Kampf um Sanierung beginnt
Rote Zahlen bei United Airlines höher als angenommen

Die bankrotte US-Fluglinie fliegt täglich Miese von 22 Millionen Dollar ein. Das ist drei Mal so viel wie bislang angenommen. Unter den Gläubigern sind auch etliche deutsche Unternehmen.

dpa CHICAGO. Die Verluste der zahlungsunfähigen US- Fluggesellschaft United Airlines sind drastisch höher als bisher angenommen. Die zweitgrößte Airline der Welt fliegt täglich ein Minus von 22 Mill. ? ein - drei Mal soviel wie ursprünglich bekanntgegeben. Nach dem bisher größten Konkursantrag in der Branche begann am Dienstag der Kampf um die Sanierung. Konzernchef Glenn Tilton forderte weitreichende Zugeständnisse von Mitarbeitern, Lieferanten und Kreditgebern.

United hatte am Montag ein Konkursverfahren nach Kapitel Elf des US-Konkursrechts beantragt und will sich unter Gläubigerschutz binnen 18 Monaten sanieren. Die Fluggesellschaft deklarierte im Konkursgericht in Chicago Vermögenswerte von 22,7 Mrd. Dollar und Schulden von 21,5 Mrd. Dollar. Zu den vielen Gläubigern gehören auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Boeing, Airbus und zahlreiche Flugzeugleasingfirmen.

Am schlimmsten dürften die ungesicherten Gläubiger und Anleihenbesitzer sowie die Aktionäre der United-Mutter UAL dastehen. Die Aktionäre dürften ihr gesamtes Investment verlieren. Das Unternehmen gehört den Mitarbeitern zu 55 %. Die UAL-Aktien notieren nur noch bei 93 US-Cent.

"Wir fliegen noch. Wir nehmen noch die gleichen Tickets an. Unser globales Netz bleibt intakt. Natürlich sind ihre Vielfliegermeilen noch gültig", versicherte United am Dienstag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen ihren Kunden.

Die KfW hatte Kredite im Gesamtumfang von 500 Mill. Dollar gewährt. Eine Sprecherin des Frankfurter Instituts sagte der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX am Dienstag, man gehe aber davon aus, dass die von der KfW finanzierten Flugzeuge weiter benutzt würden. In diesem Falle rechne man auch mit der entsprechenden Zahlung der Raten.

Das Konkursgericht genehmigte United den Zugriff auf 800 Mill. Dollar aus den neuen Finanzierungsmitteln von insgesamt 1,5 Mrd. Dollar. Das gibt der Gesellschaft vorerst ausreichende Mittel für die Fortsetzung des Geschäfts. Die United hat den Konkursantrag im Rahmen von Kapitel Elf des US-Konkursrechts gestellt, der temporären Gläubigerschutz gewährt. Er ermöglicht eine Weiterführung der Geschäfte und eine Sanierung unter Aufsicht des Konkursrichters und unter Mitsprache der Gläubiger.

Tilton wollte den Gewerkschaften am Dienstag Restrukturierungspläne vorlegen. Diese dürften erheblich weiter gehende Tarifkonzessionen von den 83 000 Beschäftigten fordern als die 5,2 Mrd. Dollar, die sie zuvor für die kommenden fünfeinhalb Jahre versprochen hatten. Die Gesellschaft hat für ihre Spitzenmanager sofort Gehaltskürzungen um 11 % und für die Angestellten Abschläge von 2,8 bis 10,7 % angeordnet. Die United hat mit die höchsten Personal- und operativen Kosten aller US- Airlines.

Sollte sich die United nicht gütlich mit den Gewerkschaften einigen können, hat sie die Möglichkeit, starke Lohn- und Gehaltskürzungen mit Einwilligung des Konkursrichters anzuordnen. Ein Konfrontationskurs zwischen Management und Gewerkschaften könnte allerdings zu erheblichen Betriebsstörungen führen. Daran haben die Tarifpartner keinerlei Interesse. Sie wissen nur zu genau, dass der Kundenverbleib der Schlüssel für die Sanierung und das Überleben ist.

Die Gesellschaft dürfte aber auch über kurz oder lang mehr unprofitable Strecken streichen und ältere Flugzeuge an die Leasingfirmen zurückgeben, glauben US-Luftfahrexperten. Das weltweite United-Streckennetz gilt als eines der stärksten aller US- Fluggesellschaften, und das ist die große Trumpfkarte des Unternehmens. Die Lufthansa scheint weiteren Hilfsmaßnahmen für ihre wichtigste Partner-Airline gegenüber aufgeschlossen.

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