr, nach der Wahl an ihren politischen Versprechen gemessen werden zu können.

Konzentrieren wir uns also auf die wirklich wichtigen Fragen, die Schröder und Stoiber bewegen. Nämlich wie knapp vor dem 22. September die Fernsehduelle - geplant sind zwei - stattfinden sollen. Schröder, der Medienprofi, plädiert für den 2. September und für den Freitag unmittelbar vor der Wahl. Stoiber ist das zu spät. Er pocht auf ausreichend Sicherheitsabstand, damit nicht einer der Kandidaten falsche Behauptungen aufstellen kann, die bis zum Wahltermin nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind. Das ist zwar ein Argument so ganz nach dem rechtschaffenen Image, das der Bayer von sich verbreiten will. Doch es verbirgt nur schlecht, dass Stoiber noch immer die Pleite bei Sabine Christiansen in den Knochen steckt, als ihm vor lauter Nervosität nicht einmal mehr die "Telekom" einfallen wollte.

Schröder nutzt diesen Vorteil knallhart aus. Mit Kanzlerautorität will er die Termine für das Fernsehduell diktieren. Doch auch solches Verhalten macht nicht sympathisch. Kanzler und Kandidat müssen in ihrem Kampf um die besten Bilder aufpassen. Schnell leidet darunter die Glaubwürdigkeit. Bei der Wahl zwischen zwei Showmastern aber bleiben die Wähler zu Hause.

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