Kampf um Jungforscher
„Man fühlt sich wie der Kaiser“

Deutschland soll bis 2020 die forschungsfreudigste Nation der Welt werden? Hat die Bundesregierung angekündigt? Deutsche Jungforscher können darüber nur lachen. Sie ziehen es vor, in den USA zu bleiben. Zu schlecht sind die Erfahrungen, zu groß die Skepsis über den Job-Markt für Forscher in Old Germany.

CAMBRIDGE. Deutschland soll bis 2020 die forschungsfreudigste Nation der Welt werden? Hat die Bundesregierung angekündigt? Unter den 270 deutschen promovierten Jungforschern im Great Ballroom des vornehmen Marriott Hotels in Cambridge/Massachusetts - wenige Schritte vom weltberühmten MIT - macht sich Gelächter breit. Nein, das können sie nicht ernst nehmen. Zu schlecht sind die Erfahrungen, zu groß die Skepsis über den Job-Markt für Forscher in Old Germany.

"Amerika du hast es besser", wusste schon Goethe. Heute gilt das in der Forschung ungebrochen, denn das Mekka der Forschung, die USA, zieht Nachwuchsforscher aus aller Welt an - vor allem aus Deutschland. Jährlich erhalten rund 1 500 Deutsche Forscher ein Stipendium für Nordamerika. Und "die Besten bleiben", sagt Marc Krischner, Chef der Systembiologen in Harvard, nicht ohne Befriedigung.

Um diesen brain-drain umzukehren haben die deutsche Forschungspolitik und die Wissenschaftsorganisationen schon zum 6. Mal ihre Top-Leute über den Atlantik geschickt, um den deutschen Spitzenforschernachwuchs, die Stipendiaten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des DAAD zur Rückkehr zu bewegen. Sie schwärmen vom "Aufbruch" in der deutschen Forschungslandschaft, getrieben von der 1,9-Mrd.-schweren Exzellenzinitiative für die Hochschulen und der High-Tech-Strategie, erzählen vom "Ruck" des Wettbewerbs, der durch die Hörsäle und Labore gehe.

"Sie können ihre Karriereprobleme zu Hause lösen", verspricht der Vize-Präsident des DAAD, Max Huber, den jungen Deutschen, die an den renommiertesten Universitäten der USA forschen. Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, stellt besserer Berufschancen in Aussicht und appelliert an die Heimatverbundenheit: "Wir brauchen sie!"

Doch die postdocs im Saal sind misstrauisch. Erfreut registrieren sie zwar, wie gut Chancen und Bedingungen an den Instituten der außeruniversitären Forschung bei Max-Plank, Helmholtz- , Leibniz und Fraunhofer inzwischen sind. Doch ausgerechnet ihr größter potenzieller Arbeitgeber, die Hochschulen, ist in Boston gar nicht vertreten.

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