Kampf um die Existenz
Oddset-Wetten bereitet Galopprennsport Probleme

Deutschlands Galopprennveranstalter kämpfen um ihre Existenz. Zwar haben die deutschen Pferde in dieser Saison auf den Bahnen des Auslandes die Rekordsumme von mehr als 12 Mill. DM (6,13 Mill. Euro) gewonnen, doch die heimischen Veranstalter plagen im Vergleich zum ohnehin schon schwachen Vorjahr Umsatz- Rückgänge von bisher 29,7 Mill. DM.

dpa DÜSSELDORF. Allerdings wurden insgesamt auch 441 Rennen weniger ausgetragen. Fast alle Renntag-Absagen waren finanziell bedingt.

So fanden 2001 in Gelsenkirchen-Horst nur noch fünf Renntage statt, acht weniger als 2000. Besonders betroffen sind zurzeit die beiden Winterbahnen in Neuss und Dortmund. In Neuss wird an diesem Sonntag (13.35 Uhr) das Auktionsrennen der Sandbahnspezialisten um 51 000 DM gelaufen - mit nur sieben Startern. In Frankfurt/Main findet am Wochenende der letzte Grasbahn-Renntag des Jahres statt. Hier fehlt sogar das Geld für eine Fernsehkamera, um erkennbare Bilder der Rennphasen von der Gegenseite zu zeigen.

Die Vereine in Neuss und Dortmund mussten bei den wenigen Rennen der laufenden Wintersaison auch Umsatzeinbußen verdauen, weil in über 50 Buchmacherläden die Bildschirme mit den Live-Übertragungen der Rennen dunkel blieben. Der Galopper-Dachverband streitet sich mit diesen Buchmachern um die Kosten für die Bilder und stellte deshalb am 1. November die Belieferung ein. Bereits zweimal hat der Verband vor Gericht verloren, eine Einigung ist nicht in Sicht.

Die Verantwortlichen beim Dachverband haben allerdings einen weiteren Grund für die negative Entwicklung ausgemacht. Detlef Meimann, seit März 2001 der Chefmanager des deutschen Galopprennsports: "Die Einführung der Oddset-Wette hat uns erheblich geschadet. Wir verhandeln deshalb mit der Landesregierung über eine Ausgleichszahlung." Allerdings ist auch die Umsatz-Entwicklung dieser Sportwette mit festen Quoten rückläufig.

Im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden im Jahre 2000 noch 320 Mill. DM bei den Oddset-Wetten umgesetzt, am Ende dieses Jahres werden es rund 30 % weniger sein. "Wir haben zunächst natürlich vom Effekt des Neuen profititiert. Deshalb liegen wir jetzt auch deutlich unter den Zahlen von 2000", gab Albert Haarmann zu, der bei der Westdeutschen Lotteriegesellschaft in Münster für die Sportwetten zuständig ist.

Extrem Umsatz-hemmend für die Oddset-Wette ist der seit Jahren Europa weit grassierende illegale Markt, für dessen Protagonisten die Oddset-Wette sogar die Arbeit erleichterte, weil sie die festen Quoten nur noch mit einem steuerfreien Aufschlag belegen mussten. "Wir beobachten diese Entwicklung schon mit großer Sorge. Die Möglichkeiten dagegen sind aber eingeschränkt. Unsere Aufgabe besteht aber auch darin, den Spieltrieb der Bevölkerung zu kanalisieren", so Haarmann. Galopper-Manager Meimann spricht von einer "fast perversen" Entwicklung: "Wir müssen hoffen, daß die Umsätze der Oddset-Wette wieder steigen, um überhaupt Ausgleichszahlungen zu erhalten."

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