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Kampf um Herbstmeisterschaft: VfB kann Bayern abfangen

Der eigentlich wertlose Titel „Herbstmeister“ ist umkämpfter denn je und wird erst am letzten Hinrunden-Spieltag der Fußball-Bundesliga entschieden.

dpa DÜSSELDORF. Der eigentlich wertlose Titel "Herbstmeister" ist umkämpfter denn je und wird erst am letzten Hinrunden-Spieltag der Fußball-Bundesliga entschieden.

Nach dem enttäuschenden 2:2 von Bayern München beim 1. FC Nürnberg im 170. Derby muss der deutsche Rekordmeister aus München wieder um seine Spitzenposition in den Weihnachtsferien fürchten. Denn der VfB Stuttgart kann den Konkurrenten dank des eigenen 5:2 gegen den VfL Bochum mit einem Sieg im direkten Duell am nächsten Samstag noch abfangen. "Wenn wir so spielen, ist auch in München was drin", meinte VfB-Schlussmann Timo Hildebrand vor dem Süd-Schlager im Olympiastadion.

Die Stimmung bei Bayerns Führungsriege nach dem unnötigen Remis im Frankenstadion war wenig vorweihnachtlich. "Wenn wir den Anspruch haben, Meister zu werden, müssen wir so ein Spiel gewinnen", nörgelte Trainer Felix Magath nach dem Spiel gegen seinen Ex-Club. Auch Manager Uli Hoeneß war stocksauer, weil die Elf trotz 2:1-Führung den Sieg noch leichtfertig aus der Hand gab. Zumal der "Club" nach "Gelb- Rot" für Andreas Wolf (24.) 50 Minuten lang einen Spieler weniger auf dem Feld hatte, ehe Hasan Salihamidzic ("Rot" wegen Notbremse/74.) für zahlenmäßigen Gleichstand sorgte und das 2:2 von Ivica Banovic (Foulelfmeter) ermöglichte. "Nürnberg war doch schon tot", schimpfte Hoeneß, und Magath erkannte: "Statt des 3:1 haben wir dem Gegner ein Weihnachtsgeschenk gemacht."

Ungleich schlechter erging es am torreichen 16. Spieltag dem neuen Schlusslicht SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach. 0:6 lauteten die niederschmetternden Ergebnisse. Der konsternierte Borussen-Coach Dick Advocaat, der erst vor einigen Wochen den ebenso erfolglosen Holger Fach abgelöst hatte, konnte sich nach dem "halben Dutzend" bei Hertha BSC nicht an ein ähnliches Debakel in seiner Laufbahn als Vereinstrainer erinnern. Kapitän Christian Ziege sprach nach dem Untergang in seiner Geburtsstadt gar von "der schlimmsten Klatsche meiner Karriere" und einem "vollkommenen Desaster". Torhüter Darius Kampa flogen die Bälle nur so um die Ohren. Er musste dem neutralen Beobachter nach Treffern von Billy Reina, Nando Rafael, Alexander Madlung, Yildiray Bastürk (2) und Marcelinho schon Leid tun. "Eine Katastrophe", stammelte

Nicht minder schlecht erging es dessen Freiburger Kollege Richard Golz. Dabei war der lange Keeper bei der Demütigung durch Meister Werder Bremen noch der beste SC-Spieler. "Wir sind nicht mehr in der Lage, den Ball kontrolliert zu spielen", stellte Golz ernüchtert fest. Die Freiburger Fans, ausgestattet mit "Drei-Punkte-Mützen" im Nikolausstil, bewiesen beim 0:6 wenigstens Galgenhumor. "Das Licht geht aus, wir geh'n nach Haus. Rabimmel, rabammel, rabumm", sangen sie aus Leibeskräften. Die Hoffnung, den abermaligen Bundesliga- Abstieg noch abzuwenden, schwindet zusehends. Dennoch ist eine Trennung von Trainer Volker Finke im Breisgau kein Thema. "Einer, der 14 Jahre lang seine Stärken so einbringt, der hat sie im 15. Jahr nicht verloren", betonte Präsident Achim Stocker.

Bester Laune waren dagegen die Bremer, insbesondere der dreifache Torschütze Angelos Charisteas. Der oft auf der Bank schmorende Grieche vertrat den verletzten Ivan Klasnic drei Tage vor dem Champions-League-Spiel beim FC Valencia (Dienstag) glänzend. "Wir sind gut vorbereitet auf die Partie in Valencia", sagte Coach Thomas Schaaf, der sich am "schönen Fußball" seiner Elf erfreute.

Das tat auch Ewald Lienen beim 2:0-Sieg von Hannover 96 beim Hamburger SV. "Man hat schon fast keine Worte mehr, wie super und aggressiv sie spielen", lobte Lienen seine Akteure. Die auf Platz vier gekletterten Niedersachsen (28 Punkte) entzauberten das unter Thomas Doll so erfolgreiche HSV-Team im eigenen Stadion und können ebenso auf einen Uefa-Cup-Platz schielen wie die nachfolgenden Teams aus Bremen und Wolfsburg (beide 27), Berlin und Leverkusen (je 25).

Die Bayer-Profis wäre noch viel weiter vorn, würden sie sich beim Toreschießen nicht nur auf die zweite Spielhälfte beschränken. Beim 2:1 gegen Ex-Tabellenführer VfL Wolfsburg gelang es Leverkusen schon zum zwölften Mal in der Saison, einen 0:1-Rückstand noch in einen Sieg umzumünzen. 22 der 27 Tore erzielte die Elf nach dem Wechsel, was Trainer Klaus Augenthaler allmählich zur Verzweiflung treibt. "Das mache ich nicht mehr lange mit. Bei jedem Rückstand ärgere ich mich mehr." Ärgern stand auch bei Arminia Bielefeld auf dem Programm. Beim 1:1 gegen Hansa Rostock stand Referee Peter Sippel im Fokus, weil er dem Aufsteiger zwei vermeintlich klare Elfmeter verwehrte und eine Tätlichkeit von Ronald Maul an Fatmir Vata übersah.

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