Kampf um Spitzenjobs in neuer deutscher Energieholding – Wunden aus dem Übernahmekampf bei Bewag noch nicht geheilt
Gewerkschaftsstreit behindert Vattenfall

Der Machtkampf der Gewerkschaften um die Spitzenjobs bei Vattenfall Europe, Deutschlands neuer Kraft auf dem Energiemarkt, ist entbrannt. IG Metall und IG BCE haben kein großes Interesse, die bei der Berliner Bewag dominierende Verdi zum Zug kommen zu lassen.

BERLIN. Der schwedische Energie-Konzern Vattenfall AB, Stockholm, hat es nicht leicht mit seinen ehrgeizigen Zielen in Deutschland. Unter dem Dach der Holding Vattenfall Europe sollen die Energieversorger Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW), Bewag, Laubag und Veag bereits bis Sommer zu einem Konzern geschmiedet werden. Er wäre nach RWE und Eon die drittgrößte Kraft auf dem deutschen Strommarkt. Bis Herbst soll eine rechtsfähige Einheit stehen.

Doch eine Crux bei der geplanten Zusammenführung der von Vattenfall erworbenen nord- und ostdeutschen Versorger besteht darin, dass die Unternehmen von unterschiedlichen Gewerkschaften dominiert werden. Bei der HEW ist es die IG Metall, bei der Laubag und Veag die IG Bergbau Chemie Energie, bei der Berliner Bewag Verdi - und alle ringen jetzt bei der Holding um Macht und Posten: So sind die Positionen des Aufsichtsrats-Vizes, des Konzernbetriebsratschefs und die des Arbeitsdirektors zu besetzen. Letztere Position hat die IG BCE bereits mit Martin Martiny für sich reklamiert.

Dabei wirkt sich die Konzernpolitik auch auf das Ringen der Gewerkschaften aus. So kämpft die Berliner Bewag, die erst nach zähem Widerstand und dem unerwarteten Ausstieg des US-Gesellschafters Mirant von Vattenfall übernommen wurde, um ihren Einfluss auf den Konzern. "Die Felle sind ohne uns verteilt worden, wir finden da nur untergeordnet statt", hört man aus der Bewag.

Falls Bewag mit Verdi leer ausgehen sollte, dürfte Vattenfall ein Problem haben: "Wir sind doch die Ertragsperle", heißt es bei der Bewag selbstbewusst.

In der derzeitigen Gemengelage ist die heutige Rede des designierten Vattenfall-Europe-Chefs Klaus Rauscher, in Personalunion HEW-Chef, sehr wichtig. Zwar hat Rauscher keinen Einfluss auf den gewerkschaftsinternen Streit, er kann aber die angespannte Stimmung bei der Bewag beruhigen. Denn die Wunden der Übernahmeschlacht sind noch nicht geheilt, die Berliner haben sich mit der HEW eine monatelange harte Auseinandersetzung um die Führung auf dem ostdeutschen Strommarkt geliefert.

Für Einsicht bei den Gewerkschaften wirbt Veag-Betriebsratsvorsitzender Wilfried Schreck: "Wenn sich Gewerkschaften beharken, geht das nur zu Lasten ihres Organisationsgrades." Schreck weist darauf hin, dass Veag/Laubag mit rund 12 000 Mitarbeitern mehr als die Hälfte der Vattenfall Europe-Mitarbeiter stelle. Rund die Hälfte davon sei organisiert. Eine andere Rechnung machen die Bewag-Beschäftigen auf. Sie kämen auf rund 5 000 Mitarbeiter, würden aber bei einem Organisationsgrad von 90 % die größte organisierte Zahl der Mitarbeiter stellen. Nach dem DGB-Prinzip entscheiden jedoch die Belegschaftszahlen.

Sand im Getriebe gibt es aber nicht nur bei der gewerkschaftlichen Interessenvertretung. Für die HEW-Betriebsratsvorsitzende Angela Ahrnt entsteht bei der Zusammenführung auch ein West/Ost-Problem. Schließlich hätten HEW und Bewag höher dotierte Tarifverträge als Veag/Laubag. In welche Richtung die Angleichung erfolgen soll, dürfte dabei für die hoch verschuldete Vattenfall klar sein.

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